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Niederländische Bahn plant "Pinkel-Beutel"
Niederländische Bahn plant "Pinkel-Beutel"

Verkneifen - außer in Notfällen

Selbst die Verkehrsministerin dachte zunächst, es sei ein Scherz. Aber es ist keiner. In bestimmten Zügen der niederländischen Bahn soll es künftig keine Toiletten mehr geben. Die Lösung, die die Bahn stattdessen vorschlägt, ist allerdings so unbefriedigend, dass sich sogar das Parlament damit beschäftigen musste.

Von Birgit Schmeitzner, BR-Hörfunkkorrespondentin Brüssel

Für dringende Bedürfnisse soll es in den Sprinter-Zügen der niederländischen Bahn künftig Plastiktüten geben. Sie sind weiß, haben eine verstärkte Öffnung und sind mit einem Material gefüllt, das den Urin zu einer Gel-artigen Substanz bindet. "Damit nichts mehr herauslaufen kann", erläutert ein Bahn-Tüten-Experte. Anschließend lässt sich die Tüte versiegeln, zusammenrollen "und dann ab damit in den Müll". Eine Lösung, die die niederländische Bahn ausdrücklich für äußerste Notfälle vorsieht, beispielsweise wenn ein Zug steckenbleibt und die Wartezeiten sehr lang werden.

Busse und Trambahnen haben ja auch keine

Das Problem: In den neuen Sprintern gibt es keine Toiletten mehr. Begründet wird das damit, dass diese Züge nur im Nahverkehr eingesetzt werden und man für kurze Strecken keine sanitären Einrichtungen benötige. Busse und Trambahnen hätten sie ja auch nicht.

Audio: Niederländische Bahn WC-los im Nahverkehr

AudioBirgit Schmeitzner, BR-Hörfunkstudio Brüssel 07.10.2011 17:02 | 1'40
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Herzhaftes Lachen der Ministerin

Die Passagiere liefen dennoch Sturm, schließlich beschäftigte sich auch das Parlament mit der Angelegenheit. Die spontane Reaktion von Verkehrsministerin Melanie Schultz auf die Pinkel-Tüten war ein herzliches Lachen. Sie dachte erst einmal, das sei ein Scherz. Das Ei des Kolumbus sei es ja nun nicht, so Schultz. Und auch bei Gewerkschaftern und Passagieren kommt das ganze eher schlecht an. Da heißt es schon mal: "Das darf doch nicht wahr sein".

Wer sich mit der Tütenlösung nicht abfinden möchte, muss sich das Geschäft weiter verkneifen bis zur nächsten Haltestelle. Denn die nun politisch ausgehandelte Lösung ist langfristig angelegt: erst vom Jahr 2025 an müssen wieder alle Züge ein WC haben.

Stand: 07.10.2011 18:12 Uhr

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