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Die Japaner sind für ihre Contenance bekannt. Komme was wolle, ihre Gefühle halten sie unter Kontrolle, heißt es zumindest. Dennoch stauen sich auch bei ihnen Aggressionen und Stress an. Dafür gibt es jetzt ein neues Ventil - das Tellerwerfen. Und obendrein ist diese Methode auch noch umweltfreundlich.
Von Peter Kujath, ARD-Hörfunkstudio Tokio
Die Japaner gelten gemeinhin als stoisch und beherrscht. Das ist auch gut so, wenn man sich vergegenwärtigt, dass im Großraum Tokio über 30 Millionen Menschen dicht gedrängt zusammenleben. Aber irgendwo müssen auch die Japaner ihre Aggression abladen.
Da gibt es zum einen die Spielhallen, die zur Ablenkung Automaten bieten, auf denen man nach einem entsprechenden Rhythmus trommeln muss oder als Superagent mit einer Pistole in der Hand die Welt retten darf.
Es gibt aber auch eine viel handgreiflichere Methode - wie das Tellerwerfen. Man muss auf eine besondere Weise Luft aus dem Bauch heraus holen. Dann erfüllen die stresslösenden Wellen den ganzen Körper.
Katsuya Hara ist 28 Jahre alt, hat ein Psychologie-Studium hinter sich und eine Ausbildung als Masseur. Derzeit fährt er jedoch mit seinem Kleinlaster durch Japan, in dessen Laderaum jeder, der will, Teller und Tassen gegen ein paar Betonplatten werfen kann - wenn er vorher für das Geschirr bezahlt.
[Bildunterschrift: Das japanische Teller-Massaker ist zum Glück auch aus Recycling-Gesichtspunken unbedenklich - die Scherben gehen wieder zurück an die Manufaktur. ]"Ich habe diese Ware von einer Manufaktur in der Gifu-Präfektur billig abkaufen können, weil es sich um Zweite-Wahl-Porzellan und -Keramik handelt. Ich liefere die zerbrochenen Scherben wieder an die Manufaktur als Rohstoff für die nächste Produktion. So ist das Ganze auch noch umweltfreundlich, weil alles zu hundert Prozent recycelt wird", erzählt Hara.
Vor einigen Jahren wurde Hara in Spanien auf die Zerstörungstherapie aufmerksam und dachte sich, dass das in abgewandelter Form, genau das richtige für die Japaner wäre. Und so fährt er am Wochenende mit seinem Kleinlaster durchs Land oder steht abends in den verschiedenen Stadtteilen Tokios.
"Wenn die Japaner nüchtern sind, dann ist es schwer, an sie heranzukommen beziehungsweise dass sie aus sich herausgehen. Aber wenn sie ein wenig Alkohol getrunken haben, dann machen sie das hier gerne." Die Japaner, so Hara, würden dabei schimpfen: Über die Familie, die Firma oder den ungerechten Chef. Sie könnten so richtig Dampf ablassen.
Wer will kann Katsuya Hara auch seine Geschichte erzählen. Dieser gibt dann Tipps oder die richtige Adresse, an wen man sich wenden solle. Nebenbei betreibt Hara noch eine kleine Massage-Praxis in Tokio oder besucht seine Patienten zu Hause. Aber seine Leidenschaft gilt der Zerstörungstherapie. Er sei schon ein wenig stolz, sagt er, dass es so einen extra eingerichteten Wagen nur einmal auf der Welt gibt. "Ein System des Aggressionsabbaus mit anschließendem Recycling betreut von einem Fachmann".
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