Schlusslicht: Der Tresor in der Matratze

Schlusslicht

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Erfindung im Krisenland Spanien

Der Tresor in der Matratze

Die Finanzkrise hat in Spanien nicht nur Vermögen vernichtet. Auch das Vertrauen in die Banken generell hat gelitten. Doch ein findiger Spanier will daraus nun Kapital schlagen: mit einer Matratze, in die ein Tresor eingearbeitet ist. Der Vorteil: langes Schlafen erhöht die Sicherheit signifikant.

Von Michael Castritius, ARD-Hörfunkstudio Madrid

Die Bankenkrise in Spanien macht die Menschen wütend. Aufgebrachte Bürger belagern die Finanzinstitute, haben Angst um ihr sauer Erspartes. "Rettet euren Euro, holt ihn aus den Banken!", skandieren sie. Die Krise macht sie aber auch ratlos: Wohin mit dem Geld? Ein cleverer Spanier hat nur eine Lösung für dieses Problem gefunden: Eine Matratze mit bombenfest eingeklebtem Tresor.

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Der Tresor entspricht den neuesten Sicherheitsstandards, mit elektronischem Schließmechanismus und dicker Stahltür.

Zehn Zentimeter hoch, 15 cm breit, ultra-widerstandsfähig. Dann liegt das Bankgeheimnis von Uli Normalverbraucher nicht in der Schweiz, sondern im Bett.

Francisco Santos, genannt Paco heißt der Erfinder - selber ein Opfer von Spaniens Wirtschaftskrise. Vor vier Jahren wurde er beim größten spanischen Matratzen-Hersteller entlassen, nach über einem Jahrzehnt Betriebszugehörigkeit.

Er machte sich selbstständig und vermarktet seine Idee in Videos, die die Werbeclips von Banken parodieren: mit Hochglanz-Optik und dramatischen Emotionalisierungen. "Hallo, ich bin Paco Santos, Präsident der Sparkasse 'Meine Matratze'", stellt sich der Erfinder aus Salamanca dort vor. "Wir sind ein Finanzinstitut, das das traditionelle Sparen wiederentdeckt hat - mit Phantasie. Uns ist nur wichtig, dass du ruhig schläfst, mit deinem Geld ganz nahe."

Spanier erfindet Geldtresor für die Matratze
M. Castritius, ARD Madrid
04.05.2013 15:29 Uhr

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Das bedeutet in diesem Falle: Im Metall-Tresor, rückenfreundlich ins Fußende eingelassen mit speziellem Klebstoff, der potenzielle Diebe zum Verzweifeln bringen soll. Sie müssten schon die ganze Matratze mitnehmen, sagt Santos. Bettlägerigkeit erhört natürlich die Sicherheit signifikant, auch frühes Schlafen gehen und spätes Aufstehen helfen.

Verrückt, aber notwendig

Die Idee, sagt Santos bescheiden, sei doch so alt wie das Geld. "Man sagt doch: Geschichte wiederholt sich. Schon unsere Vorfahren hatten verstanden, dass das Geld am sichersten unter der Matratze ist. Heute ist das wieder so, den Banken vertrauen wir nicht mehr. Ein Matratzen-Tresor, das hört sich vielleicht verrückt an, ist aber in der aktuellen Lage einfach notwendig."

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Der Safe ist ins Fußende eingelassen und mit einem Spezialkleber befestigt.

Allerdings wird er bei vielen Spaniern erst mal ziemlich leer bleiben, kostet er doch 800 Euro. Im Internet ist die Matratze bereits zu haben, in zwei Wochen soll sie auch in ersten Geschäften in Madrid und Toledo ausliegen. Beworben wird der digital gesicherte Metall-Sparstrumpf mit dem Vertrauen, das die spanischen Banken bei den Bürgern verloren haben: "Der Sparkasse 'Meine Matratze' kannst du vertrauen, sie geht nicht in Konkurs, fusioniert niemals und tanzt nicht nach der Pfeife der Finanzmärkte."

Probeliegen bei Verdächtigen?

Da kommen ganz neue Aufgaben auf die Steuerprüfer zu: Probeliegen in den Betten von Verdächtigen. Ist es hart am Fußende? Haben besonders Wohlhabende fünf Matratzen übereinander liegen, weil der Platz in einem Safe nicht reichte?

Aber das sollte potenzielle Kunden nicht schrecken: "Alle, die uns ausprobiert haben, sind zufrieden", so Santos. "Denn die Menschen schätzen es, ihr Geld immer in der Nähe zu haben." Und vor allem: weit weg von den Banken.

Dieser Beitrag lief am 04. Mai 2013 um 06:26 Uhr im Deutschlandfunk.

Stand: 04.05.2013 16:11 Uhr

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