Schlusslicht

Pech-Experiment

Tröpfchen für Tröpfchen... Bitte haben Sie etwas Geduld

Stand: 23.07.2013 06:53 Uhr

Man kennt das: Aus einem beobachteten Toaster springt kein Röstbrot, je öfter man den Briefkasten aufmacht, desto geringer ist die Chance, dass sich der erwartete Brief darin befindet. Mit solchen Phänomenen müssen sich offenbar auch Wissenschaftler abfinden - allerdings nicht immer.

Von Wulf Rohwedder, tagesschau.de

Wer das Ganze in Gang gebracht hat, das weiß keiner so ganz genau. Wahrscheinlich war es ein Mitarbeiter des Physik-Nobelpreisträgers Ernest Walton, der vor rund 70 Jahren am Trinity College in Dublin einen Glastrichter mit Pech füllte. Ziel des Experiments: die Viskosität des Materials nachzuweisen.

Bisher immer Pech gehabt

Tatsächlich floss das Pech - so ungefähr alle zehn Jahre löste sich ein Tropfen aus der Trichteröffnung. Nur: Immer, wenn das passierte, guckte gerade niemand hin. Das mag auch daran liegen, dass das Stativ mit dem Gerät lange Zeit ziemlich unbeachtet in einem Schrank verstaubte.

Doch auch gut observierter Teer lässt sich nicht gerne beim Tropfen zuschauen: Bei einem ähnlichen Experiment im australischen Queensland fiel die Dokumentation des großen Moments immer wieder Murphys Gesetz zum Opfer. Einmal tropfte es, als der wachhabende Wissenschaftler sich gerade einen Tee holte, eine später eigens installierte Webcam versagte ausgerechnet zum entscheidenden Zeitpunkt den Dienst.

Ein kleiner Tropfen - ein großer Schritt

Doch diesmal überließ Professor Shane Bergin vom Physikalischen Institut des Trinity Colleges nichts dem Zufall, berichtet der Sender RTE. Während im Nachbarland Hunderte Kameras auf eine Krankenhaustür gerichtet wurden, fokussierte er seine auf einen sich immer deutlicher ausbildenden Tropfen - und konnte schließlich dessen Fall wissenschaftsfest dokumentieren.

Nicht nur das: Die Physiker berechneten, dass das verwendete Pech rund zwei Millionen Mal zäher als Honig und 20 Milliarden Mal zäher als Wasser ist, berichtet das Fachmagazin "Nature".

Und wer wischt das nun auf?

Wer sich nun auf den nächsten Tropfen freut, muss sich etwas gedulden - dieser wird frühestens in sieben Jahren erwartet. Die Wissenschaftler können sich bis dahin ja spannenderen und schnelllebigeren Dingen widmen - zum Beispiel dem Wachsen von Gras oder dem Trocknen von Farbe.

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