Schlusslicht

Der frühere US-Präsident Barack Obama ist durch eine Glastür im Gerichtsgebäude von Chicago zu sehen. | Bildquelle: AFP

"jury duty" in den USA Obama - als Geschworener abgewählt

Stand: 09.11.2017 14:31 Uhr

Die Pflicht, als Jurymitglied in einem Prozess mitzuentscheiden, kann in den USA jeden treffen. Auch die ehemalige Nummer Eins des Weißen Hauses. Und so musste sich auch Ex-Präsident Obama zur Auswahl stellen. Doch die Anwälte plädierten gegen den früheren Staatschef auf der Geschworenenbank.

Was war denn da los in Chicago? Am Mittwoch wurde der wohl prominenteste Bürger der Stadt - der ehemalige US-Präsident Barack Obama - mit Fahrzeugkolonne vor dem Gericht in der Metropole vorgefahren. Unter Blitzlichtgewitter verschwand der einst "mächtigste Mann der Welt" in dem Gebäude, hinter dessen Türen im Namen Justizias über Recht und Unrecht entschieden wird.

Hat der Mann, der die USA acht Jahre lang als Staatschef geführt hat, etwa was auf dem Kerbholz? Keine Sorge, Obama hat sich nichts zuschulden kommen lassen - doch auch ein früherer Präsident hat seine bürgerlichen Pflichten. Und so war in dem Briefkasten der Obamas ein Brief eingetrudelt, der den 56-Jährigen dazu aufforderte, sich als Mitglied einer Jury zur Verfügung zu stellen.

Journalisten und Fans von Obama drängen sich vor der Tür im Gerichtsgebäude von Chicago, um ein Foto vom Ex-Präsidenten zu ergattern. | Bildquelle: AP
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Obamas Besuch im Gericht in seiner Heimatstadt Chicago sorgte bei Presse, Fans und Mitarbeitern für große Aufregung.

Diese Pflicht kann in Amerika jeden ab 18 Jahren ereilen. Herausreden gilt nicht, gibt es keine gute Begründung ist die "jury duty" genau das, was der Name besagt - nämlich Pflicht. Wer in die Auswahl für die Geschworenenbank kommt, entscheidet allein der Zufall - und der lässt sich vom Schein der früheren Bewohner des Weißen Hauses wenig beeindrucken. Immerhin wurde auch schon Ex-Präsident George W. Bush zur Vorauswahl für eine Gerichtsjury vorgeladen.

Kein Platz auf der Geschworenenbank

Immerhin - Obama wäre bestens gerüstet gewesen für die neue Aufgabe. Seine Karriere begann mit einem Jurastudium. Und als Präsident ist man es schließlich auch gewohnt, die eine oder andere schwierige Entscheidung zu treffen.

Doch es wurde nichts aus der Frage: "Zu welchem Urteil kommen Sie, Mr. Ex-President?" Die Anwälte entschieden sich gegen Obama in der Jury. Zu viel Prominenz tue einem Prozess wahrscheinlich nicht gut, vermutete offenbar das Gericht. Der abgewählte Geschworene nahm es wie so oft mit Humor: "Vielen Dank an alle, die ihre Pflicht als Geschworene erfüllen - oder immerhin dazu bereit sind", scherzte Obama, als er das Gericht wieder verließ.

Und fast auch ein bisschen schade, für diejenigen, die letztendlich in die Jury berufen wurden. Denn wäre auch Obama ausgewählt geworden, hätte er pro Tag eine Aufwandsentschädigung von 17,20 Dollar erhalten, umgerechnet 14,80 Euro - so wie jedes andere Jurymitglied auch. Und wer kann schon von sich behaupten, zumindest für eine kurze Zeit genauso viel Geld aufs Konto bekommen zu haben, wie ein ehemaliger Präsident?

Über dieses Thema berichtete WDR4 "Mein Nachmittag" am 10. November 2017 um 14:00 Uhr.

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