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Der Begriff "Fräulein" wird hierzulande fast nur noch im Umgang mit garstigen Kleinkindern verwandt. In Frankreich hat sich die Bezeichnung dagegen in vielen Lebensbereichen gehalten, Emanzipation hin oder her. Doch nun nimmt die Zahl der Frauen zu, die meinen, es müsse endlich Schluss mit "Fräulein" sein.
Von Evi Seibert, SWR-Hörfunkstudio Paris
Egal ob Mietvertrag, Handy-Abo oder Bankformular: In Frankreich gibt es vor dem Namen immer drei Kästchen: Herr, Frau oder Fräulein. Wer nicht verheiratet ist, muss Fräulein ankreuzen. Auch wenn die betreffende Frau Mitte 40 ist und drei Kinder hat.
Das ist seit jeher Tradition - und soll jetzt ein Ende haben. Die Anti-Mademoiselle-Kampagne fordert, alle erwachsenen Frauen, wie in Deutschland schon seit den 70er-Jahren üblich, mit Frau, also mit Madame anzusprechen.
Julie Muret steht an der Spitze der Bewegung. "Mademoiselle geht im Französischen auch auf das Wort 'dämlich' zurück. Und wenn man das weiß, möchte man eigentlich auch nicht so angesprochen werden."
[Bildunterschrift: Bitte ankreuzen: Manche Fragebögen wollen es noch heute sehr genau wissen. ]
Im übrigen, so Muret, gehe es keinen was an, ob die Frau verheiratet oder ledig ist. "Bei Männern fordert man diese Auskunft auch nicht, das ist diskriminierend und sexistisch. Wir wollen einfach nur Madame heißen, so wie Männer nur Monsieur heißen."
Deswegen verschicken sie nun Protestbriefe ans Parlament und an die Regierung und fordern, dass das Wort Mademoiselle aus allen offiziellen Formularen gestrichen wird.
Und was denken die Französinnen, wie wollen sie denn angesprochen werden? Bei der Straßenumfrage wünschen sich die Damen, quer durch alle Altersgruppen, mal "Madame", mal "Mademoiselle".
Offensichtlich gibt es dazu keine einhellige Meinung. Das hat aber auch viel mit der französischen Gesellschaft zu tun. Mademoiselle gilt eben auch als Kompliment, gerade wenn die Betreffende nicht mehr 15 ist.
Gestandene Frauen wie die Sängerin Vanessa Paradis lassen sich in der Öffentlichkeit gern mit Mademoiselle ansprechen. Obwohl Frau Paradis immerhin schon seit Jahren mit Hollywoodstar Johnny Depp liiert ist und mit ihm eine Familie mit mehreren Kindern gegründet hat.
Eine französische Tradition, nicht erst seit der berühmtesten Mademoiselle Frankreichs. Coco Chanel ließ sich nämlich bis ins hohe Alter mit Fräulein anreden. Französische Schaupielerinnen gründeten sogar noch vor der Revolution die Sitte, ein "Mademoiselle" vor ihren Künstlernamen zu stellen.
Damit machten sie sich über die Kirche lustig. Die war nämlich der Ansicht, Frauen hätten auf Bühnen nichts zu suchen und exkommunizierte sie. Damit fiel natürlich auch der Gang vor den Traualtar für die betreffenden Damen flach - auf ewig Mademoiselle. Statt mit ihrem Schicksal zu hadern, nannten sie sich gleich selbst Mademoiselle und setzten damit ein Zeichen der Stärke.
Mittlerweile bröckelt die Mademoiselle-Front aber tatsächlich bei den Französinnen. Die modernen Frauen, die auch beruflich international unterwegs sind, finden die Fräulein-Sitte zuhause langsam etwas altmodisch. In ihrem Alter klinge das nun doch etwas komisch, meint eine Frau, schließlich sei sie doch erwachsen. Und eine andere Frau stellt fest: "Mademoiselle - das hört sich für mich an wie alte Jungfer."
Zumindest die Behörden haben diesen Trend schon vor einigen Jahren erkannt und auf den amtlichen Formularen das Mademoiselle gestrichen. Da sind die Franzosen jetzt allerdings vollkommen geschlechtslos - gefragt wird nur noch nach Vor und Nachnamen. Was dazu führt, dass Frauen mit ungewöhnlichen Vornamen schon mal mit "Monsieur" angeschrieben werden ...
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