Schlusslicht

 | Bildquelle: dpa

Weißer Elch Gnade für Ferdinand

Stand: 15.11.2017 12:25 Uhr

Er ist schneeweiß und eine seltene Schönheit. Er lebt in der westschwedischen Region Värmland. Und er trägt den melodischen Namen Ferdinand. Doch Elch Ferdinand sollte sterben. Prompt gingen Zehntausende seiner Fans auf die Barrikaden - mit Erfolg.

Von Carsten Schmiester, ARD-Studio Stockholm

Keine schöne Szene, ein Schuss, dann der zweite. Ein Jagdhund jault und ein kapitaler Elch geht zu Boden. Etwa 80.000 Elche werden pro Jahr in Schweden geschossen, alles streng geregelt, die Quoten sind vom Staat festgesetzt. Das Ziel ist vor allem Naturschutz. Zu viele Elche schaden laut Regierung den Wäldern und einige der Tiere wohl auch den Menschen.

Ferdinand gehörte dazu. Weltbekannt seit er sich im August in der westschwedischen Region Värmland netterweise filmen ließ und Millionen Internetnutzer faszinierte. Denn Ferdinand ist ganz und gar schneeweiß, eine seltene Schönheit. Doch er sollte sterben. Weil er sich angeblich daneben benommen hat. Das war vor gut einer Woche, da soll er eine Frau angegriffen haben, die ihre beiden Hunde spazieren führte. Die Frau fiel hin vor lauter Schreck. Mehr war nicht passiert. Aber es hätte ja mehr passieren können, sagte die Polizei und gab Ferdinand zum Abschuss frei, vorsichtshalber.

Hans Nilsson konnte das von Anfang an nicht verstehen. Im schwedischen Radio erklärte er: "Der Elch verhält sich völlig artgerecht. Wenn man ihn nicht provoziert, gibt es auch keine Probleme." Nilsson musste es wissen, er hat den inzwischen berühmten Film gedreht, auf fünf Meter Entfernung war er rangekommen. Ferdinand schien nicht besonders interessiert und kaute seelenruhig einen Busch an. Nichts als eine hinterlistige Täuschung?

Ferdinand soll Menschen angegriffen haben

Vor drei Jahren, erzählen sich die Leute in Värmland, da hat er schon einmal Menschen angegriffen, angeblich sogar Kinder. Jetzt die Frau mit den Hunden. Das reichte der Polizei, die allerdings nicht mit den Ferdinand-Fans gerechnet hatte. Sie waren mit der Freigabe zum Abschuss ganz und gar nicht einverstanden, allen voran Nilsson selbst: "Ich war schockiert, als ich hörte, dass man den weißen Elch schießen wollte. Er ist doch eines der Symbole für den Tourismus hier im Värmland. Offiziell konnte ich nichts tun, außer, die Jäger eindringlich zu bitten, ihn nicht zu schießen. Ich hätte mir aber auch vorstellen können, ihn als menschliches Schild zu beschützen."

Online-Petition gegen Abschuss von Ferdinand

Soweit kommt es nun nicht. Denn offenbar hat Ferdinand von der Sache Wind gekriegt und ist seit Tagen nicht mehr gesehen worden. Und mehr als 30.000 Schweden hatten eine Online-Petition gegen seinen Abschuss unterschrieben. Gestern Abend dann der Rückzieher der Polizei. Schießbefehl aufgehoben - bis auf Weiteres! Die Begründung: Seit dem Zwischenfall mit der Frau sei nichts mehr passiert, der weiße Ferdinand sei dann also wohl doch nicht ganz so gefährlich. Er dürfe leben, solange es keine neuen Zwischenfälle gäbe.

Was Nilsson heute zum glücklichsten Mann Westschwedens macht. "Sein" Elch ist begnadigt, auch dank der vielen Tausend Online-Unterstützer: "Es ist fantastisch, dass er leben darf. Ferdinand ist ein friedlicher und menschenfreundlicher Elch. Er mag einfach nur keine Hunde, wenn sie ihn anbellen."

Nach tausendfachem Protest: Polizei "begnadigt" Ferdinand
Carsten Schmiester, ARD Stockholm
15.11.2017 11:46 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 15. November 2017 um 12:50 Uhr.

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