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29.05.2012

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Schlümpfe und Nazis
Schlusslicht: Blau ist das neue Braun
Faschismus unter Zwergen

Blau ist das neue Braun

Auf den ersten Blick sehen sie so niedlich und beschaulich aus: Die Schlümpfe des belgischen Zeichners Pierre Culliford alias Peyo: Die kleinen blauen Wichte leben friedlich in ihren Pilzhäuschen vor sich hin, wenn sie nicht gerade durch den bösen Zauberer Gargamel und seine Katze bedroht werden.

So dauerte es mehr als ein halbes Jahrhundert, bis es jemandem gelang, Schlumpfhausen die Maske abzureißen und seine wahre Natur zu offenbaren: "Die Gesellschaft der Schlümpfe ist der Archetyp einer totalitären Gesellschaft, die Züge des Stalinismus und Nazismus trägt", heißt es in dem Buch "Le Petit Livre Bleu" ("Das kleine blaue Buch") des französischen Politologen Antoine Buéno.

Und der Trommelschlumpf geht voran

Eine abseitige Idee? Vielleicht nicht unbedingt: Immerhin gibt es ja noch andere faschistische Männerbünde, die auf eine einheitliche Hautfarbe setzen und sich weiße Mützen überziehen. Papa Schlumpf? Der Inbegriff des totalitären Herrschers - und dann noch mit so einem Diktator/Marx/Bin-Laden-Bart. Der Zauberer Gargamel? Ein Symbol für das internationale Judentum. Schlumpfinchen? Blond und blauhäutiger geht es ja wohl kaum noch, meint Buéno. Und von den in irgendeiner Episode mal vorgekommenen schwarzen Unterschlümpfen brauchen wir gar nicht erst zu reden.

Hart wie blauer Kruppstahl

Es ist nicht das erste Mal, dass sich die Zwerge schlimmen Vorwürfen ausgesetzt sehen. So wurden ihnen neben Faschismus bereits Homosexualität, Chauvinismus und kommunistische Verschwörungsbestrebungen unterstellt - und nichts, von der einsetzenden Pubertät ihrer Fans einmal abgesehen - konnte sie bisher aus Setzkästen, Sammlerbörsen und Kinderzimmern vertreiben. Selbst in jedem siebten Ei eines antikapitalistischer und totalitärer Tendenzen total unverdächtigen Süßwarenunternehmens sind sie schon gesehen worden.

An die Arbeit, Buéno!

Vielleicht war Buéno bei seinen Recherchen ein wenig zu sehr den psychoaktiven Stoffen in den Pilzen ausgesetzt, unter denen die Faschognome vermutet werden. Immerhin ist es ihm gelungen, einen Diskussionsanstoß zu liefern und ein ganz neues Forschungsfeld aufgetan: Da wären zum Beispiel die Zementierung patriarchalischer Denkstrukturen bei den Mainzelmännchen zu untersuchen - oder die unterschwellige Homoerotik bei Asterix und Obelix, bei denen es wahre und dauerhafte Liebe offenbar nur unter Männern und zu Wildschweinen gibt. Und dann ist da noch der offenkundige Sexismus in Entenhausen, wo jeder, wenn überhaupt, nur obenrum bekleidet ist.

Stand: 13.05.2011 17:06 Uhr

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