Ankunft der deutschen Fußball-Nationalmannschaft in Frankfurt | Bildquelle: dpa

DFB-WM-Aus Abgereist mit Entschuldigung

Stand: 28.06.2018 08:00 Uhr

Die deutsche Nationalmannschaft ist einen Tag nach dem WM-Aus wieder in Deutschland gelandet. Das historische Aus in der Vorrunde erklärt sich vor allem durch fehlende Dynamik. Die Analyse.

Mit einer Botschaft in drei Teilen verabschiedete sich Deutschland von Russland und dankte für die Gastfreundschaft. Schon am 28. Juni, 18 Tage vor dem Ende des Turniers, flog eine Mannschaft nach Hause, die in den vier Auflagen zuvor mindestens das Halbfinale erreicht hatte. "Es tut uns leid, dass wir nicht wie Weltmeister gespielt haben. Daher sind wir auch verdient ausgeschieden, so bitter es ist", schrieb der Deutsche Fußball-Bund bei Twitter, bevor er das umstrittene Quartier in Watutinki verließ, das vermutlich in der Aufarbeitung auch eine Rolle spielen wird.

Bei der sportlichen Analyse des Scheiterns gab Mario Gomez zu: "Wir hatten über alle drei Spiele Probleme, die wir so nie in den Griff bekommen haben."

Einer der auffälligsten Punkte war für den ARD-Experten Thomas Hitzlsperger, dass die körperlichen Voraussetzungen fehlten, um Fußball auf hohem Niveau zu spielen. "Keiner war in der Lage, mal einen Gang höher zu schalten. Es war immer ein Tempo, und es war immer ein geringes Tempo", urteilte der ehemalige Nationalspieler.

Fehlende Dynamik

Die fehlende Dynamik, die sich schon in den Testspielen zeigte, führte Bundestrainer Joachim Löw während des Trainingslagers noch auf die Mühen der Vorbereitung zurück. Die Dynamik würde beim Turnier vorhanden sein, versicherte Löw. Doch das war ein Trugschluss. Thomas Hitzlsperger: "Die Mannschaft wirkte müde und erschöpft. Schon im Spiel gegen Mexiko war der Eindruck, dass sie nicht reagieren kann, wenn Widerstand kommt."

Das Tempo, mit dem Timo Werner in der zweiten Halbzeit über die linke Seite für Gefahr sorgte, auch die Sprints von Marco Reus bei dem einzigen Sieg, es waren die Ausnahmen im deutschen Spiel.

Nur ganz selten mit Geschwindigkeit

Gegen Südkorea gelang es der deutschen Mannschaft nur ganz selten, mit Geschwindigkeit vor das Tor des Gegners zu kommen, und sei es durch schnelles Passspiel, das auch nur rudimentär zu sehen war. "Es war einfach nicht mehr möglich, und das ist so ernüchternd: Eine Mannschaft zu sehen, die so viel Qualität hat - und gar nichts davon ist zu sehen", urteilte Hitzlsperger.

Personal kräftig durchgewechselt

Vom System her blieb Löw seiner Linie während des ganzen Turniers treu. Er setzte in allen Spielen auf ein 4-2-3-1. Beim Personal wechselte er hingegen so kräftig wie nie zuvor, auch bedingt durch Sperren und Verletzungen, aber eben nicht nur. Thomas Müller etwa nahm er freiwillig aus der Mannschaft und brachte Leon Goretzka. Der Effekt blieb aus.

"Wir wussten, dass wir den Ball schnell laufen lassen mussten und haben frische Leute auf dem Platz gehabt", sagte Torwart Manuel Neuer, der trotzdem eingestand: "Ich denke, dass uns ein bisschen das Tempo im Spiel gefehlt hat."

Für Löw fehlte die "spielerische Leichtigkeit", die seine Mannschaft in den vergangenen Jahren ausgezeichnet habe. Ganz vereinzelt war sie gegen Südkorea zu sehen, etwa bei einem scharfen  Steilpass von Toni Kroos, den Mesut Özil schnell auf die rechte Seite weiterleitete zu Goretzka. Dessen Flanke wurde jedoch geklärt.

Zu wenige Spieler im Strafraum

Das Problem, zu wenig Mitspieler im Strafraum zu haben, die zum Abschluss bereit sind, zog sich auch durch das Turnier. Es besserte sich jeweils nach der Einwechslung von Mario Gomez, der stets den gefährlichsten Raum besetzte, der sich für Angreifer bietet. MIt 69 Torschüssen in den drei Spielen gelangen nur zwei Treffer. Die Anzahl der klaren Chancen hielt sich auch in Grenzen. Oft resultierten die guten Möglichkeiten aus hohen Flanken, wie für Hummels gegen Südkorea und Gomez im zweiten und dritten Spiel.

Der von Löw bevorzugte Stil, mit flachen Pässen aus einem hohen Ballbesitz heraus in gute Abschlusspositionen zu kommen, verkümmerte in den Wochen in Russland. "Spielerisch war es nicht die deutsche Mannschaft, die wir alle kennen. Wir haben nicht auf dem Platz gezeigt, was wir können", sagte der Bundestrainer. Er war stets der Hoffnung, dass der Weltmeister noch Fahrt aufnehmen wird, doch die Mannschaft blieb in einem Trott und flog daher noch im Juni nach Hause.

Quelle: sportschau.de

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