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Seltene Offenheit im britischen Königshaus: Zwei Monate lang können Besucher durch die Arbeits- und Repräsentationsräume von Queen Elizabeth II. im Buckingham Palast schreiten - und erstmals einen Blick in Kleiderschrank und Schmuckschatulle der Königin werfen.
Von Silke Engel, RBB-Hörfunkkorrespondentin London
[Bildunterschrift: Modexpertin de Guitaut: "Die Queen kann alle Farben tragen" ]
Während Königin Elizabeth II. und ihr Gemahl, Prinz Philipp, den Sommer in Schottland genießen, dürfen in London ab heute wieder Zehntausende den Amtssitz der Queen besichtigen; durch die Staatsgemächer schreiten und erstmals in diesem Jahr 80 königliche Kleider ganz aus der Nähe betrachten. Die eng anliegenden Modelle glitzern, ihre raffinierten Farben kommen durch kunstvoll gesetztes Licht zur Geltung.
"Mit diesen Kleidern hat die Queen überall in der Welt Eindruck hinterlassen", sagt Caroline de Guitaut. Als Modeexpertin der Königlichen Sammlungen hat sie diese Sonderausstellung vorbereitet. Bei so viel Eleganz fällt es ihr nicht leicht, das persönliche Lieblingskleid auszumachen. "Das ist schwer bei all den wunderschönen Kleidern. Aber wenn ich mich entscheiden muss, würde ich ein Modell des Designers Norman Hartnell wählen", meint de Guitaut. Der Designer treffe den Stil und die "königliche Eleganz" am besten. "Mein Lieblingskleid ist ein goldenes, mit viel Spitze, das sie bei ihrer ersten Commonwealth-Tour im Jahr 1953 in Neuseeland getragen hat. Es sieht sehr elegant aus und feminin - wunderschön."
Der Rundgang durch den Kleiderschrank der Queen gleicht einer Exkursion in die jüngere Geschichte. Ihre Kleider sind stets farblich auf die jeweiligen Staatsbesuche abgestimmt. So trug die Queen ein leuchtendes Grün, als sie in den 60er Jahren nach Addis Abeba reiste - und spielte damit auf eine der drei äthiopischen Nationalfarben an. Modetrends der verschiedenen Epochen hingegen lassen sich an der königlichen Garderobe nur schwer ablesen, sagt Kuratorin de Guitaut.
[Bildunterschrift: "Die königliche Eleganz getroffen": Ein Kleid des Designers Norman Hartnell ]
Die meisten Kleider sind von klassischer Eleganz - eben so wie es für Auftritte einer Königin angemessen ist. "Die Ausstellung zeigt, dass die Queen alle Farben tragen kann", meint die Modeexpertin. "Und dass ihre Kleider ein Hingucker sind, damit sie sich abhebt bei offiziellen Anlässen, wenn sie von Hunderten und manchmal sogar Tausenden umgeben ist." Modetrends sehe man aber allenfalls in Nuancen. "Zum Beispiel das schwarze Samtkleid, das deutlich an Christian Dior erinnert oder manche Modelle spiegeln Einflüsse aus den 50er und 70er Jahren wider. Aber im Großen und Ganzen sind die königlichen Roben eher von zeitloser Qualität."
Normalerweise hängen alle Kleider in einem großen Schrank im Buckingham Palast. Denn zumindest die jüngeren Modelle, die in der Taille nicht mehr ganz so eng geschnitten sind, werden von der Queen durchaus noch getragen. Auch manch seltenes Schmuckstück ist in drei Glasvitrinen zu besichtigen. Die Touristen, die sich schon einen Tag vor der Ausstellungseröffnung am Buckingham Palast versammelt hatten, können es gar nicht erwarten, reinzugehen: "Mich interessiert vor allem der Schmuck", meint eine Belgierin. "Denn für normale Leute wie mich ist so etwas unerreichbar. Auch wenn ich mein Leben lang arbeite, kann ich mir keine Diamanten leisten. Aber wenn man das mal gesehen hat, rückt es auch etwas näher."
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