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Schlusslicht
Besuch beim Frisör des US-Präsidenten
Zariff, die Schere und der Secret Service
Zariff hatte Glück, dass er in diesen Minuten vor 17 Jahren keinen Kunden hatte. Sonst würde er heute wohl nicht die Haare des Präsidenten schneiden. Natürlich im Weißen Haus - der Weg nach Chicago ist Obama dann doch zu weit. Die Schere lässt Zariff aber zu Hause. Die hat den Secret Service zu nervös gemacht.
Von Anna Engelke, ARD-Hörfunkstudio Washington
Zariff. Kein Nachname, einfach nur Zariff. So heißt der Frisör von Barack Obama. "Ich bin gerade erst mit dem Flieger gelandet", erzählt er einem Kunden in seinem Frisörladen in Chicago. Von woher er eingeflogen ist, erzählt Zariff dann uns: "Ich war in Washington D.C.. Ich fliege da regelmäßig hin. Damit die Haare unseres Präsidenten immer akkurat sitzen."
Auch um 21:30 Uhr ist Zariffs Laden noch geöffnet. Darin aufgereiht sind acht schwarze Frisierstühle - vier links, vier rechts. Die Lampen an der Decke sollen beleuchten, nicht schmeicheln, das wir schnell deutlich. Schließlich wollen die Kunden hier einen Haarschnitt, keine Kunst.
"Wenn Du einen guten Friseur findest, bleibst Du bei ihm"
So erging es auch Barack Obama, als er vor 17 Jahren zu Zariff in den Laden kam. "Ich wartete gerade auf einen Kunden und Obama fragte: 'Hast Du zu tun?' Ich sagte: 'Im Moment nicht' und seitdem schneide ich ihm die Haare", erzählt Zariff von damals.
Die beiden verbindet einiges: Sie sind um die 50 Jahre alt, schwarz und verheiratet. Mit ihrer inzwischen 17-jährigen Beziehung haben sie es weiter geschafft als so manche Ehe. "In unserer Kultur ist das so: Wenn Du einen guten Friseur findest, bleibst Du bei diesem Friseur."
Zariff, er darf dem Präsidenten die Haare schneiden
A. Engelke, NDR Washington
29.05.2012 14:55 Uhr
Schweigen ist Gold
Zariff hat seinen berühmten Kunden bereits geschätzt, als noch niemand etwas mit dem Namen Barack Obama anfangen konnte. Und natürlich voll des Lobes: "Er ist insgesamt einfach ein cooler Typ. Ich fühle mich wohl, wenn ich mit ihm spreche. Das war schon bei unserem ersten Treffen so."
Über die Inhalte ihrer Gespräche sagt Zariff kein Sterbenswort. Vielleicht auch das ein Grund, warum sich Obama bei ihm gut aufgehoben fühlt. Sonst würde er seinen Frisör nicht alle zehn bis 14 Tage von Chicago nach Washington einfliegen lassen. "Mit einem guten Haarschnitt fühlt sich jeder gut. Ich sehe zu, dass ich die Besuche möglich mache. Für mich ein großes Privileg. Es macht mich stolz."
Muskelpaket im Anzug
Für seinen Besuch im Weißen Haus hat Zariff sich an diesem Tag einen schicken schwarzen Anzug angezogen. Das berühmteste Haus der USA beeindruckt auch den Frisör aus Chicago. Der Barbier schwärmt: "Einfach an diesem Ort zu sein, ist sehr besonders. Viel besser als es im Fernsehen anzugucken."
Aus seiner Zeit als Kampfsportlehrer sind Zariff vor allem trainierte Muskeln geblieben. Seine athletische Statur ist selbst im Anzug gut zu erkennen. Auch wenn sich Obama und Zariff seit 17 Jahren kennen, die Schere in seiner starken Hand hat bei den Personenschützern des Präsidenten für eine gewisse Unruhe gesorgt: "Ich habe früher eine Schere benutzt. Aber immer, wenn ich sie in die Hand genommen habe, sind die Jungs vom Secret Service nervös geworden. Und das hat mich nervös gemacht. Seitdem benutzte ich keine mehr."
"Obama ist für acht Jahre angetreten"
Stattdessen kommt jetzt eine Haarschneidemaschine zum Einsatz. Die raspelt das inzwischen ergraute Haupthaar des Präsidenten wieder kurz. Obama wäre auch ohne den Job im Weißen Haus grau geworden, meint sein Frisör. Und auch wenn nicht alles rund läuft für den Präsidenten, von der Wiederwahl Obamas Anfang November ist Zariff fest überzeugt: "Er ist für acht Jahre angetreten." Was immer noch nicht lang ist. Verglichen mit den anderthalb Jahrzehnten, in denen nur Zariff an den wichtigsten Kopf der USA darf.
Stand: 29.05.2012 15:35 Uhr
