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US-Präsident Obama hat es zu Thanksgiving gut: Er muss keinen Truthahn zubereiten, sondern darf ihn freilassen. Millionen seiner Landsleute sehen dem Erntedankfest dagegen mit Schaudern entgegen, ist doch Truthahn-Bruzzeln eine anspruchsvolle Kunst. Aber der eine oder andere Trick rettet den Braten.
Von Ralph Sina, WDR-Hörfunkstudio Washington
US-Präsident Barack Obama muss sich an Amerikas Thanksgiving Day nicht die Kochschürze umbinden und tagelang über Truthahn-Rezepten brüten. Es reicht völlig, wenn er den Namen des Vogels kennt, den er vor laufenden Fernsehkameras davor bewahrt, auf dem Kugelgrill oder im gigantischen Ofen des Weißen Hauses zu landen.
"Lassen wir den Truthahn frei. Ab mit ihm zur Parade nach Disneyland" freute sich Obama, als er zum ersten Mal die Zeremonie im Weißen Haus vornehmen durfte. Für den Herrn im Weißen Haus ist der Truthahn-Gnadenerlass geradezu eine Sternstunde präsidialer Fröhlichkeit. Doch für Millionen amerikanischer Hausfrauen und Hausmänner ist das Bruzzeln der zuweilen über zehn Kilogramm schweren Vögel eine höchst angstbesetzte Herausforderung, die sie wahlweise zum Psychotherapeuten treibt oder zu speziellen Truthahn-Sorgentelefonen mit 0800-Vorwahl.
"Kein Gericht ist in unserer großartigen Nation so angstbesetzt", diagnostiziert Starkoch und Küchenpsychologe Ted Allan vor heftig nickenden Hausfrauen im Kochstudio des Nationalen Radiosenders NPR und verweist auf einen gigantischen Vogel. Dieser treibe alle Vorbereitungsprobleme auf die Spitze. Das zarte Brustfleisch wird einfach nicht zur selben Zeit gar wie die robusten Schenkel.
Dabei kann laut Amerikas Kochvirtuosen Ted Allan alles ganz einfach sein: "Bauen Sie sich ihren eigenen Truthahn", rät Allan. "Kaufen Sie die Brust. Kaufen Sie die Beine, am besten drei, um ihre Kinder zu verblüffen." Das Truthahn-Puzzle à la Ted Allan kommt 24 Stunden vor dem Ernstfall in eine Salzwasserlösung, das Wasser schön kühlschrankkalt und dazu etwas Honig.
Wer den Vogel nicht als Puzzle sondern im Ganzen zubereitet, füllt ihn in den USA gern mit drei halbierten Orangen. Wahlweise auch mit Äpfeln und Brotkrumen, Kastanien und Sellerie, kombiniert mit Zwiebelwürfeln, Petersilienwurzel und Salbei. Das macht den Vogel superlecker, schwärmt Ted Allan.
Sehr beliebt ist auch die so genannte Unterfütterung der Truthahn-Haut mit Hackfleisch aus Schwein und Rind. Nach rund 225 Minuten Garzeit bei 120 Grad im vorgeheizten Backofen wird diese Zusatzschicht chirurgisch geschickt entfernt und als Beilage serviert. "Wunderbar und gleichzeitig so einfach!", freut sich der Profikoch. Bleibt nur noch ein Wunsch: Happy Thanksgiving!
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