Schlusslicht

Tölpel Nigel steht neben Beton-Tölpeln | Bildquelle: dpa

"Einsamster Vogel der Welt" Ein Tölpel und seine steinharte Liebe

Stand: 06.02.2018 11:38 Uhr

Die kleine neuseeländische Insel Mana hat ihren berühmtesten Bewohner verloren: den Tölpel Nigel. Wie ein Seevogel zu solcher Bekanntheit kommt? Durch große Gefühle für eigentlich falsche Freunde.

Von Susann Burwitz, tagesschau.de

Er wurde gemocht, weil er die Leute zum Lächeln brachte. Er wurde bewundert, für seine unerschütterliche Treue. Er wird vermisst. Die kleine Insel Mana vor der neuseeländischen Küste hat ihren wohl beliebtesten Bewohner verloren.

Gut - genau genommen hatte die Insel bis vor Kurzem auch nur zwei Bewohner, die die Neuseeländer kannten: Zum einen Chris Bell, der auf der unter Naturschutz stehenden, gerade einmal rund drei Kilometer langen Insel als Ranger stationiert ist. Und dann eben Nigel. 2014 fand er auf Mana seine neue Heimat und hier fand er seine ganz große Liebe.

Viele neue Freunde - auf den ersten Blick

Und Nigel hätte sich damals kein besseres neues Zuhause aussuchen können, immerhin ist Mana ein Vogelschutzgebiet - und Nigel war ein Tölpel. Als der Seevogel vor ein paar Jahren das erste Mal auf Mana landete, schien er auch gleich von einer ganzen Horde anderer Tölpel willkommen geheißen zu werden.

Nur, dass Nigels neue Freunde - gleich 80 an der Zahl - kein weiches Federkleid trugen. Sie bestanden aus hartem Beton. Schulkinder hatten Attrappen bereits 1998 angefertigt - mit dem Ziel, echte Tölpel in das Reservat zu locken.

Tölpel Nigel | Bildquelle: dpa
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Ein neuer Anstrich der falschen Tölpel-Kolonie und das für die Art typische Krächzen aus Lautsprechern halfen, drei weitere Tölpel auf die Insel zu bringen.

Die Herzensdame eines Tölpels

Die Aktion war von wenig Erfolg gekrönt - bis dann endlich Nigel kam. Und blieb. Denn so ganz klar schien es dem armen Tölpel nie zu werden, dass seine neue Gemeinschaft eigentlich nicht ganz so passend, da nicht ganz so lebendig war. Ganz im Gegenteil: Nigel verschenkte sogar sein kleines Vogelherz an eine der Beton-Tölpeldamen.

Wie Ranger Bell berichtet, buhlte Nigel in langer Balz um deren Gunst - und hatte schließlich, vielleicht auch mangels Widerstand der Auserwählten, Erfolg. Also baute der glückliche Nigel sich und seiner neuen Angetrauten ein Nest. Doch die Welt konnte Nigels Glück nicht ganz verstehen, schließlich schien die Beziehung doch recht einseitig zu sein. So bekam der verliebte Seevogel einen etwas unglücklichen Beinamen: Nigel - "der einsamste Vogel der Welt".

Treu bis zum Schluss

Nicht, dass man Nigel nicht in Versuchung geführt hätte. Ein neuer Anstrich der falschen Tölpel-Kolonie und das für die Art typische Krächzen aus Lautsprechern halfen, drei weitere Tölpel auf die Insel zu bringen.

Doch Nigel zeigte "den Neuen" die kalte Schulter und blieb seiner Wahl-Gemeinschaft und vor allem seiner Auserwählten treu - bis zum Schluss. In der vergangenen Woche wurde Nigel tot in dem von ihm gebauten Nest entdeckt.

Wohl erst sein Tod macht deutlich, wie viele Fans Nigel hatte. Aus aller Welt wurden auf der Facebookseite der Mana-Insel Beileidsbekundungen hinterlassen. Sogar ein Gedicht wurde verfasst, um Nigel Tschüss zu sagen - dem einsamen Tölpel, der durch seine Geschichte am Ende gar nicht mehr so einsam war.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Nova am 06. Februar 2018 um 11:25 Uhr.

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