Seitenueberschrift
Schlusslicht
Rekord-Regensommer in England
Not singing in the rain
Er schreibt Songs über den Regen, er trägt mit Begeisterung die formschönsten Gummistiefel und wenn man im Juli einen Regenschirm kaufen will, sagt er freundlich lächelnd: "Ausverkauft - es ist doch Hochsaison!" Der Brite und sein Regen, das ist eine beinahe liebevolle Beziehung. Doch in diesem Sommer ist das Fass übergelaufen: England beklagt sich. Über den nassesten Sommer seit hundert Jahren.
Von Gabi Biesinger, SWR-Hörfunkstudio London
Dass es in England eigentlich immer regnet, ist ja ein Klischee. Und dass zwei Engländer oder Engländerinnen, die sich treffen, immer übers Wetter reden, natürlich auch: "Letztes Wochenende war tolles Wetter, da hätte doch heute auch ruhig die Sonne scheinen können" war die einhellige Meinung der Briten zum Beispiel am 3. Juni. Entlang des Themseufers verfolgte eine geschätzte Million Menschen im strömenden Regen, wie Königin Elizabeth aus Anlass ihres Thronjubiläums mit einer Flottille von 1000 Booten und Schiffen huldvoll den Fluss runtersegelte. Prinz Philip bezahlte die stundenlange Bootsfahrt im Regen später mit einer lästigen Blasenentzündung, aber die durchweichten Schaulustigen am Flussufer versuchten unverdrossen zu feiern: "Superstimmung, trotz des Wetters. So ist England halt im Sommer", vermeldete die BBC.
Nach der Dürre kamen die Wassermassen
Dabei fing das Jahr eigentlich mit dürren Aussichten an. Der Frühling war der trockenste seit zehn Jahren, die Trinkwassersammelbecken waren bedenklich leer und 20 Millionen Briten durften ihren Gartenschlauch nicht benutzen. Aber im April schien dann plötzlich der Himmel aufzubrechen und es regnete drei Monate lang fast ununterbrochen. Die Olympische Fackel zu Beginn des Super-Sport-Sommers drohte auf ihrem Weg über die Insel mehr als ein Mal im Regen auszugehen.
Engländer klagen über Rekord-Regenjahr
G. Biesinger, SWR-Hörfunkstudio London
04.01.2013 19:17 Uhr
Während der Olympischen Wettbewerbe legte der Superregen dann ein paar gnädige Pausen ein - aber im Herbst folgten die Überflutungen. Die feuchten Böden konnten neue Regenmassen nicht mehr aufnehmen. Im November standen weite Teile des Landes unter Wasser. Rund um Weihnachten schwappte dann die die zweite Flutwelle durchs Großbritannien, der Reiseverkehr für die Feiertage wurde durch unterspülte Gleise und überflutete Signalanlagen gestört, mehrere hundert Familien mussten Weihnachten in Notunterkünften feiern, weil ihre Häuser unter Wasser standen.
Der Regen bringt die Menschen zusammen
Bemerkenswert ist, dass von den fünf nassesten Jahren seit Beginn der Aufzeichnungen 1910 gleich vier in unser Jahrtausend fallen: Abgesehen vom Regenjahr 1954 sind 2000, 2002, 2008 und nun 2012 die nassesten Jahre.
Aber der Engländer zeigt ja auch gerne tapfer Durchhaltevermögen. Sally Bowles, deren Haus in Somerset im Herbst von den Wassermassen eingeschlossen war, schwärmte in der BBC per Skypeschalte von der Solidarität in ihrer Gemeinde: "Es ist so ein bisschen ein 'Dünkirchen-Geist' hier im Dorf. Jeder hilft jedem, wo es nur geht, bei dem Regen oder bei Schnee, wir gucken aufeinander und sind füreinander da."
Stand: 04.01.2013 17:23 Uhr
