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Schlusslicht
Da ist noch Musik drin
Noten nach Koten
Ob das fröhliche Tirilieren, das den Frühling ankündigt, oder das nervige Gezwitscher, das den Nachtschlaf zu früher Stunde beendet - Vögel gelten als die Musikanten des Tierreichs. Doch offenbar haben wir ihre Talente als Tonkünstler bisher massiv unterschätzt, denn wirklich entscheidend ist bekanntlich, was hinten rauskommt.
Von Wulf Rohwedder, tagesschau.de
"Das klingt wie hingesch..." Solchen und ähnlichen kruden Verdikten ist moderne und experimentelle Musik oft ausgesetzt. Doch wie klingen defäkierte Töne wirklich? Gar nicht so schlecht, zumindest, wenn man Vögel sich musikalisch auf diese Weise ausdrücken lässt. Herausgefunden hat dies die Künstlerin Kerry Morrison. Sie legte, unterstützt von der Tate Liverpool Gallery, in Liverpooler Parks überdimensionale Notenblätter aus, berichtet die BBC. Die ortsansässige Vogelwelt sollte nun mit ihren Verdauungsprodukten aus den leeren Linien eine Partitur kreieren.
Musikalische Verstopfung
Die Komposition zog sich allerdings länger als erwartet, da es zunächst an orniden Exkrementen fehlte. Erst als Morrison die Notenblätter näher an Orte verlegte, an den sich Vögel offenbar gerne erleichtern, kam die Komposition in Schwung. Dabei half auch die Reifung bestimmter Früchte, die der Musik ein wenig intensivere Farbe gab.
Irgendwie ...interessant
Aus den Ergüssen arrangierte der Komponist Jon Hering ein 20-minütiges Orchesterwerk, das mit Gezwitscher und Hintergrundgeräuschen hinterlegt nun in Liverpool uraufgeführt wurde. Das ganze klingt ein wenig wie die Filmmusik zu einem Streifen mit Untertiteln, den man mit Rollkragenpullover und Hornbrille in bestimmten Szenekinos ansehen würde. Insgesamt ein wenig sphärisch - Huftiere hätten wahrscheinlich ein kräftigeres Werk hinterlassen.
Das Werk in drei Teilen erfuhr eine eher gemischte Reaktion. Aber wahrscheinlich ist es immer noch besser, dem Vogelkot zuzuhören, als von ihm getroffen zu werden. Obwohl: Das soll ja wenigstens Glück bringen.
Stand: 22.01.2013 20:12 Uhr
