Jan Ullrich gibt Blutdoping bei Fuentes zu

Jan Ullrich (Bildquelle: picture-alliance/ dpa)

Jan Ullrich gibt Blutdoping zu

Er wollte nur Chancengleichheit

Seit Jahren war es ein offenes Geheimnis, jetzt hat Ex-Radprofi Jan Ullrich erstmals die Fakten bestätigt: Der bislang einzige deutsche Tour-de-France-Sieger gab zu, dass er sich Blutdoping-Behandlungen beim umstrittenen spanischen Sportmediziner Eufemiano Fuentes unterzogen hat.

"Ja, ich habe Fuentes-Behandlungen in Anspruch genommen", sagte der 39-Jährige in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin "Focus". Der Ex-Radprofi, der im Februar 2012 bereits gestanden hatte, Kontakt zu Fuentes gehabt zu haben, behauptet aber, keine anderen Dopingmittel als sein eigenes Blut verwendet zu haben.

Bisher hatte der 39-Jährige stets mit verklausulierten Aussagen seine Verwicklung in die schwarze Doping-Ära des Radsports zugegeben, aber keine umfassende Beichte abgelegt. Mit einem Geständnis in Raten und einer Interview-Offensive drängte der Wahl-Schweizer zuletzt an die Öffentlichkeit.

Blutdoping-Geständnis von Jan Ullrich
S. Krause, DLF
22.06.2013 12:59 Uhr

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Betrugsvorwürfe wies Ullrich aber auch im aktuellen Interview erneut zurück. "Fast jeder hat damals leistungssteigernde Substanzen genommen. Ich habe nichts genommen, was die anderen nicht auch genommen haben", sagte er. "Betrug fängt für mich dann an, wenn ich mir einen Vorteil verschaffe. Dem war nicht so. Ich wollte für Chancengleichheit sorgen."

Erfolge im Radsport seien am Ende eine Frage von Talent, Teamgeist, Siegeswillen und der Leistungsfähigkeit: "Und geschadet habe ich mir selbst am meisten, was mein Ansehen in der Öffentlichkeit und mögliche gesundheitliche Folgen, die ich nicht habe, angeht."

"Die Ulle-Geschichte ist doch ein alter Hut"

Gesundheitliche Schäden hat er durch die verbotene Leistungsmanipulation also offenbar keine davongetragen. Ähnlich wie der überführte Dopingsünder Lance Armstrong muss er sich jetzt aber dem Imageschaden durch seine jahrelange Verschleierungstaktik und eventuellen Regressforderungen stellen. "Beide sind wir nicht davongekommen und schuldig. Ich bin nicht besser als Armstrong, aber auch nicht schlechter", sagte Ullrich. "Die großen Helden von früher sind heute Menschen mit Brüchen, mit denen sie klarkommen müssen."

Radprofi Jens Voigt (Bildquelle: dpa)
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Der 41-Jährige Radprofi Jens Voigt startet in diesem Jahr zum 16. Mal bei der Tour de France.

Als viel unzureichend und viel zu spät hat der Chef des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), Thomas Bach, das Blutdoping-Geständnis von Ullrich kritisiert. "Für ein wirklich glaubhaftes Geständnis hätte sich Jan Ullrich schon vor einigen Jahren umfassend erklären müssen. Diese Chance hat er verpasst, und selbst jetzt arbeitet er nach meinem Gefühl noch mit rhetorischen Winkelzügen." Ähnlich äußerte sich der deutsche Rad-Verbandspräsident Rudolf Scharping.

Ullrichs langjähriger Profikollege Jens Voigt formulierte so: "Die Ulle-Geschichte ist doch ein alter Hut. Oder hat man irgendetwas erfahren, was neu ist?"

Schuldspruch im Jahr 2012

Ullrich war im Februar 2012 vom Internationalen Sportgerichtshof CAS schuldig gesprochen worden, gegen die Anti-Doping-Regeln verstoßen zu haben. Wegen der Verwicklung in die Fuentes-Affäre wurde er zu einer zweijährigen Sperre rückwirkend vom 22. August 2011 verurteilt.

Sämtliche Resultate seit dem 1. Mai 2005 wurden ihm aberkannt. So wurden ihm der dritte Platz bei der Tour 2005, der zweite Rang bei der Deutschland-Tour im gleichen Jahr und der Gesamtsieg bei der Tour de Suisse 2006 aberkannt. Sein Tour-Sieg aus dem Jahr 1997 hat aber weiter Bestand.

In Zukunft will Ullrich Fahrradtouren für Hobbyradfahrer anbieten.

Jan Ullrich gesteht Eigenblut-Doping
tagesschau 20:00 Uhr, 22.06.2013, Florian Bauer, WDR

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Stand: 22.06.2013 16:00 Uhr

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