Blatter und Platini | Bildquelle: AFP

FIFA-Ethikkommission Blatter und Platini suspendiert

Stand: 08.10.2015 15:42 Uhr

Die Ethikkommission des Weltfußballverbands hat FIFA-Präsident Blatter und UEFA-Chef Platini vorübergehend für jeweils 90 Tage von allen Funktionen suspendiert. Grund sind die laufenden Untersuchungen gegen die beiden.

Die Ethikkommission des Weltfußballverbands hat FIFA-Präsident Joseph Blatter und seinen potenziellen Nachfolger Michel Platini vorübergehend von allen Funktionen suspendiert. Die Sperre gelte 90 Tage und könne um bis zu 45 Tage verlängert werden, teilte die FIFA mit. In dieser Zeit sei es Blatter und UEFA-Präsident Platini untersagt, an Fußball-Aktivitäten teilzunehmen.

Die Ethikkommission begründete die Maßnahme mit der laufenden Untersuchung gegen die Beiden. Blatter war in FIFA-Korruptionsskandal ins Visier der Schweizer Behörden geraten. Die Bundesanwaltschaft verdächtigt den 79-jährigen Schweizer, der seit 1998 an der Spitze des Verbands steht, der ungetreuen Geschäftsführung und Veruntreuung und hat vor knapp zwei Wochen ein Strafverfahren gegen ihn eröffnet. Zuletzt forderten sogar die FIFA-Sponsoren Coca-Cola und McDonald's Blatters Rücktritt.

Blatter akzeptiert die Suspendierung, wie sein Berater mitteilte. Er werde gegen die Sperre keinen Einspruch erheben. Von Rücktritt ist aber nach wie vor nicht die Rede: "Er wurde jetzt, fußballerisch gesagt, an die Seitenlinie gestellt und er wird in 90 Tagen wieder da sein, denn er muss den großen FIFA-Kongress vorbereiten", hieß es vom Berater des Verbandspräsidenten weiter. Blatters Amt übernimmt nach FIFA-Angaben vorerst Vizepräsident Issa Hayatou aus Kamerun.

FIFA-Gremium suspendiert Blatter und Platini für 90 Tage
tagesschau 17:00 Uhr, 08.10.2015, Daniel Hechler, SWR

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Blatters Anwälte weisen Vorwürfe zurück

Blatter wird zur Last gelegt, im Jahr 2011 eine Zahlung von zwei Millionen Franken an den Präsidenten des europäischen Fußballverbands, Platini, zulasten des Weltfußballverbands veranlasst zu haben. Anwälte Blatters haben die Vorwürfe zurückgewiesen.

Am 29. Mai 2015 war Blatter für eine fünfte Amtszeit als Chef des Fußball-Weltverbands wiedergewählt worden. Vier Tage später kündigte er seinen Rücktritt an. Für den 26. Februar 2016 ist die Wahl eines Nachfolgers geplant.

Chancen Platinis schwinden

Und der möchte weiterhin Platini sein - er kämpft weiter um seine Kandidatur. Er habe am Morgen die nötigen Unterstützerstimmen für eine Bewerbung eingereicht, teilte der Franzose in einem schriftlichen Statement mit - vor der Entscheidung der FIFA-Ethikkommission. "Dieses absichtliche Leck, das hinterhältig und unakzeptabel ist, ist ein Versuch meiner Reputation zu schaden", kommentierte Platini zuvor in einer Mitteilung die Berichte über eine Zahlung an ihn.

Mit der Sanktion durch die FIFA-Ethikkommission ist der 60-Jährige noch nicht automatisch aus dem Rennen als Nachfolger für Blatter. Doch seine Wahl ist unwahrscheinlicher geworden. Platini muss eine Prüfung durch die Wahlkommission überstehen. Die schriftliche Unterstützung von mindestens fünf FIFA-Mitgliedsländern muss bis zum 26. Oktober, vier Monate vor dem Wahlkongress, eingereicht werden.

Entsetzen beim DFB

DFB-Präsident Wolfgang Niersbach ging allerdings bereits vorsichtig auf Distanz zu dem Franzosen. Das Verhältnis zu Platini, der vom DFB als FIFA-Präsidentschaftskandidat unterstützt wird, müsse zumindest neu bewertet werden, sagte Niersbach. "Was heute passiert ist, ist der absolute Super-GAU, dass wir an der wichtigsten Stelle des Weltfußballs nun eine Führungslosigkeit haben. Da ist der absolute Tiefpunkt gekommen. Die Zukunft kann nur ohne Sepp Blatter gemacht werden", sagte er.

Blatter und die FIFA
tagesschau24 12:45 Uhr, 08.10.2015, Michael Dittrich/Florian Gediehn, SWR

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