Gerichtsverfahren um Spaniens größten Dopingskandal eröffnet Prozess gegen den Arzt, dem die Radprofis vertrauten

Stand: 28.01.2013 12:07 Uhr

Eufemiano Fuentes ist eine der zentralen Figuren in den Dopingskandalen des Radsports. In Spanien hat nun der Prozess gegen den Mediziner begonnen, zu dem auch Jan Ullrich Kontakt hatte. Kritiker fürchten allerdings, die Gerichtsverhandlung sei bloß eine Art Show-Veranstaltung.

Von Reinhard Spiegelhauer, ARD-Hörfunkstudio Madrid

Eufemiano Fuentes | Bildquelle: REUTERS
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Eufemiano Fuentes: "Der Arzt ist nicht derjenige, der bestimmt."

Fast genau sieben Jahre ist es her, dass spanische Ermittler die "Operacion Puerto" starteten - zu Deutsch: Operation Bergpass. Es ist ein treffender Name, denn in den Patientenlisten des so genannten Dopingarztes Eufemiano Fuentes sollen zig Radprofis gestanden haben. Mehr oder minder aufwendig chiffriert: Da fand sich beispielsweise ein "Hijo Rudicio" - Sohn des Rudy. Gemeint war Jan Ullrich. Der Tarnname leitete sich von seinem langjährigen Betreuer und väterlichen Freund, Rudy Pevenage, ab. Erst vor ziemlich genau einem Jahr hat Ullrich zugegeben, Kontakte zu Fuentes gehabt zu haben.

Auch ein anderer berühmter Radsportler stand angeblich auf den Listen: Alberto Contador. Er hat seine Sperre wegen nachgewiesener Spuren von Kälbermastmittel abgesessen und will bei der Tour de France wieder angreifen. Auch er soll von Fuentes Eigenbluttransfusionen bekommen haben, heißt es. Vermeintlicher Beweis: das Kürzel AC in Patientenlisten.

Doping wie im damaligen Ostblock

Böse Zungen behaupten gar, in Spanien werde systematisch gedopt wie im damaligen Ostblock. Diesen Vorwurf wies der damalige Sport-Staatssekretär Jaime Lissavetzky aber schon zu Zeiten der Zapatero-Regierung zurück: "Bei uns gibt es die dritthäufigsten Kontrollen in der Welt. Wir haben die Kontrollen außerhalb der Wettbewerbe verstärkt und wir haben gut funktionierende Labors."

Ein gut funktionierendes Labor hatte wohl auch Fuentes, und hätte sich alles dort abgespielt, gäbe es vielleicht gar keinen Prozess. Denn die Anklage lautet nicht etwa auf Beihilfe zum Doping - das wurde erst nach der "Operacion Puerto" zum Straftatbestand -, sondern Fuentes und seinen Mitangeklagten wird die "Gefährdung der öffentlichen Gesundheit" vorgeworfen - zu Deutsch: die Bluttransfusionen in Hotelzimmern seien eine Art Kurpfuscherei gewesen.

"Als Arzt ist man gezwungen, eine Behandlung vorzunehmen"

Der Anklage ist es aber angeblich nicht gelungen, Zeugen unter anderem dafür aufzutreiben, dass Blutbeutel nicht sachgerecht gelagert wurden und Sportler dadurch erkrankten. Fuentes erklärte: "Als Arzt sieht man sich manchmal gezwungen, eine Behandlung vorzunehmen, die man lieber nicht vornehmen möchte - aber der Arzt ist nicht derjenige, der bestimmt."

Fuentes hat nie wirklich bestritten, beim Doping geholfen zu haben - sich aber geweigert, seine Kunden zu nennen. Es sei geradezu ärztliche Pflicht, den Sportlern zu helfen, damit sie die übermenschlichen Strapazen beispielsweise einer Tour überstehen, ohne ernsthaften Schaden zu nehmen, so seine Argumentation.

Der Spanier Alberto Contador wehrt sich gegen einen als Arzt verkleideten Zuschauer während der Tour de France 2011. | Bildquelle: dpa
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Der Spanier Alberto Contador wehrt sich gegen einen als Arzt verkleideten Zuschauer während der Tour de France 2011.

Zwei Jahre Haft gefordert

Die Staatsanwaltschaft fordert für Fuentes und die Mitangeklagten, darunter ehemalige Chefs mehrerer Radsportmannschaften, zwei Jahre Haft, zwei Jahre Berufsverbot und rund 20.000 Euro Geldstrafe.

Dass Fuentes vor Gericht wirklich auspackt und vielleicht sogar zugibt, dass auch Fußballmannschaften, Leichtathleten und andere zu seinen Kunden zählten, glaubt aber kaum jemand. Nicht wenige Beobachter gehen davon aus, dass es längst einen Kuhhandel gegeben habe und die lästige Angelegenheit einfach endgültig zu den Akten solle.

Dieser Beitrag lief am 28. Januar 2013 um 07:48 Uhr bei Deutschlandradio Kultur.

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