Schlusslicht

Trichomonas vaginalis

Ladies and Gentlemen - Trichomonas vaginalis! Ode an einen zwielichtigen Einzeller

Stand: 31.05.2016 21:33 Uhr

Manche öffentliche Ehrung kann etwas doppelbödig sein. Spätestens, wenn man sich in bester Gesellschaft mit Parasiten und Schleimpilzen befindet, sollte man überlegen, ob man sich als Preisträger geschmeichelt fühlen soll. In diesem speziellen Fall passt der Geehrte aber genau in so ein Umfeld.

Von Wulf Rohwedder, tagesschau.de

Sie sind unter uns - immer und überall. Viele von ihnen verrichten lebenswichtige Aufgaben. Und trotzdem ignorieren wir sie fast immer und nehmen sie bestenfalls dann zur Kenntnis, wenn sie einmal stören sollten. Ja, es ist nicht einfach, ein Einzeller zu sein. Umso lobenswerter ist es, ihnen auch einmal ganz besondere Aufmerksamkeit zu widmen.

Dieser Aufgabe widmet sich die Deutsche Gesellschaft für Protozoologie - und wählt seit 2007 den Einzeller des Jahres. Das Pantoffeltierchen war es bereits, ebenso das Wimpern-, Augen-, Sonnen- und Trompetentierchen. Das klingt zunächst erst einmal so, als ob die Protozoologen-Jury vornehmlich Mitglieder einer Art Streichelzoo sympathischer Mikroorganismen ehrt.

Kein Sympathiebonus - im Gegenteil

Dass sich die Deutsche Gesellschaft für Protozoologie von Sympathie und Attraktivität der Kandidaten beeinflussen lässt, das widerlegen einige der früheren Preisträger wie der Schleimpilz Dictyostelium oder die Vampir-Amöbe Vampyrella. Auch der diesjährige Titel geht an ein Geißeltierchen, das man am liebsten nicht in der Nähe haben will: Der Trichomonas vaginalis, ist ein Parasit, der sich in den Schleimhäuten im Genitalbereich wohlfühlt - und dort leider auch das Krankheitsrisiko erhöht.

Mit der Wahl der Trichomonas vaginalis wolle man darauf aufmerksam machen, dass einzellige Parasiten auch für Menschen gefährlich sein können, sagte Renate Radek, Geschäftsführerin der Deutsche Gesellschaft für Protozoologie. Dementsprechend wurde dem Preisträger auch keine Eloge gewidmet, zumal er zu der Verleihung wohl ohnehin nicht gekommen wäre - was allen potenziellen Gästen ausdrücklich zu wünschen wäre.

Eine etwas andere Laudatio

Vielmehr widmeten die Protozoologen dem Geehrten ein Infoblatt, das beschreibt, wie man ihn vermeidet und schlimmstenfalls wieder los wird. Zu den Details verweisen wir hier aus Rücksicht auf zarte Gemüter auf die Webseite des Verbands.

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