Franz Beckenbauer | Bildquelle: dpa

Affäre um Vergabe der WM 2006 Druck auf Beckenbauer steigt

Stand: 10.11.2015 13:13 Uhr

Als Chef des WM-Organisationskomitees hat es Franz Beckenbauer geschafft, die WM 2006 nach Deutschland zu holen. Ein nun aufgetauchter Vertragsentwurf aus dem Jahr 2000 lässt neue Zweifel daran aufkommen, dass alles mit legalen Mitteln zuging. Aufklären kann das nur Beckenbauer selbst.

Franz Beckenbauer rückt im Skandal um mögliche Bestechung vor der Vergabe der Fußball-WM 2006 weiter in den Fokus: Dabei geht es um einen Vertragsentwurf aus dem Jahr 2000, der im Zuge der internen Ermittlungen beim DFB entdeckt wurde.

In dem Schriftstück, über das die "Bild"-Zeitung und die "Süddeutsche Zeitung" zuerst berichteten, sollen dem damaligen FIFA-Vizechef Jack Warner umfangreiche Zuwendungen versprochen worden sein, falls der DFB die Zusage für die WM 2006 erhält. Der Vertrag wurde nach Informationen von ARD-Korrespondent Uli Meerkamm von einem Vertrauten Beckenbauers abgezeichnet. "Bild" und "SZ" berichten dagegen, Beckenbauer selbst habe den Vertragsentwurf Anfang Juli 2000 unterzeichnet. Beckenbauer war damals Präsident des WM-Bewerbungskomitees. Vier Tage später sei die Weltmeisterschaft an Deutschland vergeben worden.

Es ist unklar, ob der Vertrag letztlich auch zustande gekommen ist - schließlich handelt es sich bei dem Schriftstück um einen Entwurf. Doch dieses Papier lege zumindest den Verdacht nahe, dass Stimmenkauf und Korruption im Vorfeld der WM-Vergabe durchaus eine Option gewesen seien, so Meerkamm.

Uli Meerkamm, HR, zur Rolle Franz Beckenbauers
tagesschau24 11:30 Uhr, 10.11.2015

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

DFB-Interimspräsidenten fordern Aufklärung

Klar ist, dass Beckenbauer derjenige ist, der Aufklärung in diesen Fall bringen könnte. Doch der schweigt bislang - und kann seitens des DFB auch nicht gezwungen werden auszusagen. Denn Beckenbauer arbeitete damals sicherlich im Sinne des DFB, war jedoch nicht deren Angestellter.

Dem DFB bleibt daher nur, an Beckenbauers Kooperationsbereitschaft zu appellieren: "Wir haben die Bitte, dass er sich intensiver einbringt in die Aufklärung der Vorgänge", sagte Interims-Präsident Koch, der gemeinsam mit Ligapräsident Rauball nach dem Rücktritt Wolfgang Niersbachs vorläufig die DFB-Geschäfte führen wird. "Wir wollen uns nicht mehr auf die Frage des Verbleibs der 6,7 Millionen Euro beschränken, wir wollen uns intensiv mit der Frage beschäftigen, was ist bei der Vergabe der WM 2006 passiert?".

Sepp Blatter, Franz Beckenbauer, Fedor Radmann, und Horst R. Schmidt kurz nach der WM-Vergabe im Jahr 2000 in Zürich. | Bildquelle: AP
galerie

Zürich im Jahr 2000: FIFA-Chef Blatter (links), Franz Beckenbauer, WM-OK-Vize Fedor Radmann und der DFB-Generalsekretär Horst R. Schmidt freuen sich über die Zusage für die WM 2006.

Wie eng war die Verbindung zu Jack Warner?

Jack Warner | Bildquelle: dpa
galerie

Jack Warner wurde Ende September lebenslang gesperrt.

Eine Verbindung zu Warner würde Beckenbauer in Erklärungsnot bringen. Warner gilt mittlerweile als eine der korruptesten Figuren im Weltfußball. Ende September wurde er lebenslang von der FIFA-Ethikkommission gesperrt. Diese hatte ihn als "Drahtzieher von Systemen, die die Gewährung, Annahme und den Empfang verdeckter und illegaler Zahlungen beinhalteten" bezeichnet. Im Jahr 2000 war er einer von 24 stimmberechtigten Mitgliedern des FIFA-Exekutivkomitees.

Bislang hat Beckenbauer einen Stimmenkauf vehement abgestritten. Der 70-Jährige hatte bereits vor zwei Wochen vor den externen DFB-Ermittlern ausgesagt - offenbar sind aber Fragen geblieben.

Auch die Sportausschuss-Vorsitzende Dagmar Freitag forderte Aufklärung von Beckenbauer. "Es ist ganz wichtig, deutlich zu machen, dass Wolfgang Niersbach nur eine der handelnden Personen war", sagte die SPD-Politikerin dem Südwestrundfunk. "Gestern hat es erste Forderungen aus dem DFB von Interims-Präsident Rainer Koch gegeben, dass zum Beispiel Franz Beckenbauer seine sehr deutliche Zurückhaltung aufgeben muss und Antworten liefern muss. Es geht auch nicht anders. Es gibt andere, die viel mehr wissen als Wolfgang Niersbach."

Nachfolger für Niersbach gesucht

Der DFB strebt nun bis spätestens zur Europameisterschaft im Sommer 2016 die Wahl eines Nachfolgers für Niersbach an. "Gehen Sie davon aus, wir werden bei der Europameisterschaft ganz sicher vollständig geordnet aufgestellt sein", sagte Koch am Rande eines Diskussionsforums des Bayerischen Rundfunks. Am Freitag stehen in Paris rund um das Länderspiel gegen Frankreich Gespräche von Koch, Rauball, Schatzmeister Reinhard Grindel und Generalsekretär Helmut Sandrock an. "Da werden wir uns in Ruhe zusammensetzen und besprechen, was akut ansteht", berichtete Koch.

1/6

Reaktionen auf den Rücktritt von DFB-Präsident Niersbach

Der ehemalige DFB-Präsident Theo Zwanziger

Ex-DFB-Präsident Theo Zwanziger: "Das ist eine Sache, die den DFB und Wolfgang Niersbach betreffen, das habe ich nicht zu bewerten." | Bildquelle: AP

Darstellung: