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Manchmal, das wissen wir spätestens seit Loriot, möchten Männer einfach nur da sitzen. Und schweigen. Sie möchten dann nicht reden über ihren aufregenden Alltag im Büro, sie möchten nichts hören von den Kindern und wollen auch ganz bestimmt nicht die noch zu erledigenden Dinge für die nächsten Tage durchgehen. Vielmehr möchten sie stumm in die Gegend schauen und an nichts denken. Das unterscheidet sie von Frauen, die ganz genau wissen wollen, wie der Mann die Stürme des Alltags bestanden hat, unglaublich viel von Nachwuchs und Nachbar zu berichten haben und außerdem allerlei erledigen wollen.
Das kennen Sie auch? Sie irren. Sie kennen es eben nicht. Das hat nun die Wissenschaft festgestellt. Forscher der Universitäten von Texas und Arizona haben in einer breiten Studie das Redeverhalten von Frauen und Männern untersucht und ermittelt: Das Stereotyp vom schweigsamen Herrn und der plappernden Dame ist dummes Geschwätz.
Tatsächlich trennen beide Geschlechter gerade mal 546 Wörter am Tag. Das sind in der Woche zwar 3822 Wörter und in noch größeren Zeiträumen also durchaus Anlass für Verdruss. Auf den einzelnen Tag berechnet aber ist der statistische Unterschied zugegeben lächerlich.
Mit Hilfe von Mikrophonen beobachteten die Wissenschaftler 396 Studenten über einen Zeitraum von zwei bis zehn Tagen. Ergebnis: Frauen kommen auf 16.215 Wörter, Männer auf 15.669 pro Tag.
Für ihre Studie, die in der neuen Ausgabe der Zeitschrift "Science" vorgestellt wird, hatten die Wissenschaftler ein kleines Gerät entwickelt, das sich alle 12,5 Minuten einschaltete und die gesprochenen Worte seines Trägers für 30 Sekunden aufnahm, ohne dass sich dieser des Prozesses bewusst war oder ihn beeinflussen konnte. Am Ende wurde die Wortzahl pro Teilnehmer auf den Tag hochgerechnet.
Immerhin räumen die Wissenschaftler ein, dass es durchaus Unterschiede gebe. Die hingen aber mit der Persönlichkeit der Individuen zusammen, nicht mit dem Geschlecht. So sei der schwafelndste Proband ein Mann gewesen, der auf mehr als 45.000 Wörter kam. Ein anderer Mann sei dagegen nur auf 500 gekommen. Ob es sich dabei um Zwillingsbrüder handelte, verrieten die Wissenschaftler nicht.
Bislang galt einer amerikanischen Neuropsychiaterin zufolge die Marge: Frauen 20.000 Wörter, Männer 7000. Wie die Dame aber zu ihrer Erkenntnis gekommen ist, hat sie allerdings nie verraten, was der Popularität ihrer These keinen Abbruch tat.
Eine Hoffnung bleibt den Freunden und Förderern des Vorurteils noch. Immerhin wurden ja nur Studenten untersucht - eine Bevölkerungsgruppe, die ja für ihren lotterhaften Lebenswandel bekannt ist, der viel Zeit für Wortschwälle lässt. So darf man spekulieren: Was wäre herausgekommen, wenn man etwa Männer untersucht hätte, die in Stahlpresswerken oder auf dem Rollfeld arbeiten?
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