Zur Haupt-Navigation der ARD.
Zum Inhalt.
Der türkische Fußball steht Kopf: Fenerbahce Istanbul, der berühmteste Verein des Landes, ist vom türkischen Verband aus der Champions League genommen worden. Nun wird sogar diskutiert, ob Fenerbahce wegen Bestechungsvorwürfen in die zweite Liga absteigen muss. Die Fans sind schockiert.
Von Steffen Wurzel, ARD-Hörfunkstudio Istanbul
Seit Tagen ist es das Topthema in der Türkei. Fernsehsender, Online-Medien und Zeitungen berichten über kaum etwas anderes. Fußball-Fans drehen langsam durch, vor allem die des größten Vereins des Landes, Fenerbahce. "Wo immer es schmutzige Geschäfte gibt, sollte man hart durchgreifen!", meint ein Anhänger von Fenerbahce. "Wir wollen keine korrupte Gesellschaft!" Eigentlich sei er Fenerbahce-Fan, "aber wenn die Dreck am Stecken haben, dann soll sie der Teufel holen. Was soll ich mit so einem Verein anfangen?"
[Bildunterschrift: Die Polizei ging mit Tränengas gegen protestierende Fans von Fenerbahce Istanbul vor. ]Falls sich die Vorwürfe der Istanbuler Staatsanwaltschat als wahr herausstellen, ist "Dreck am Stecken" eine eher untertriebene Beschreibung dessen, was sich bei Fenerbahce abgespielt hat. Der Verein soll sich den Gewinn seiner 18. Meisterschaft Ende Mai erkauft haben. In den Skandal verwickelt sind auch andere Vereine. Insgesamt sollen in der zurückliegenden Saison mindestens 19 Partien der ersten und zweiten Liga abgesprochen worden sein.
Die jüngste Entwicklung: Vor einigen Tagen hat der türkische Fußballverband TFF dem immer noch amtierenden Meister Fenerbahce den Startplatz für die Champions League aberkannt. Auf Druck der UEFA, wie es heißt. Haluk Burcuoğlu, einer der Anwälte des Clubs, fragte daraufhin mit hochrotem Kopf: "Was soll ich dazu noch sagen?" Und er kündigte an, sich beschweren zu wollen - überall! "Sie werden Fenerbahce noch kennenlernen!"
[Bildunterschrift: Der Präsident des türkischen Fußballverbands, Mehmet Ali Aydinlar, bei einer Pressekonferenz zu dem Skandal um Fenerbahce. ]Doch der sofort eingelegte Protest half nichts, der Verband bleibt dabei: Für die Türkei wird Trabzonspor, nicht Fenerbahce, in der Champions League spielen. Pikant daran: In der Mitte September beginnenden neuen Erstligasaison darf Fener nach jetzigem Stand sehr wohl antreten. Völlig unlogisch sei das, sagt Fenerbahce nun. Feners Nationaltorwart Volkan Demirel sagt: "Wir wissen noch nicht, wie sich der Verband endgültig entscheiden wird, aber unser Wunsch ist es, mit einer weißen Weste anzutreten. Also: Wenn sie uns schon nicht in der Champions League mitspielen lassen, dann wollen wir auch nicht in der 1. Liga spielen!"
Die Fenerbahce-Fans sind schockiert, es klingt wie ein Scherz, ist aber ernst gemeint: Freiwillig will Rekordmeister Fenerbahce nun zu Saisonbeginn in der zweiten Liga antreten. Auf den ersten Blick klingt das nach beleidigter Leberwurst, tatsächlich dürfte dahinter aber knallhartes Kalkül stecken. Denn falls Fener mitten in der Saison von Staatsanwaltschaft oder Verband gezwungen würde, in die zweite Liga abzusteigen, wäre die Saison gelaufen. Ein ganzes Jahr wäre futsch. Die Millioneneinbußen würden weiter wachsen.
Der Ex-Fußballstar und heutige Trainer von Fenerbahce, Aykut Kocaman, sieht hinter dem ganzen Theater um seinen Verein eine riesige Verschwörung. Eine Anti-Fener-Verschwörung des Verbandes und der anderen Vereine. Er sei „fest davon überzeugt, dass sich allein der Verband ausgedacht hat, Fenerbahce aus der der Champions League zu nehmen. Das war nicht die UEFA. Die spielt in dem ganzen Spiel nur eine Nebenrolle. Uns, Fenerbahce, wurde die verdiente Teilnehme an der Champions League geraubt."
Wie die Schlammschlacht im türkischen Profifußball weitergeht, ist völlig offen. Ebenso, ob die Erstligasaison am 9. September mit oder ohne Fenerbahce, den berühmtesten Verein der Türkei, startet.
Die Landesrundfunkanstalten der ARD: BR, HR, MDR, NDR, Radio Bremen, RBB, SR, SWR, WDR,
Weitere Einrichtungen und Kooperationen: ARD Digital, ARTE, PHOENIX, 3sat, KI.KA, DLF/ DKultur, DW