Stimmenauszählung auf dem FIFA-Kongress in Zürich | Bildquelle: AP

Erster Wahlgang für Blatter-Nachfolge Kein Sieger, aber eine Überraschung

Stand: 26.02.2016 16:42 Uhr

Die Wahl des neuen FIFA-Präsidenten gerät wie erwartet zu einer längeren Prozedur. Vier Kandidaten traten zum ersten Wahlgang an, keiner kam auf die erforderliche Mehrheit. Doch das Ergebnis hielt dennoch eine kleine Überraschung bereit.

Gesucht wird ein Nachfolger für Sepp Blatter: Auf dem außerordentlichen FIFA-Kongress in Zürich hat die Wahl des Präsidenten begonnen. Wie erwartet gelang es aber keinem der vier verbliebenen Kandidaten, die erforderliche Zwei-Drittel-Mehrheit zu erreichen. Damit ist zumindest ein zweiter Wahlgang nötig, in dem dann die einfache Mehrheit der 207 Delegierten zum Sieg genügt. Vom zweiten Wahlgang an scheidet jeweils der Kandidat mit den wenigsten Stimmen aus.

Als Favoriten gehen Scheich Salman bin Ibrahim al Chalifa aus Bahrain und der Schweizer Gianni Infantino in die nächste Runde. Infantino erreichte mit 88 Stimmen überraschend das beste Ergebnis vor al Chalifa, der 85 Stimmen erhielt. Prinz Ali aus Jordanien und der Franzose Jérôme Champagne gelten als chancenlos. Für Prinz Ali stimmten 27 Delegierte, für Champagne sieben. Kurz vor der Abstimmung hatte der fünfte Bewerber, Tokyo Sexwale aus Südafrika, seinen Rückzug verkündet.

Der für sechs Jahre gesperrte Blatter hatte die FIFA seit 1998 geführt.

Überraschung im ersten Wahlgang
tagesschau 17:00 Uhr, 26.02.2016, Daniel Hechler, ARD Genf

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DFB macht sich für Infantino stark

DFB-Interimschef Reinhard Rauball hält Infantino für den geeignetsten Kandidaten. Mit dem Management von Champions League und Europa League habe er die Fähigkeiten gewonnen, "jetzt ein so hohes Amt (des FIFA-Präsidenten, Anm. d. Red.) auszuüben". Infantino habe hohe Qualitäten - "und das ist der Grund, warum wir ihn auch wählen werden".

ARD-Korrespondent Hechler sagte in der tagesschau, alle zur Wahl stehenden Kandidaten entstammten dem System Blatter: "Im Wahlkampf ging es einmal mehr um Pfründe, Macht, Geld und Pöstchen - und weniger um Reformen und Transparenz."

Daniel Hechler, ARD Genf, zzt. Zürich, zur FIFA-Wahl
tagesschau 16:00 Uhr, 26.02.2016

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Reformen für einen krisengeschüttelten Verband

Schon vor der Wahl hatte der FIFA-Kongress ein Reformpaket verabschiedet, das dem skandalgeschüttelten Verband aus der schwersten Krise seiner Geschichte helfen soll. Das Paket sieht unter anderem eine Machtbeschränkung für den Präsidenten und die Exekutivmitglieder vor.

"Wir müssen eine Botschaft an die Welt richten, eine Botschaft der Einheit", sagte FIFA-Interimspräsident Issa Hayatou, der den gesperrten und scheidenden Amtsinhaber Joseph Blatter vertrat. Der Kameruner schwor die Landesverbände auf die notwendigen Umstrukturierungen ein. "Die FIFA beginnt ihre Reise mit dem Ziel, Vertrauen wieder herzustellen."

Nur noch drei Amtszeiten für FIFA-Chef

Mit der Reform will der Weltverband die politische von der ökonomischen Entscheidungsebene trennen. Zudem gilt für den FIFA-Präsidenten und die Mitglieder des neuen Councils, das das umstrittene Exekutivkomitee ablösen soll, eine Beschränkung auf drei Amtszeiten à vier Jahre. Sie müssen sich vor Amtsantritt einem externen Integritätscheck unterziehen, ihre Gehälter werden offengelegt.

Nach Einschätzung von ARD-Korrespondent Daniel Hechler sind die jetzt eingeleiteten Reformen "ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung", auch wenn sie erstmal nur auf dem Papier stünden.

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