Schlusslicht

Blick auf den Twitter-Account von Donald Trump | Bildquelle: AP

Account offline Trump zwitschert auf Twitter - nicht

Stand: 03.11.2017 13:44 Uhr

Was es nicht für Fantasien über den letzten Arbeitstag gibt - dem Chef mal so richtig die Meinung geigen, Gerüchte streuen, den Feueralarm auslösen. Ein Twitter-Mitarbeiter hatte da anscheinend eine bessere Idee - und den Zugang zu Trumps Account.

Es ist das wohl liebste Spielzeug des US-Präsidenten - Donald Trumps Twitter-Account. Doch 36.000 Tweets - das ist zu viel für die Welt, dachte sich wohl ein - mutmaßlich - Trump-kritischer Twitter-Mitarbeiter. An seinem letzten Arbeitstag zog er dem Präsidenten kurzerhand den Stecker und nahm seinen Account damit für ganze elf Minuten vom Netz. Nutzer, die den Account aufrufen wollten, bekamen die Fehlermeldung, dass die Seite nicht existiere. Später tauchte das Konto aber wieder auf.

Als Grund für die Deaktivierung nannte Twitter zunächst einen "menschlichen Fehler" eines Angestellten. "Der Account war elf Minuten lang abgeschaltet, wurde dann wieder hergestellt", hieß es in einer ersten Erklärung. "Wir untersuchen den Fall weiter und unternehmen Schritte, damit sich dies nicht wiederholt."

Offenbar pure Absicht

Später stellte sich heraus, dass der "Fehler" kein Versehen war, sondern offenbar pure Absicht. Der Account sei von einem Kundenbetreuer an seinem letzten Tag abgeschaltet worden, teilte das Unternehmen mit. "Wir betreiben gerade eine volle interne Überprüfung." Eine fristlose Kündigung kommt als Konsequenz aber wohl nicht mehr in Frage. Die Überprüfung führte nach Angaben des Unternehmens allerdings zu "Schutzmaßnahmen", damit so etwas nicht nocheinmal passieren könne.

Trump selbst schrieb auf seinem Konto, ein "schurkenhafter Angestellter" von Twitter habe seinen Account elf Minuten vom Netz genommen.

Donald J. Trump @realDonaldTrump
My Twitter account was taken down for 11 minutes by a rogue employee. I guess the word must finally be getting out-and having an impact.

41 Millionen Follower

Trump folgen auf Twitter über 41 Millionen Menschen. Der US-Präsident versteht es sehr gut, das soziale Netzwerk für sich zu instrumentalisieren. Es war schon im Wahlkampf das Herzstück seiner Kommunikation. Oft haben seine Nachrichten einen aggressiven Tonfall. Immer wieder beschimpft er damit politische Gegner oder ihm unliebsame Medien. Trump selbst hat erklärt, Twitter sei der beste Weg, um seine Botschaften ungefiltert zu verbreiten.

Die plötzliche Abschaltung des Trump-Accounts hatte bei Twitter umgehend für Aufregung gesorgt. Dass ein Twitter-Mitarbeiter so einfach Zugriff auf Trumps Privataccount haben konnte, bestärkte nun bereits zuvor geäußerte Sicherheitsbedenken. "Es ist schockierend, dass irgendein Twitter-Mitarbeiter den Account des Präsidenten schließen konnte. Was, wenn er stattdessen eine Fake-Botschaft getwittert hätte?" schrieb der Herausgeber des Magazins "Politico", Blake Hounshell, auf Twitter. "Im Ernst, was, wenn diese Person über einen erfundenen Atomangriff auf Nordkorea getwittert hätte?"

Blake Hounshell @blakehounshell
Seriously, what if this person had tweeted about a fictional nuclear strike on North Korea? https://t.co/TcvpXqXk42

Viele Nutzer reagierten aber vor allem belustigt. "Einige von uns haben dies nicht erlebt, können sie den (Account) bitte wieder abschalten?", fragte ein Nutzer. "Nicht alle Helden tragen einen Umhang", lautete eine andere Twitter-Botschaft. "Star Trek"-Schauspieler George Takei schrieb, er habe sich in eine Zeit zurückversetzt gefühlt, in der die Dinge nicht so "verdammt absurd" gewesen seien.

George Takei @GeorgeTakei
Trump's Twitter deactivated for 11 min, and I suddenly thought I'd jumped back into the real timeline where things aren't so damned absurd.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 03. November 2017 um 03:00 Uhr.

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