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Schlusslicht
Schlusslicht: Die Angst vor der 39
Aberglaube in Afghanistan

Die Angst vor der 39

Wer in Afghanistan mit der Zahl 39 in Verbindung steht, lebt gefährlich. Die Zahl gilt als Inbegriff des Bösen. Doch tapfere Studenten aus Kabul stellen sich dem Kampf. Sie möchten die 39 von ihrem Fluch befreien. Facebook soll ihnen dabei helfen.

Von Kai Küstner, ARD-Hörfunkstudio Neu-Delhi

Najib ist eigentlich Student in Kabul. Derzeit aber ist er mit den Gedanken woanders, bei der Zahl 39 nämlich. Najib hat es sich zur Aufgabe gemacht, diese Zahl zu entzaubern. Sie von dem bösen Fluch zu befreien, mit dem sie belegt zu sein scheint. "Wir haben unsere Kampagne auf Facebook gestartet, indem wir die 39 in unserem Profil untergebracht haben. Wir haben auch all unsere Freunde um Hilfe gebeten: Sie sollen Aufkleber mit der Zahl 39 darauf herzustellen und an ihre Autos und Häuser kleben und an ihrem Arbeitsplatz unterbringen. Ich habe das jedenfalls gemacht", erklärt der Student.

Audio: Die Angst vor der 39

AudioKai Küstner, ARD-Hörfunkstudio Neu-Delhi 10.02.2012 17:00 | 3'23
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Autos, Komitees, Fragebögen - alles tabu

Es ist wie verhext – oder vielmehr: Sie ist wie verhext. Keiner will derzeit in Afghanistan mit der Zahl 39 irgendetwas zu tun haben. Gebrauchtwagen, die diese Zahl im Kennzeichen haben, verkaufen sich, wenn überhaupt, höchstens noch zum halben Preis. Als neulich die sogenannte Loja Dschirga, die große Ratsversammlung in der Hauptstadt tagte, weigerten sich die höchsten Würdenträger des Landes, ein Komitee mit der Nummer 39 zuzulassen. "Irgendwie betrifft das mittlerweile jeden: An der Universität zum Beispiel sträuben sich Studenten dagegen, Fragebogen Nummer 39 entgegenzunehmen. Das ist totaler Humbug", sagt Najib dazu.

Die arme 39 hat ihr schlechtes Image - wenn die Geschichte denn stimmt - einem Zuhälter aus Herat zu verdanken: In dessen Haus -und Telefonnummer kam die 39 vor, obendrein auch noch in seinem Auto-Kennzeichen. So zumindest lautet die Mär, die sich schneller in ganz Afghanistan ausbreitete als die Taliban in den 90er-Jahren.

Dabei gibt es genügend andere Probleme

"Das ist jetzt ein Riesen-Thema geworden. Wir haben ohnehin schon mit tausenden von Problemen zu kämpfen, jetzt kommt noch dieses dazu. Unsere Nachbarn und die internationale Gemeinschaft machen sich schon lustig darüber, dass wir Afghanen so einfach gestrickt sind, eine Zahl so ernst zu nehmen," beklagt der Mathematiker Seddiq Afghan. Er hat sich dazu entschlossen, Student Najib bei seiner PR-Aktion für die 39 zu helfen.

Die Facebookseite der Gruppe "Let's Fight Against Wrong mentality About Number 39 In Afghanistan" Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Facebook soll helfen: Studenten gründeten eine Gruppe, die sich dem Fluch der 39 entgegenstellt. ]

Zunächst versuchen die beiden, im Internet die Rufmord-Kampagne gegen die Zahl zu entkräften. Und jedem, den er trifft, erzählt der Mathematiker nun Folgendes: "Im Heiligen Koran wird diese Zahl nicht weniger als 80 Mal erwähnt. Nach 39 Jahren und 39 Wochen ist der Prophet Muhammad der Bote Gottes geworden. Diese Zahl ist also eine sehr heilige."

Alles nur ein Trick?

Laut afghanischer Zeitrechnung befindet sich das Land gerade im Jahr 1390. Da ist es wieder: Das böse Zahlenpärchen 3 und 9. Und das für die nächsten zehn Jahre, rechnet der Mathematiker vor. Abschaffen könne man diese Jahre wohl eher nicht. Student Najib hält das sowieso alles für einen vom Geschäftssinn der Afghanen getriebenen Trick: "Das sind alles Gerüchte: Gestreut von denjenigen, die versuchen, die Preise für Wohnungen, Autos und andere Luxusartikel, in denen die 39 vorkommt, zu drücken."

Erste zarte Zeichen dafür, dass die Zahl ihr verheerendes Image eines Tages abschütteln könnte, gebe es. Das erklären stolz diejenigen, die hart an dem Entgiftungs-Programm für die Zahl arbeiten. An Häuserwänden, in Bäckereien, sogar in Moscheen würde die 39 jetzt hier und da wieder auftauchen. Es scheint also mittlerweile einige Mutige zu geben, die der 39 letztlich dazu verhelfen wollen, zu sein, was sie ist: eine Zahl nämlich. Nicht mehr und nicht weniger. 

Stand: 10.02.2012 15:50 Uhr

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