Schlusslicht: Schwimmen wie ein Samurai

Schlusslicht

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Auf die Beintechnik kommt es an

Schwimmen wie ein Samurai

Schwimmen in einer Rüstung, dabei das Wasser mit den Beinen zusammenquetschen. Dahinter steckt eine jahrhundertealte Technik, die in ganz Japan nur zwölf Schulen unterrichten. Unser Korrespondent hat bei einem Schwimmkurs mitgemacht.

Von Peter Kujath, ARD-Hörfunkstudio Tokio

In dem 25-Meter-Becken einer Schule im Tokioter Stadtteil Setagaya sind zwei Bahnen abgetrennt. Während auf der anderen Seite gekrault, geplanscht oder getaucht wird, gehen hier die 15 Japanerinnen und Japaner einer anderen Art des Schwimmens nach: Schwimmen wie ein Samurai.

"Um die Tradition zu bewahren, üben wir diese Schwimmarten. Und das machen wir schon seit mehr als 30 Jahren", erzählt die 77-jährige Lehrerin Keiko Seo. Sie selbst hat damals zufällig davon erfahren und Gefallen daran gefunden. 

Erstmal gehe ich unter

"Die Schwimmarten der alten Samurai erfordern vor allem Beintechnik, genannt 'aureya-shi'. Dabei geht es darum, das Wasser zwischen den Beinen zusammen zu quetschen. Das ist die Grundlage des Schwimmens", erklärt Seo. Darüber hinaus gibt es noch viele Techniken, die man als anerkannter Schwimmlehrer für die traditionellen Arten können muss. "Das üben wir auch für den Fall, dass jemand diese Lizenz erwerben möchte."

Ich bin eigentlich ein guter Schwimmer, aber diese neue, alte Art der Fortbewegung im Wasser lässt mich die ersten Mal einfach untergehen. Keiko Seo gleitet deshalb vom Beckenrand ins Wasser, um mir den Scherenschlag in Verbindung mit den halbkreisförmigen Armbewegungen zu demonstrieren. Es dauert dennoch, ehe ich im Ansatz diesen Schwimmstil der Samurai nachahmen kann.

Eine Erfindung der Fürsten in der Edo-Zeit

Zwölf Schulen gibt es in ganz Japan, die das Samurai-Schwimmen unterrichten. In der Edo-Zeit, also zwischen dem 17. und 19. Jahrhundert, hatten die damaligen Fürsten ihren eigenen Stil geschaffen, wie man sich mit Rüstung im Wasser am besten fortbewegt, das Schwert zieht oder auf ein Schiff hinaufspringen kann.

"Jedes Jahr wechselt der Vorsitz unter den zwölf Schulen. Im März gibt es immer ein großes Treffen. Da zeigt die zuständige Schule ihre jeweilige, besondere Tradition. Dabei trägt man dann auch die ganze Rüstung. Bei den normalen Übungen trägt man die aber nicht", erzählt Seo. Denn das wären neben den ungewohnten Bewegungen noch einmal zehn bis 15 Kilogramm extra, die mich sicher unter Wasser ziehen würden.

Schwimmen wie einst die Samurai in Japan
P. Kujath, ARD Tokio
15.05.2013 12:10 Uhr

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Die Japanerinnen und Japaner, die mit mir im Becken den Anweisungen folgen, sind zwischen 13 und 88 Jahre alt. "Ich hatte mir das linke Bein gebrochen und mir wurde zur Rehabilitation diese Schwimmart empfohlen", erzählt ein 45-jähriger Teilnehmer. Und ein anderer ergänzt. "Das mit der japanischen Rüstung ist für mich nicht so interessant. Mir geht es bei dieser Schwimmart eher darum, dass man mit dem Wasser eins wird, dass die Verbindung eine freundschaftliche ist. Das finde ich schön."

Nicht spritzen, nicht lärmen

Der Kopf bleibt in der Regel über dem Wasser, die Bewegungen laufen so ab, dass nicht gespritzt oder gelärmt wird. Das hatte einst militärische Gründe, sieht aber - wenn man es denn beherrscht - sehr ästhetisch aus.

Megumi Nakajima war früher Leistungsschwimmerin, ehe sie an der Universität in Geschichte eine Arbeit über die traditionellen, japanischen Schwimmarten schreiben musste. "Beim heutigen Schwimmen geht es ja vor allem um die Geschwindigkeit, aber bei der Samurai-Schwimmart geht es um die Schönheit. Es gibt verschiedene Schulen und je nach der Region hat sich eine eigene Technik entwickelt. Diese Entwicklung nachzuvollziehen ist sehr interessant."

Die 25-Jährige kann bereits zehn der rund 20 traditionellen Schwimmarten und hat an dem Treffen aller Schulen im März teilgenommen. In voller Rüstung ist sie allerdings noch nicht geschwommen, will das aber auf jeden Fall einmal ausprobieren. Ihre Freunde, sagt sie, fänden ihr neues Hobby aber eher seltsam.

Stand: 15.05.2013 12:55 Uhr

Korrespondent

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Peter Kujath, NDR

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