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Schlusslicht
Untot? Aber nicht bei uns!
Hirnlos in Kanada
Was war das für eine Woche: Der Papst tritt zurück - und das noch mitten im Karneval, den Russen fällt der Himmel auf den Kopf, halb Europa hat Unpaarhufer mehr oder weniger zum Fressen gern. Da ist uns doch glatt eine richtungsweisende politische Entscheidung in Kanada der professionellen Aufmerksamkeit entgangen. Aber die wollen wir Ihnen nun nicht länger vorenthalten.
Von Wulf Rohwedder, tagesschau.de
SARS, Schweinegrippe, Vogelgrippe, EHEC - alles Seuchen von gestern, alles längst nicht so schlimm wie zunächst befürchtet, alles sinnlose Panikmache. Dabei gibt es seit Jahrhunderten die Gefahr einer Epidemie von wahrhaft globalen Dimensionen: Bücher, Filme und Computerspiele haben immer wieder davor gewarnt, dass jederzeit eine Zombie-Apokalypse ausbrechen könnte. Und was tun unsere Politiker? Natürlich nichts!
Endlich spricht jemand mal die Wahrheit aus!
Falsch! Der kanadische Abgeordnete Pat Martin brachte das Problem sogar in sein Parlament. In einer emotionalen Rede beschwor er seine Mitstreiter, sich der Gefahr der Untoten anzunehmen. Denn Martin weiß: Eine Zombie-Invasion macht vor Grenzen nicht halt. Insofern sei es höchste Zeit, mit den Nachbarn im Süden zu kooperieren, um einen möglichen Einmarsch der Gehirnfresser schon im Keim zu ersticken.
Schließlich habe das US-amerikanische Seuchenzentrum CDC bereits einen Notfallplan für eine solche Katastrophe, auf den man zurückgreifen könne. Daher sei es nun an der Zeit für Außenminister John Baird zu handeln, so der Parlamentarier, der für seine flammende Rede stehende Ovationen erhielt.
Und wer denkt an die armen Untoten?
Baird erklärte in seiner Antwort, dass Kanada niemals ein "sicherer Hafen für Zombies" sein werde - und zog damit nun seinerseits Kritik auf sich. So schrieb David Frun in der "National Post", dass die brutalen hirnfressenden Untoten nicht nur als Gefahr erkannt, sondern auch als eine verfolgte Minderheit mit besonderen Anforderungen gesehen werden sollten. Statt neokonservativer Rhetorik sei vielmehr Toleranz und Verständnis das Gebot der Zombie-Apokalypse.
Ob tolerante Zombie-Empathiker im Ernstfall zu spontanen Hirnspenden zu bewegen sind, dürfte jedoch eher bezweifelt werden. Ein wenig Mitgefühl ist in jedem Fall angebracht: Denn sind wir nicht alle, die wir jeden Tag zur Arbeit gehen und abends vor Glotze und Computer hängen, irgendwo auch ein bisschen Zombie?
Stand: 17.02.2013 14:15 Uhr
