Schlusslicht

Neil Armstrong und Edwin Aldrin auf dem Mond

Zuschauer erinnern sich an die Mondlandung "Gänsehaut wie bei den Beatles"

Stand: 21.07.2009 13:30 Uhr

Die Mondlandung vor 40 Jahren war nicht nur ein historischer Moment, sondern auch ein TV-Ereignis. Viele tagesschau.de-Nutzer folgten dem Aufruf der Redaktion und schrieben uns, wie sie die Nacht vom 20. auf dem 21. Juli 1969 erlebten - die meisten vor dem Fernseher. NVA-Soldaten in der DDR ignorierten Verbote, Kinder wurden aus den Betten geholt und manche ärgern sich bis heute über ein paar Stunden Schlaf.

Erinnerung an die Mondlandung 1969

"Verschwommene Gestalten huschten über das Schwarz-Weiß-Bild, zogen Nebelschlieren, alle im Raum waren extrem aufgeregt und man erzählte mir, vor dem Fernseher stehend, dass dies jetzt gerade auf dem Mond passieren würde. Ich konnte es damals fast nicht glauben, da der Mond doch immer als kleine Scheibe so weit weg war. Besonders das 'jetzt gerade' war mir damals noch weniger begreiflich, als die eigentliche Landung auf dem Mond. Liveübertragungen sind für heutige Kinder so selbstverständlich wie der Kakao zum Frühstück. Die Mondlandung war aber damals das erste derartige Fernsehereignis!"

Robert Dietz, Berg bei Ravensburg

Astronauten-Mecki vom Friseur

"Als Armstrong seinen Fuß auf den Mond setzte, habe ich eine Gänsehaut bekommen, wie ich es vorher nur vom Hören unserer Stones- und Beatles-Schallplatten kannte. Die ganze Familie ist dann regelrecht ausgeflippt, wir sind alle aufgesprungen, haben geklatscht, frenetisch gejohlt und sind herumgesprungen - und ich hatte das Gefühl, etwas ganz Besonderes war geschehen. Am nächsten Tag war ich beim Friseur, habe mir einen 'Astronauten-Mecki' verpassen lassen und wollte natürlich Astronaut werden."

Ralph Drews

ARD-Studio zur Apollo-11-Mission
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Bis heute erinnern sich Zuschauer genau an die Fernsehbilder der Apollo-11-Mission und die Kommentare aus dem ARD-Studio.

Wer 1969 noch ein Kind war, erlebte die Nacht vor dem Fernseher meist als Privileg. In ihren Zuschriften berichten tagesschau.de-Nutzer davon, dass manche zum ersten Mal so lange aufbleiben durften, wie sie wollten. Für einige erfüllte sich ein lang ersehnter Wunsch.

Erst Geburtstagskerzen, dann fernsehen

"Ich bin am 21. Juli 1964 geboren - also auf den Tag genau fünf Jahre vor der ersten Mondlandung. Um bei der ersten Mondlandung 'live dabei' sein zu können, haben mich meine Eltern auf meinen Wunsch hin - an meinem 5. Geburtstag! - mitten in der Nacht geweckt. Als erstes wurden die Geburtstagskerzen angezündet und dann haben wir gemeinsam der Fernsehübertragung zugesehen."

Dirk Susat, Flensburg

Viel unspektakulärer als die Enterprise

"Meine Großeltern hatten eines der ersten Farbfernsehgeräte, die es damals gab. Ich wuchs also auf mit Testsendungen sowie Daktari und Raumschiff Enterprise. Als die Astronauten damals auf dem Mond landeten, saß die ganze Famile vor dem Fernseher und starrte auf das verrauschte Schwarz-Weiß-Bild vom Mond. Ich konnte die ganze Aufregung nicht so recht verstehen, immerhin flogen Menschen durch das All und erforschten Systeme, die nie zuvor ein Mensch betreten hatte (laut Aufsager von Enterprise). Nun fliegen die Amerikaner zum Mond, und das alles verrauscht und in Schwarz-Weiß. Nun kam der Zeitpunkt der Wahrheit: Meine Eltern erklärten jetzt den Unterschied zwischen Enterprise und der 'echten' Mondlandung."

Lutz Reber, Berlin

Neil Armstrong setzte seinen Fuß zur besten US-Sendezeit auf den Mond. In Amerika war es der Abend des 20. Juli 1969, in Europa allerdings war bereits der 21. Juli angebrochen. Um 3.56 Uhr deutscher Zeit sprach Armstrong seine berühmten Worte.

Eltern holten ihre Kinder trotz der nächtlichen Stunde aus den Betten, um die ersten Schritte der Astronauten zu sehen. Doch nicht alle wurden aus dem Schlaf gerissen. Manche ärgern sich bis heute über das verpasste Erlebnis.

Ausstiegszeit einfach vorverlegt

"Ich bin 1959 geboren und wurde zweimal vom Fernsehen schwer enttäuscht: Das erste Mal war als 10-Jähriger 1969, als ich zwar noch die Mondlandung live am Fernseher miterleben durfte, dann aber ins Bett musste, weil es hieß: Aussteigen werden sie erst am nächsten Tag. Dann ließ aber das amerikanische Fernsehen die Ausstiegszeit ein paar Stunden vorverlegen, um sie zur Hauptsendezeit übertragen zu können. Als ich morgens aufwachte, war dann alles schon vorbei."

Ulrich Wintrich, München

Auf dem Sofa eingeschlafen

"Ich habe mich im damaligen Alter von 18 Jahren vor dem Fernsehgerät für die lange Nacht auf dem Sofa eingerichtet. Als ich wieder aufgewacht bin, waren Nacht und Landung längst vorbei!"

Eberhard Kleyersburg, Fellbach

Beschäftigte verfolgen die Mondlandung
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Die Sonderberichte über die Apollo-11-Mission wurden in manchen Betrieben in eigens angeschafften Fernsehern gezeigt.

Die Erinnerung an den Augenblick festzuhalten, in dem die ersten Menschen den Mond betraten, war vielen ein Anliegen. Nicht nur in den Archiven der US-Weltraumbehörde NASA und der Rundfunkanstalten finden sich Dokumente vom Juli 1969. Auch tagesschau.de-Nutzer fanden Wege, um die Eindrücke des historischen Moments für die Nachwelt zu bewahren. Einige berichten von ihren 40 Jahre alten Schätzen.

Ein Foto fast wie immer

"Ich hatte damals eine kleine Wohnung in Düsseldorf. Der Balkon im fünften Stock schuf mir die Möglichkeit, den Mond zur Zeit der Landung genau zu sehen. Vor meinem Fenster hatte ich meine Kamera aufgebaut. Genau zur Mondlandung drückte ich auf den Auslöser. Das war mir die Sache wert. Das entwickelte Bild zeigte natürlich nur den Mond wie immer. Aber als Erinnerung habe ich es lange behalten."

Gunter Tschauder, Großrosseln-Emmersweiler

Radio-Übertragung wie ein Krimi

"Ich habe die Landung als Direktübertragung im WDR-Radio verfolgt - mit allen technischen Schwierigkeiten der damaligen Übertragungstechnik - und auf Tonband aufgenommen. Ich weiß noch, dass mir mein damals zweineinhalbjähriger Sohn zwischen den Füßen herumlief, als ich die Aufnahme, die noch heute vorhanden ist, auf dem großen Bandgerät aussteuerte. Die Übertragung war spannend wie ein Krimi."

Helmut Berghaus, Krefeld

Armstrong und Aldrin auf dem Mond
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Die Astronauten hissten die US-Flagge auf dem Mond - für einige in den Staaten des Warschauer Pakts ein Symbol der Niederlage gegen den Klassenfeind.

Auch in der damaligen DDR verfolgten viele fasziniert die Mondlandung. Zwar war es ein Prestige-Erfolg für den erklärten Gegner im Klassenkampf. In einigen Zuschriften schreiben die Nutzer von tagesschau.de aber, damals habe das Gefühl dominiert, dass es eine Leistung der gesamten Menschheit sei. Einige fühlten sich demnach an diesem Tag zum ersten Mal quasi als "Terraner". Andere hatten dagegen das Gefühl einer Niederlage.

Heimliches Radiohören bei der NVA

"Am 21. Juli 1969 hatte ich Wachdienst bei der NVA (Löbau) zu leisten. Zum Zeitpunkt des Aufsetzens der Mondlandeeinheit hatten wir die Ruhephase im Wachlokal. Ein Kamerad hatte ein winziges Radio (war damals beim Wachdienst strengstens verboten) und so hörten wir eng liegend die Worte: 'Houston, Tranquility Base here. The Eagle has landed!' Schwer zu verstehen - stark zu ahnen."

Günter Vogel, Wiesbaden

DDR konnte Mondlandung nicht verschweigen

"Ich war damals gerade 16 Jahre alt und lebte in der DDR. Dennoch konnte dieses Ereignis nicht verschwiegen werden. Für mich war es ein Wettlauf zwischen den Russen und den Amerikanern. Diesen Wettlauf hatten die Amerikaner gewonnen."

Lothar Wölki, Neubrandenburg

Edwin Aldrin auf der Mondoberfläche.
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Edwin Aldrin und Neil Armstrong avancierten zu Stars, deren Poster auch viele Kinderzimmer zierten.

Armstrong - Star auf Kinderpostern

"Ich war fast zwölf, Raumfahrt faszinierte mich schon länger. In meinem Kinderzimmer hingen keine Poster von Rockstars, sondern Bilder der Astronauten des Apollo-Programms, Borman, Lovell, Anders, Schirra und natürlich von Armstrong, Aldrin und Collins. Ich kannte jede Stufe der Saturn 5 und den Ablauf jeder Mission. Der Schock sitzt mir heute noch in den Gliedern, als meine Eltern mir während der Sommerferien einen Aufenthalt im Kinderdorf Wegscheide spendierten. Damit, glaubte ich, war jede Chance verloren, dieses Ereignis im Fernsehen zu verfolgen. Ab 22 Uhr herrschte dort Nachtruhe, kein Zugang zu Nachrichten. Aber es kam anders. Pädagogen und Eltern haben Fernsehgeräte organisiert und alle durften in der Nacht vom 20. zum 21. Juli 1969 das Ereignis live verfolgen."

Michael H. Nies, Leipzig

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