Franz Beckenbauer | Bildquelle: dpa

FIFA vermutet Verstoß gegen Ethikreglement Beckenbauer "provisorisch" gesperrt

Stand: 13.06.2014 20:55 Uhr

Franz Beckenbauer ist von der FIFA provisorisch für 90 Tage für jegliche Tätigkeit im Fußball gesperrt worden. Der Fußball-Weltverband begründete dies in einer Mitteilung am Freitag mit einem mutmaßlichen Verstoß gegen das Ethikreglement. Beckenbauer habe in einer Untersuchung der Ethikkommission nicht kooperiert, "obwohl er wiederholt angefragt wurde, in einem persönlichen Interview oder durch die Beantwortung schriftlicher Fragen, die in Englisch und Deutsch gestellt wurden, Informationen zu liefern".

Die Sperrung wurde laut der FIFA von Michael Garcia gefordert, der Korruptionsvorwürfe im Zusammenhang mit der Vergabe der FIFA-WM 2022 an Katar untersucht. Es ist die erste Sperre im Zusammenhang mit den Ermittlungen. Wie sich die Sperre genau auswirkt ist noch unklar. Da er von Fußballaktivitäten auf jeder internationalen und nationalen Ebene ausgeschlossen wurde, darf er möglicherweise auch keine Spiele der Fußball-WM in Brasilien ansehen und sich offiziell mit Funktionären treffen.

"Ich habe gedacht, das ist ein Aprilscherz"

Beckenbauer war im Jahr 2010, als die WM nach Katar vergeben wurde, Mitglied des Exekutivkomitees der FIFA. Für wen er in der Abstimmung über die Vergabe stimmte, hat er bisher nicht öffentlich gesagt.

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"Mich hat die von der FIFA ausgesprochene Sperre überrascht, aber sie ändert nichts an meiner Einschätzung. Franz ist ein absoluter Ehrenmann, der nichts zu verbergen hat. Und ich bin sicher, dass er zur Klärung der offenen Fragen beitragen wird."

DFB-Präsident Wolfgang Niersbach

Der 68-Jährige reagierte gelassen auf die Strafe. "Ich habe gedacht, das ist ein Aprilscherz. Vielleicht hat sich da jemand einen Spaß erlaubt", kommentierte ein entspannter Beckenbauer beim TV-Sender Sky Sport News HD, für den er als Fußball-Experte arbeitet, die Strafe.

Vor kurzem hatte er bereits erklärt, er sehe möglichen Untersuchungen durch die FIFA-Ethikkommission auch zu seinem Wahlverhalten bei der brisanten WM-Doppelvergabe 2018 und 2022 an Russland und Katar gelassen entgegen. "Darüber kann ich mich nur wundern. Ich habe bei der FIFA nur noch einen Berater-Status, bin also kein Kommissionsmitglied mehr und somit nicht verpflichtet, mit Herrn Garcia zu reden", hatte er "Bild" gesagt.

Brisante Enthüllungen der "Sunday Times"

Die britische "Sunday Times" hatte mehrfach über angebliche Schmiergeldzahlungen des Ex-FIFA-Vizepräsidenten und katarischen Geschäftsmannes Mohammed Bin Hamman an verschiedene Funktionäre berichtet. Neben den fünf Millionen Dollar an Offizielle für die Unterstützung der WM in Katar soll Bin Hammam weitere 1,7 Millionen Dollar für Stimmen aus Asien bezahlt haben.

Franz Beckenbauer, damals Chef der DFB-Bewerbungskommission für die Fußball-WM 2006 (re.), mit Mohamed Bin Hammam | Bildquelle: dpa
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Franz Beckenbauer, damals Chef der DFB-Bewerbungskommission für die Fußball-WM 2006 (re.), mit Mohamed bin Hammam

In der Berichterstattung der renommierten britischen Zeitung fiel auch der Name Beckenbauer. Bin Hammam soll Franz Beckenbauer zusammen mit Managern eines Hamburger Unternehmens nach Doha eingeladen haben, allerdings fünf Monate nach der Wahl des Golfstaats als WM-Austragungsort. Die deutsche Firma hat das Treffen bestätigt, doch sei es nach den Gesprächen zu keinem Vertragsabschluss gekommen.

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