IOC-Chef Bach | Bildquelle: dpa

Olympische Spiele ohne Russland Ausschluss light

Stand: 05.12.2017 20:52 Uhr

Das Internationale Olympische Komitee hat entschieden: Russland darf angesichts des weitreichenden Dopingskandals nicht an den Olympischen Winterspielen in Südkorea teilnehmen. Aber: Russische Sportler dürfen mitmachen - unter neutraler Flagge.

Russland darf an den anstehenden Olympischen Winterspielen im südkoreanischen Pyeongchang nicht teilnehmen. Das beschloss das Internationale Olympische Komitee (IOC). Allerdings dürfen einige russische Sportler unter neutraler Flagge antreten.

Für den ARD-Dopingexperten Hajo Seppelt geht die Entscheidung nicht weit genug: "Die Entscheidung ist nicht konsequent genug", sagte er im ARD-Brennpunkt zur Entscheidung des IOC. Denn die russischen Athleten könnten zwar nicht mehr unter russischer Flagge, aber dennoch als "olympische Athleten aus Russland" antreten. Insofern sei die Entscheidung "halbseiden".

Schwere Vorwürfe gegen Sportler und Behörden

Grund für den Ausschluss ist jahrelanges, systematisches und staatlich gedecktes Doping in Russland. Wegen mutmaßlicher Dopingverstöße bei den Winterspielen 2014 im russischen Sotschi waren in den vergangenen Wochen mehr als 20 Sportler lebenslang gesperrt worden. IOC-Ermittler waren dem Verdacht nachgegangen, wonach viele Russen verbotene leistungssteigernde Mittel einnahmen. Auch sollen Laborproben manipuliert worden sein.

Der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbunds, Alfons Hörmann, sprach in der ARD von einem "guten Tag für den Weltsport". Die Entscheidung sei ausgewogen, weil die verantwortlichen Funktionäre und Politiker bestraft, die einzelnen Athleten aber geschützt würden.

Ähnlich äußerte sich das Nationale Olympische Komitee der USA: "Das IOC hat eine starke und prinzipientreue Entscheidung getroffen", hieß es. "Es gab keine perfekten Optionen, aber diese Entscheidung wird es eindeutig weniger wahrscheinlich machen, dass dies jemals wieder passiert." Jetzt sei es an der Zeit, "nach Pyeongchang zu schauen".

Russland will Entscheidung nicht hinnehmen

Moskau hat die Vorwürfe stets zurückgewiesen und angekündigt, die Strafen des IOC nicht einfach hinzunehmen. Der Präsident des russischen Olympiakomitees, Alexander Schukow, teilte mit, man halte die Entscheidung für "unprofessionell". Bei den Strafen gegen Russland habe sich das Internationale Olympische Komitee von den Aussagen des Kronzeugen Grigori Rodschenkow leiten lassen. "Wir reden heute über die Disqualifizierung eines ganzen Landes aufgrund der durch keinerlei Belege gestützten Aussagen eines Betrügers, der in ein fremdes Land geflohen ist." Man werde sich vor Gericht gegen die Entscheidung wehren. Russland hat das Recht, Entscheidungen des IOC vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS anzufechten.

Das russische Staatsfernsehen kündigte laut der Nachrichtenagentur Interfax umgehend an, es werde die Wettbewerbe nicht übertragen. Allgemein allerdings war die Entscheidung in Russland erwartet worden, wie ARD-Korrespondent Udo Lilieschkies aus Moskau berichtet. Es sei bereits vorab verbreitet worden, bei den Anschuldigungen handele es sich um "Fake-News" und eine Intrige, hinter der die USA steckten.

Über dieses Thema berichtete der ARD-Brennpunkt am 05. Dezember 2017 um 20:15 Uhr.

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