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Schlusslicht

Schlusslicht vom 8.1.2013

Deutschlands innere Sicherheit

Ein Feuerchen geht auf Reisen

Es muss lauschig sein, wenn die Innenminister zusammenkommen. Die Chefs haben immer viel zu bereden. Meist bestimmen kontroverse Themen ihre Agenda. Damit die ministeriellen Gedanken möglichst frei fließen können und es möglichst wenig Streit gibt, wird stets für eine entspannende Atmosphäre gesorgt. Und die kommt auf Rollen daher.

Kamingespräche sind dazu da, in kleiner Runde heikle Themen in Ruhe zu besprechen. Dabei sollte eine möglichst vertraute Stimmung herrschen. Wer mehr darüber wissen will, könnte sich bei Deutschlands Innenministern erkundigen. Die sind nämlich Experten auf dem Gebiet. Wenn die Chefs über die innere Sicherheit sinnieren, haben sie stets die passende Stimmung im Gepäck.

Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann, der jetzt turnusgemäß den Vorsitz der Innenministerkonferenz (IMK) übernimmt, erläutert: "Die vertrauensvollen Gespräche in interner Runde bilden eine wichtige Grundlage für die erfolgreiche Arbeit ... Der Kamin steht hierfür als Symbol." Der Sprecher der IMK in Mecklenburg-Vorpommern, Jens Minzlaff, sagte der Nachrichtenagentur dapd, eine Innenministerkonferenz ohne Kamingespräch sei nur schwer vorstellbar. "Wenn die Behaglichkeit nicht da ist, können Sie das Ergebnis vergessen."

Feuer am höchsten Ort Deutschlands

Nun haben die Architekten leider nicht in jedem Konferenzraum der Republik einen Kamin eingeplant. Das bedeutet allerdings nicht, dass nicht für die Wohlfühl-Atmosphäre der Innenminister gesorgt ist. Die Lösung ist dekorativ, misst gut 1,80 Meter, bewegt sich auf Rollen und verbraucht viel Strom: ein mobiler Kamin, ein Feuerchen auf Reisen. Es fährt im Auto durch die gesamte Republik - und das seit Jahren. Denn jedes Jahr übernimmt ein anderes Bundesland den Vorsitz der Konferenz. In der Regel kommen die Minister zweimal jährlich zusammen, um Richtungsentscheidungen zur Innenpolitik zu treffen. 2006 schaffte es der Kamin sogar an den höchsten Ort Deutschlands - damals trafen sich die Innenminister auf der Zugspitze. Steinkohle und der Abzug sind nur Dekoration, die Flammen Attrappe. Man betätigt einen versteckten schwarzen Schalter und im Nu verströmt das Gerät eine wohltuende Wärme.

Wann und wo der reisende Kamin zum Bestandteil der Innenministerkonferenz wurde, ist unklar. Minzlaff hat sich bei seinen Kollegen in den anderen Bundesländern umgehört - aber keine Antwort gefunden. Ein Ministeriumsmitarbeiter aus Nordrhein-Westfalen will den Kamin schon im Jahr 1991 gesehen haben.

Stand: 08.01.2013 12:04 Uhr

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