Bundeskabinett zu Doping

WADA-Kommission legt Dopingbericht vor Russischen Leichtathleten droht Olympia-Ausschluss

Stand: 09.11.2015 18:27 Uhr

Die unabhängige Ermittlungskommission der Welt-Anti-Doping-Agentur hat weit verbreitetes Doping in der russischen Leichtathletik angeprangert. Sie fordert, Russland aus dem Weltverband IAAF auszuschließen. Russland wies die Vorwürfe zurück - und drohte.

Die unabhängige Ermittlungskommission der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) hat massives Doping in der russischen Leichtathletik beklagt und empfohlen, Russland aus dem Internationalen Leichtathletik-Verband (IAAF) auszuschließen. Außerdem sollten fünf russische Athleten und fünf Trainer auf Lebenszeit gesperrt werden.

Der Internationale Leichtathletik-Verband hat seinen Sitz in Monaco | Bildquelle: REUTERS
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Der Internationale Leichtathletik-Verband hat seinen Sitz in Monaco

Die Untersuchungskommission unter Leitung des früheren WADA-Chefs Richard Pound stellt unter anderem "systematischen Dopingbetrug bei russischen Athleten" und eine "tief verwurzelte Betrugskultur" in der russischen Leichtathletik fest. Die Kommission fordert, das Kontrolllabor in Moskau zu schließen und dessen Direktor abzulösen. Sie wirft dem russischen Sportminister Witali Mutko vor, er habe angeordnet, "bestimmte Dopingproben zu manipulieren."

Russland reagiert empört

Russland wies die Anschuldigungen und Forderungen als "politisch motiviert" zurück. Mutko erklärte, die WADA könne zwar Empfehlungen aussprechen, aber niemanden selbst von Wettbewerben ausschließen. Er konterte die Vorwürfe zugleich mit einer Drohung: Sein Ministerium könne die Finanzierung der russischen Anti-Doping-Agentur und des Labors in Moskau auch einstellen. Die Vernichtung von mehr als 1400 Doping-Proben, die ihm zur Last gelegt werde, gehe in Wahrheit auf ein Rundschreiben der WADA zurück. Die Proben seien nicht mehr gebraucht worden.

Eine Verschörung wittert auch der frühere russische Profi-Boxer und jetzige Duma-Abgeordnete Nikolaj Walujew. Ihm komme das Ganze seltsam vor. "Man hat ja schon Sportler aus verschiedenen Ländern beim Doping erwischt, aber ich kann mich nicht erinnern, dass man je ein Land disqualifiziert hat."

Ermittlungen durch ARD-Doku ausgelöst

Auslöser der Ermittlungen war die ARD-Dokumentation "Geheimsache Doping - wie Russland seine Sieger macht". Der Film enthüllte bereits vor fast einem Jahr, wie weit verbreitet Doping in der russischen Leichtathletik ist.

Die endgültige Entscheidung über einen Ausschluss russischer Sportler von Leichtathletik-Großveranstaltungen fällt aber nicht die WADA - sie liegt bei den zuständigen Organisationen, dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) und dem IAAF.

Das IOC erklärte in einer Stellungnahme: "Das ist ein zutiefst schockierender Report und sehr traurig für den Weltsport". Man vertraue der neuen IAAF-Führung, dass sie alle notwendigen Schlussfolgerungen trifft und erforderlichen Maßnahmen zur Aufklärung einleitet. Auf die Verletzung von Anti-Doping-Regeln durch Athleten oder ihr Umfeld werde das IOC mit seiner bekannten "Null-Toleranz-Politik" reagieren.

Der Senegalese Lamine Diack war fast 16 Jahre lang Präsident des Internationalen Leichtathletik-Verbandes (IAAF) | Bildquelle: AP
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Der Senegalese Lamine Diack war fast 16 Jahre lang Präsident des Internationalen Leichtathletik-Verbandes (IAAF)

Langjähriger IAAF-Präsident soll suspendiert werden

Nahezu parallel zur Veröffentlichung des WADA-Untersuchungsberichts meldete sich auch die Ethikkommission des IOC zu Wort: Sie fordert, dass der frühere IAAF-Präsident Lamine Diack vorläufig als Ehrenpräsident des Verbandes suspendiert wird. Der 82-jährige Senegalese steht unter Korruptionsverdacht. Er soll Doping-Fälle vertuscht haben.

Die französische Justiz hat Anklage gegen Diack wegen Bestechlichkeit und Geldwäsche erhoben. Diack war fast 16 Jahre lang Präsident des Leichtathletik-Weltverbandes und schied erst im August dieses Jahres aus dem Amt aus.

Russlands Leichtathleten droht Ausschluss aus Olympia
tagesschau 20:00 Uhr, 09.11.2015, D. Hechler, ARD Genf

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Mit Informationen von ARD-Hörfunk-Korrespondent Bernd Großheim aus Moskau.

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