Beckenbauer | Bildquelle: AFP

DFB äußert sich zu WM-Affäre Beckenbauer unterschrieb umstrittenen Vertrag

Stand: 10.11.2015 15:50 Uhr

Ein 15 Jahre alter Vertragsentwurf im Vorfeld der WM-Vergabe 2006 wirft neue Fragen auf zur Rolle Franz Beckenbauers. Dabei geht es um Zuwendungen des DFB an den damaligen FIFA-Vize Warner, damit dieser für Deutschland stimmt. Die Unterschrift setzte - laut DFB - Beckenbauer.

Franz Beckenbauer rückt im Skandal um mögliche Bestechung vor der Vergabe der Fußball-WM 2006 weiter in den Fokus: Dabei geht es um einen Vertragsentwurf aus dem Jahr 2000, der im Zuge der internen Ermittlungen beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) entdeckt wurde. Der DFB bestätigte nun Medienberichte, wonach Beckenbauer selbst den Entwurf unterzeichnet hatte. In diesem Dokument seien der Konföderation des stimmberechtigten Exekutivmitglieds Jack Warner "diverse Leistungen" von deutscher Seite zugesagt worden, sagte Rainer Koch, seit dem Rücktritt von Wolfgang Niersbach einer der Interimspräsidenten des DFB. Beckenbauer unterschrieb den Entwurf demnach vier Tage vor der WM-Vergabe an Deutschland.

Beckenbauer rückt im Skandal um die WM-Vergabe in den Fokus
tagesschau 20:00 Uhr, 10.11.2015, U. Meerkamm, HR

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Vorwurf der Bestechung

Dabei sei es nicht um "direkte Geldleistungen" gegangen, sondern unter anderem um Vereinbarungen über Spiele, Unterstützung von Trainern beim Kontinentalverband CONCACAF oder Ticketzusagen für WM-Spiele an Warner selbst, erklärte Koch. Reinhard Rauball, der gemeinsam mit Koch den DFB nach dem Niersbach-Rücktritt kommissarisch leitet, geht von einem Bestechungsversuch aus: "Das muss man so werten, dass zumindest über diese Fragen nachgedacht worden ist", sagte er dem Sender Sky. "Wenn etwas schriftlich konzipiert ist, egal ob es dann formwirksam geworden ist oder nicht, dann ist das etwas, was diese Vermutung zulässt."

Denn das genau ist momentan noch die Frage: Der DFB hat bislang keine Erkenntnis darüber, ob der Vertrag in dieser Form in Kraft getreten ist. Beckenbauer war damals Präsident des WM-Bewerbungskomitees, war aber laut Koch nicht allein vertretungsberechtigt für den DFB. Daher seien alle festgehaltenen Absprachen abhängig von einer Zustimmung des DFB-Präsidiums gewesen.

Sepp Blatter, Franz Beckenbauer, Fedor Radmann, und Horst R. Schmidt kurz nach der WM-Vergabe im Jahr 2000 in Zürich. | Bildquelle: AP
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Zürich im Jahr 2000: FIFA-Chef Blatter (links), Franz Beckenbauer, WM-OK-Vize Fedor Radmann und der DFB-Generalsekretär Horst R. Schmidt freuen sich über die Zusage für die WM 2006.

DFB-Interimspräsidenten fordern Aufklärung

Das Management von Beckenbauer wollte sich in diesem Fall bislang nicht äußern. Der DFB ist aber auf seine Kooperation angewiesen, zwingen kann der Fußball-Bund ihn nicht. Denn Beckenbauer arbeitete damals sicherlich im Sinne des DFB, war jedoch nicht deren Angestellter. Koch richtete denn auch einen Appell an Beckenbauer: "Wir haben die Bitte, dass er sich intensiver einbringt in die Aufklärung der Vorgänge", sagte er. "Wir wollen uns nicht mehr auf die Frage des Verbleibs der 6,7 Millionen Euro beschränken, wir wollen uns intensiv mit der Frage beschäftigen, was ist bei der Vergabe der WM 2006 passiert?"

Wie eng war die Verbindung zu Jack Warner?

Eine Verbindung zu Warner würde Beckenbauer in Erklärungsnot bringen. Warner gilt mittlerweile als eine der korruptesten Figuren im Weltfußball. Ende September wurde er lebenslang von der FIFA-Ethikkommission gesperrt. Diese hatte ihn als "Drahtzieher von Systemen, die die Gewährung, Annahme und den Empfang verdeckter und illegaler Zahlungen beinhalteten" bezeichnet. Im Jahr 2000 war er einer von 24 stimmberechtigten Mitgliedern des FIFA-Exekutivkomitees.

Jack Warner | Bildquelle: dpa
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Jack Warner wurde Ende September lebenslang gesperrt.

Bislang hat Beckenbauer einen Stimmenkauf vehement abgestritten. Der 70-Jährige hatte bereits vor zwei Wochen vor den externen DFB-Ermittlern ausgesagt - offenbar sind aber Fragen geblieben.

Auch die Sportausschuss-Vorsitzende Dagmar Freitag forderte Aufklärung von Beckenbauer. "Es ist ganz wichtig, deutlich zu machen, dass Wolfgang Niersbach nur eine der handelnden Personen war", sagte die SPD-Politikerin dem Südwestrundfunk. "Gestern hat es erste Forderungen aus dem DFB von Interims-Präsident Rainer Koch gegeben, dass zum Beispiel Franz Beckenbauer seine sehr deutliche Zurückhaltung aufgeben muss und Antworten liefern muss. Es geht auch nicht anders. Es gibt andere, die viel mehr wissen als Wolfgang Niersbach."

Nachfolger für Niersbach gesucht

Der DFB strebt nun bis spätestens zur Europameisterschaft im Sommer 2016 die Wahl eines Nachfolgers für Niersbach an. "Gehen Sie davon aus, wir werden bei der Europameisterschaft ganz sicher vollständig geordnet aufgestellt sein", sagte Koch am Rande eines Diskussionsforums des Bayerischen Rundfunks. Am Freitag stehen in Paris rund um das Länderspiel gegen Frankreich Gespräche von Koch, Rauball, Schatzmeister Reinhard Grindel und Generalsekretär Helmut Sandrock an. "Da werden wir uns in Ruhe zusammensetzen und besprechen, was akut ansteht", berichtete Koch.

Neues gibt es auch von Niersbach selbst: Seinen internationalen Posten im Exekutivkomitee des Fußball-Weltverbandes FIFA will er behalten. Das teilte die FIFA mit.

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