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Schlusslicht
Schlusslicht
Ein Armleuchter namens "Söder"
Der bayerische Finanzminister Markus Söder ist einiges an Spott gewöhnt. Wer immer gewisse Vorbehalte gegen ihn hegt, und davon soll es hartnäckigen Gerüchten zufolge selbst in seiner CSU den einen oder anderen geben, ist schnell dabei, mit dem Nachnamen des Ministers Schindluder zu treiben. Denn worauf reimt sich Söder? Natürlich auf - Blöder, und das ist auch der stets zu billigen Scherzen aufgelegten Opposition nicht entgangen.
Grünen-Fraktionssprecher Jürgen Trittin jedenfalls bediente sich weiland des Vergleichs; ob Söder seinerseits Gedankenspiele über den Namen seines Gegenspielers anstellte und diese womöglich mit Überlegungen über etwaige, handfeste Reaktionen verknüpfte, ist nicht bekannt.
Nun aber kommt neue Häme, und dies aus einer Ecke, aus der der Minister Unbill kaum erwartet haben dürfte. Ausgerechnet das schwedische Kaufhaus Ikea wartet in seinem neuen Katalog mit einem Lampenmodell namens "Söder" auf - wahlweise als Kronleuchter, Decken- oder Hängeleuchte zu erwerben.
Perfide, aber durchschaubar
Schon stilistisch ist "Söder" zumindest für Wechselwähler eine Provokation. Denn die Leuchten kommen doch recht trutschig daher, fallen deutlich aus dem Jahrhundert und passen allenfalls zur Lederhose, kaum aber zum Laptop, allenfalls in eine verträumte Stickstube oder einen biergetränkten Schankraum, keineswegs aber in ein schickes Ministerbüro. Folglich heißt es im Katalog auch, "Söder" verbreite einen "Hauch von Nostalgie", ein Adjektiv, dass eher zu einem gemütlichen Moderator einer Schunkelshow passt, nicht aber zu einem nach vorne drängenden bayerischen Landespolitiker.
Damit nicht genug: Die bundesweit verteilte Werbeschrift unterstellt "Söder" Eigenschaften, nach denen der CSU-Politiker bislang nicht gestrebt hat. Ein "weiches Stimmungslicht" sei das "Söder", sülzt es im Katalog und verkennt damit die jahrelangen Bemühungen Söders, sich als fränkischer Rauhbautz über die Grenzen seiner Heimatstadt Nürnberg hinaus einen Namen zu machen, der jederzeit zu einem kleinen Politkrawall mit roten oder grünen Spinnern aufgelegt ist.
Ein Söder ist effizient
Der Gipfel der Unverschämtheit: "Söder" bzw. die in ihm zur Anwendung kommenden Leuchtmittel werden in die Energieeffizienzklasse C eingestuft - deutlich entfernt von der sehr effizienten Einstufung A, in der Söder sich vermutlich selbst sehen dürfte. Hier nun entlarvt sich Ikea endgültig - die Namensnennung ist Teil eines linksradikalen Komplotts, das den Aufstieg des Christsozialen zum Ministerpräsidenten verhindern soll, indem man ihn im nach ranziger Vergangenheit riechenden Mittelmaß einstuft.
Immer diese Schweden, mag man verzweifelt ausrufen und stellt beim Studium der Ikea-Homepage fest: Ein Modell Christian oder Ude gibt es natürlich nicht, womit die Komplizenschaft mit der bayerischen SPD ja wohl auf der Hand liegt. Oder gibt es etwa, wenn man bundespolitische Widersacher einbezieht, einen Wandschrank namens "Sigmar" oder einen Klappstuhl "Philipp"? Na also. Eine Leere, die für sich spricht.
Expansion muss her
Wie kann Söder, wie die CSU auf diesen perfiden Angriff aus Skandinavien reagieren? Die Parteifreunde ausschwärmen und alle Kataloge aus den Briefkästen des Bundeslandes stibitzen lassen? Darauf bestehen, dass die Ikea-Filialen als Demutsgeste landesweit von blau-gelb in blau-weiß umgestrichen werden? Nein, es geht wohl nur so: Die CSU muss eine bayerische Möbelkette gründen, die umgehend über die Landesgrenzen expandiert und dabei die Botschaften der CSU und ihrer Politiker handfest an den Mann bringt - zum Beispiel mit einem hübschen Lackmöbel namens "Markus", einem geschmeidigen Drehstuhl "Horst" oder aber einer Hollywoodschaukel "Alexander".
Dann, soviel darf vorhergesagt werden, kann Ikea aber seine aktuelle Kollektion wegen Unverkäuflichkeit mal gleich einstampfen und den Armleuchter "Söder" ein für allemal zum Altmetall bringen.
Stand: 05.09.2012 18:45 Uhr
