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Schlusslicht

Schlusslicht

Erforschung der Midlife-Crisis

Auch Affen kriegen den Blues

Von wegen moderne Modekrankheit, die Melancholie zur Lebensmitte liegt uns offenbar in den Genen. Glaubt man britischen Forschern, haben auch Affen eine Midlife-Crisis. Die Wissenschaftler stützen sich bei ihren Erhebungen auf die Beobachtungen von Zoopersonal.

Von Barbara Wesel, RBB-Hörfunkstudio London

Eine britische Sonntagszeitung diskutierte in der vorigen Woche ernsthaft auf zwei Seiten, ob Frauen über 40 noch Lederhosen tragen sollten. Die sind im Moment nämlich wieder total in - am Ende waren die Kollegen dafür, weil ja 40 das neue 30 ist und so. Aber die jugendlichste Mode täuscht natürlich nicht darüber hinweg: Jahr um Jahr wird man ein bisschen älter, und traditionell ist das die Zeit für eine Midlife Crisis, also das Stimmungstief zwischen 40 und 60, das sich bei Männern meist besonders dramatisch bemerkbar macht.

Schlechte Laune biologisch vorprogrammiert?

Das sind die Jahre, in denen zwei Jahrzehnte jüngere Zweitfrauen auf den Plan treten, Cabrios gekauft werden oder schlimmstenfalls Motorräder und die Papas mit den Teenager Söhnen zu Heavy Metal Konzerten gehen. Unendlich peinlich das! Frauen in dem Alter mit Kindern und Job sind offenbar meist zu beschäftigt, um sich der Sinnkrise in der Lebensmitte allzu sehr hinzugeben -  nur die Sache mit den Lederhosen kann als Symptom gelten.

Die große Entlastung für alle semi-depressiven, lustlos abhängenden, übel drauf seienden Väter und Gatten in mittleren Jahren kommt allerdings jetzt von der Wissenschaft: Sie können nichts dafür, die Midlife Crisis ist biologisch in uns angelegt - denn Affen, die unsere nächsten Verwandten sind, haben sie auch, wie Dr. Alex Weiss von der Uni Edinburgh erklärt: "Wir sehen wohl, dass es etwas gibt wie die Krise in der Lebensmitte bei allen drei verwandten Arten: Menschen, Schimpansen und Orang Utans. Es könnte also eine biologische Erklärung dafür geben." Das bedeute nun aber nicht, dass soziale Gründe keine Rolle spielten, "aber es scheint eine weitere Ebene von Gründen zu geben."

Auch glückliche Affen leben länger

Demnach rollt eine Art biologisches Programm in uns ab: In der Jugend sind wir unbelastet, gut gelaunt und stark, dann kommen Jahre der Sorgen und des Trübsinns, und gegen Ende hellt sich die Stimmung wieder auf, nach der Devise: War ja doch ganz schön. U-Turn nennen Psychologen dieses Phänomen, und die Forscher haben es jetzt durch die systematische Befragung von Zoopersonal eben auch bei den Primaten festgestellt, wie Weiss erklärt: "Über Jahre kennen sie die Tiere und beobachten den Gesichtsausdruck, die Haltung, ob sie schnell ängstlich oder aufgeregt sind, ob sie viel Trost und Zuwendung brauchen."

Die depressive Phase ist dann bei älteren Affen wieder vorbei. Sie sind zufrieden und gut gelaunt wie die Jungen. Wobei die Wissenschaftler eine weitere Ähnlichkeit gefunden haben: Glückliche Primaten werden älter als solche, die ein stresserfülltes Leben hatten.

Auch Primaten haben Midlife-Crisis
B. Wesel, RBB London
21.11.2012 15:57 Uhr

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Was zeigt uns höher entwickelten Primaten das: Lebensmitte-Krise geschüttelte Männer können nichts dafür, der Ehestreit, zickige Kinder, die Hypotheken fürs Einfamilienheim und der unerträgliche Chef sind nicht der Grund. Die Natur selbst verpasst uns in der Mitte des Lebens eine Talsohle. Man muss die Betroffenen einfach nachsichtig und freundlich behandeln und über Rockerallüren und Motorradtouren hinwegsehen - dann wird ab 60 alles wieder gut.

Dieser Beitrag lief am 21. November 2012 um 08:50 Uhr auf WDR 5.

Stand: 22.11.2012 04:23 Uhr

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