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In Köln ist vieles möglich, was es anderswo niemals geben würde. Karneval, einstürzende Stadtarchive, Huldigungen für Prinz Poldi. Köln ist aber nicht nur besonders kreativ, sondern auch besonders pleite. Die Stadtkassen sind leer. Darunter leidet auch der Kulturbetrieb, 12,5 Prozent mussten im vergangenen Jahr gespart werden. Das Wallraf-Museum hatte deswegen eine besonders sparsame Idee zum 150-jährigen Jubiläum: "Panoptikum, die geheimen Schätze des Wallraf".
Wobei die Frage berechtigt ist, ob man diese Schätze wirklich finden will. Gezeigt werden Gemälde, die sonst im Keller lagern. Depot sagt man dazu im Museum. Darunter ein gefälschter van Gogh, ein pausbäckiges Mädchen des eher unbekannten Malers Frederick Sandys oder ein beschädigtes Gemälde. Allesamt Bilder, die bislang im Keller gut aufgehoben waren.
[Bildunterschrift: Hier lagern die jetzt ausgestellten Bilder normalerweise. Das Depot des Wallraf Museums in Köln. ]
Etwa 2000 Gemälde besitzt das Wallraf, nur 500 davon werden regelmäßig gezeigt. Für die Sonderausstellung haben die Kuratoren 500 zusätzliche Bilder hervorgekramt. Dass die nicht schon längst verkauft wurden, hat mit den Moden im Kunstgeschäft zu tun. "Irgendwann könnte man sie ja wieder schön finden" sagt Museumsdirektor Andreas Blühm. "Das hat es in der Vergangenheit oft gegeben".
Viele Maler galten lange als kitschig und unpopulär. Heute erzielen Bilder von ihnen Rekordpreise bei Auktionen. Zum Beispiel Johannes Vermeer. Der ist heute, mehr als 300 Jahre nach seinem Tod, nicht nur Roman- und Kinoheld. Sein berühmtestes Bild "Das Mädchen mit den Perlohrringen" ist auch äußerst beliebt. Ob die alten Schinken aus dem Keller des Wallraf eine ähnliche Karriere vor sich haben, werden die kommenden Tage zeigen.
Denn während der Sonderausstellung dürfen die Besucher ein Bild aus dem Keller in die Dauerausstellung wählen. Erstmal für ein Jahr. Zur Probe. Auf die wird auch der Kunstgeschmack der Besucher gestellt. Denn die Auseinandersetzung mit den Moden des Kunstgeschäfts ist das erklärte Ziel des Museums. Eben eine kölsch-kreative Erklärung für Geldmangel.
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