Schlusslicht

Zwei Tomatenschnaps-Gläser stoßen zum Prost aneinander. | Bildquelle: dpa

G20-Gipfel in Hamburg Schnaps gegen Trump

Stand: 07.03.2017 13:16 Uhr

Kneipen-Betreiber in Hamburg wollen den Protest gegen US-Präsident Trump unterstützen. Anlässlich seines Besuchs des G20-Gipfels in Hamburg sammeln sie Spenden und schenken dafür einen besonderen Tomatenschnaps aus: den Mexikaner.

Von Günter Marks, tagesschau.de

Politik ist eine Frage der Perspektive. Und die lässt sich beeinflussen. Das dachten sich wohlmöglich auch Hamburger Kneipenbesitzer, als sie gewahr wurden, dass sich der US-Präsident Donald Trump zum G20-Gipfel am 7. und 8. Juli in Hamburg angekündigt hatte. Was kann man als Barbetreiber tun, um in der politischen Debatte um Protektionismus, Ausgrenzung und Diskriminierung von Minderheiten sowie von ganzen Ethnien, Religionen und Nationen einen Beitrag zu leisten? Hat man an der Theke nicht eine besondere Verantwortung für die politische Willensbildung im Land, in der Stadt, vor allem aber im Kiez? Ist die Kneipe nicht der Ort, in der die direkte Demokratie die volle Kraft ihrer Ursprünglichkeit zur Entfaltung bringen kann?

Gesellschaftliche Verantwortung

Um dieser Vorstellung von einer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht zu werden, haben nun etwas mehr als 20 Kneipen-Betreiber in Hamburg eine Solidaritätsaktion gegen Trump und den G20-Gipfel angeschlossen. Sie wollen das machen, was sie am besten können: Sie schenken Schnaps aus. Nicht irgendeinen. Wer will schon seine politische Mission verwässern? Es geht um den Tomatenschnaps, der unter kundigen Kneipenbesuchern Mexikaner genannt wird. Denn der Protest gegen Trump richtet sich vor allem gegen die Diffamierung von Mexikanern in den USA und gegen seine Pläne, eine Mauer an der Grenze zu Mexiko zu bauen und das Nachbarland dafür bezahlen zu lassen.

Der Mexikaner - also der Schnaps - ist ein scharfes Zeug. Es ist überliefert, dass die Originalmischung  des Tomaten-Cocktails, die eisgekühlt aus kleinen Schnapsgläsern getrunken wird, Ende der 1980er-Jahre in der Hard-Rock-Kneipe "Steppenwolf" im Hamburger Stadtteil St. Pauli entstand. Der alkoholische Hauptträger des Getränks klingt dem entsprechend auch gar nicht mexikanisch. Es handelt sich um Korn. Dazu kommt Tomatensaft, Sangrita, Pfeffer, Salz und Tabasco, und dann kann die Feier beginnen. Mittlerweile wird der Mexikaner auch mit Wodka, Tequila oder Mezcal angeboten.

Mit Kopfschmerzen

Die Hamburger Teilnehmer der Aktion "Soli-Mexikaner gegen Trump" schreiben auf ihrer Homepage, der Tomatenschnaps  sei scharf, schmecke widerborstig und hinterlasse Kopfschmerzen. Das kann man durchaus als Kampfansage im Sinne der politischen Aufklärung verstehen, die sich die Trump- und G20-Gegner vorstellen. Um die Vorbereitungen für ihren - wie sie schreiben - "lautstarken Protest" zu finanzieren, spenden die teilnehmenden Kneipen die Erlöse aus dem Verkauf an Anti-G20-Aktionen. Neben den Kneipen in Hamburg machen laut Veranstalter auch Bars unter anderem in Berlin, Leipzig, Wien und Kopenhagen mit. Vielleicht lernt im Juli dann auch Trump den Mexikaner kennen - den aus St. Pauli.

Über dieses Thema berichtete das Hamburg Journal am 11. März 2017 um 19:30 Uhr.

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