Schlusslicht

Schlusslicht vom 04.01.13

Star Wars in Tunesien Zum Mittagessen bei Luke Skywalker

Stand: 03.01.2013 14:08 Uhr

"Nirgendwo wirst du mehr Verkommenheit versammelt finden als hier", sagte einst Obi-Wan Kenobi zu Luke Skywalker, als die "Star Wars"-Helden die Bar in Mos Eisleys Raumhafen betraten. Stimmt das? Nein. Denn der Wüstenplanet liegt eigentlich in Tunesien - und dort ist es eigentlich sehr nett.

Von Alexander Göbel, ARD-Hörfunkstudio Rabat

Ja, Luke Skywalker kommt eigentlich aus Tunesien. Bislang wussten das meist nur eingefleischte Fans der berühmten Star-Wars-Filme - oder Kenner der tunesischen Wüste. Der Ort Tataouine hat dem entfernten Wüstenplaneten aus Star Wars seinen Namen geliehen, und auch in der irdischen Wirklichkeit ist die kleine Verwaltungsstadt nahe der Grenze zu Libyen ganz schön weit weg. Acht Autostunden von der Hauptstadt Tunis entfernt liegt die sandige Heimat von Anakin und Luke.

Star-Wars-Drehort Tataouine in Tunesien (Foto: Sarah Mersch)
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Die Heimat der Skywalkers: Im Film liegt sie auf einem entfernten Wüstenplaneten, tatsächlich aber in Tunesien. (Foto: Sarah Mersch)

Vor langer Zeit in einer weit entfernten Galaxie...

Hier auf dem fast ausgetrockneten Salzsee Chott el Djerid könnten sie gleich mit ihrem Raumschiff landen: Han Solo, Prinzessin Leia mit ihrem weißen Kleid und ihrer Schneckenfrisur, die Droiden R2 D2 und C-3PO, der liebenswürdige pelzige Wookie namens Chewbacca, und natürlich Luke Skywalker.

Szenenbild aus "Die Rückkehr der Jedi-Ritter" | Bildquelle: dpa
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Mit Macht und Schneckenfrisur: Die Star-Wars-Helden Luke Skywalker, Prinzessin Leia und Han Solo (v.l.)

Tatsächlich hat Regisseur George Lucas hier sein Epos über den Krieg der Sterne begonnen - tief im Süden Tunesiens. Mit seiner ockergelben, staubigen Wüstenlandschaft und dem unvergleichlichen Licht sieht dieser Ort tatsächlich aus wie ein anderer Stern. Eine perfekte Kulisse für den Planeten Tatooine.

Das findet auch der Souvernirverkäufer Dhaouh: "Der hat das gut gemacht, dieser George Lucas", sagt er. "Der Planet im Film heißt Tatooine, genau wie der Ort hier. Und auf französisch sagt man 'du gehst nach Tataouine', wenn man sagen will 'du gehst ans Ende der Welt'."

Der Weltraumbahnhof mitten in der Wüste

"Star Wars"-Regisseur George Lucas (rechts) neben einer Darth-Vader-Figur | Bildquelle: dapd
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Regisseur George Lucas (r.) neben einer seiner berühmtesten Schöpfungen: Darth Vader aus den "Krieg der Sterne"-Filmen.

Dabei hatte George Lucas zunächst nur nach einem günstigen Drehort gesucht, denn eigentlich hatte damals in den 1970er-Jahren niemand an den Erfolg eines Science-Fiction-Märchens geglaubt. Doch der Drehort sei die pure Inspiration für den Star-Wars-Schöpfer gewesen, da ist sich Souvernirverkäufer sicher. Dhaouh kommt aus Ksar Haddada, pardon: Mos Espa. Im Film ist es ein Weltraumbahnhof auf dem Planeten Tatooine - und die Heimat von niemand geringerem als Anakin Skywalker alias Darth Vader.

Selbst die braunen Umhänge von Jedi-Rittern wie Obi-Wan Kenobi erinnern verdächtig an den Burnous, den traditionellen braunen Wollmantel, den die Tunesier im Winter tragen. Die Touristen fühlen sich direkt in den Film versetzt. Dann leben im Dorf Matmata plötzlich nicht mehr Berber - sondern "Troglodyten": "Man sieht die Szenen regelrecht vor sich", sagt eine Touristin. "Obi Wan, der den kleinen Anakin holt, der damals fünf Jahre alt ist und der mit seiner Mutter in diesen Troglodyten-Häusern wohnt."

Einmal Chewbacca treffen...

Ende der 1990er-Jahre kamen Lucas und sein Filmteam erneut in den Süden Tunesiens, vor mehr als zehn Jahren drehten sie dort die letzten Szenen, diesmal für die Episoden I-III. Die schroffe Felswüste birgt bis heute die Geheimnisse des Planeten Tatooine: Die kugelförmigen Getreidespeicher, die Höhlenwohnungen - hier haben im Film Star-Wars-Helden wie Luke Skywalker gelebt.

Star-Wars-Drehort Tataouine in Tunesien (Foto: Sarah Mersch)
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Noch immer kommen Touristen nach Tatouine. Sie besichtigen die charakteristischen Häuser...

Star-Wars-Drehort Tataouine in Tunesien (Foto: Sarah Mersch)
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...und das Hotel Sidi Driss, wo im Film der junge Skywalker lebte. (Fotos: Sarah Mersch)

Das Hotel Sidi Driss in Matmata, zehrt von diesem Ruhm: Hier war der junge Jedi-Ritter zu Hause. Außer ein paar gelben Metalltüren und vergilbten Fotos an der Wand ist nicht mehr viel zu sehen. Doch einmal bei Skywalkers zu Mittag essen, oder in der Bar von Mos Eisley einen Drink nehmen, vielleicht Chewbacca oder Jabba the Hutt treffen - dass lassen sich echte Fans nicht entgehen. Mohamed, einer der Hotelangestellten, erinnert sich noch genau an die Dreharbeiten. "Drei Wochen haben die Vorbereitungen gedauert, und dann haben sie nur drei Tage lang gedreht, vom 9. bis zum 11. September 2000 war das. Aber da war alles von der Polizei abgesperrt, vom Dreh selbst habe ich gar nichts gesehen. Sogar die Hotelgäste wurden damals umquartiert."

Mit dem Lichtschwert nach Tatouine

Auch in Ksar Haddada, rund 30 Kilometer von Tataouine entfernt, soll wieder ein Hotel entstehen, nachdem die Betreiber vor langer Zeit pleitegegangen waren. Souvenirverkäufer Dhaouh würde es freuen: "Hoffentlich wird aus dem Projekt etwas. Denn der Film war eigentlich eine hervorragende Werbung für uns. Aber jetzt kommen nur noch ein paar Touristen auf der Durchreise."

Star-Wars-Drehort Tataouine in Tunesien (Foto: Sarah Mersch)
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Die Bar in Mos Eisley: in echt eher harmlos. (Foto: Sarah Mersch)

Seit der Jasmin-Revolution hat Tunesiens Tourismus schwer gelitten. Auch wenn die Tunesier die "dunkle Seite der Macht" besiegt und Ex-Diktator Ben Ali vertrieben haben:  Die meisten Touristen fürchten sich vor Ausschreitungen - und bleiben lieber in ihren Hotelanlagen. Dabei ist das echte Tataouine keineswegs so gefährlich wie der Kampf gegen Darth Vader und die Handelsföderation. Aber wer auf Nummer Sicher gehen will, der kann ja zur Verteidigung ein Lichtschwert mitnehmen.

Dieser Beitrag lief am 3. Januar 2013 um 11:51 Uhr auf NDR Info.

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