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Vor 30 Jahren brachte ihn der japanische Elektronik-Konzern Sony auf den Markt - und die Welt war nie wieder dieselbe: Der Walkman machte aus sozialen Wesen musikalische Einzelgänger, akustische Autisten. Soziologen, Philosophen und Erzieher und Verkehrssicherheitsexperten warnten vor den nicht absehbaren Folgen der Kopfhörer-Sucht. Die Kassettenabspielgeräte mit ihren quietschbunten Kopfhörern und latentem Hang zum Bandsalat traten trotzdem ihren Siegeszug an - bis sie von der Technik überholt wurden.
Doch auch wenn die Kassette längst im Technikmuseum gelandet ist - das Prinzip des Walkman blieb: Mobile Abspielgeräte sind für viele nicht mehr aus dem Alltag wegzudenken. Musiksammlungen, die bei Walkman-Fans einen diskret mit der Kassettensammlung folgenden Kleinbus erfordert hätten, passen heute in die Hemdentasche, glasklarer Sound perlt aus Ohrhörern, die kaum größer sind als die Tasten der ersten Walkman-Modelle.
Das Jubiläum des Walkmans brachte die britische BBC auf eine Idee: Warum konfrontiert man einen Teenager von heute nicht mit den Strapazen, die seine Ahnen noch auf sich nehmen mussten, wenn sie unterwegs Musik hören wollen? Für ihr Experiment schnallten sie dem 13-jährigen Scott Campbell kurzerhand einen Ur-Walkman um und schickten ihn damit zur Schule. Von blankem Spott über satten Respekt für den Retrolook bis hin zu nostalgisch schwelgenden Lehrern reichten die Reaktionen.
Doch Scott musste auch selbst den einen oder anderen Kulturschock erleben. Wie kamen die Menschen aus der Walkman-Periode nur ohne Zufalls-Abspielfunktion klar? Was heißt bitte vor- und zurückspulen? Wie transportiert man den Ziegelstein, wenn doch der angebaute Gürtelclip großzügig geschnittene modische Hosen gnadenlos nach unten zieht?
Scott ergründete die Geheimnisse des Abspielgerätes im Selbstversuch - und kam zu erstaunlichen Erkenntnissen: So fand er nach drei Tagen heraus, dass man die Kassetten auch umdrehen kann. Dass sich der "Metal"-Knopf auf die Bandart und nicht auf den Musikgeschmack des Anwenders bezog, konnte er ebenso ergründen.
Trotz aller Aufmerksamkeit ist Scott nun wieder zu seinem MP3-Player zurückkehrt. Gerade einmal zwölf Songs auf einer leiernden und rauschenden Kassette und das bei dem Energieverbrauch einer ganzen Armada von iPods - das muss dann doch nicht sein. Eines wird er aber doch vermissen: Das fette, satte Einrasten der Abspieltaste.
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