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Schlusslicht

Horst Tappert als Derrick

Derrick zum Selberbasteln

Harry, Wagen und Trenchcoat kommen extra

Seit nunmehr 15 Jahren fehlt er uns: Oberinspektor Stephan Derrick starb 1998 den Serientod und nahm damit eine Krimireihe mit ins Grab, der so mancher Connaisseur der betulichen Ermittlung nachtrauert. Seine Mordkommission ist längst in alle Fernsehwinde zerstreut. Und doch hat all die Jahre etwas überlebt...

Von Wulf Rohwedder, tagesschau.de

Coole Cops, die öfter ihre Sonnenbrille aufsetzen als einen anderen Gesichtsausdruck. Wilde Autobahnpolizisten, die mehr Fahrzeuge der gehobenen Mittelklasse auf dem Gewissen haben als die Abwrackprämie. Ermittler, die jeden noch so schweren Fall mittels ihrer Spezial-Labors, Super- Computer oder übersinnlichen Fähigkeiten lösen - und das in extra bunt, High Definition und trotz diverser Werbepausen in kürzester Zeit.

Was waren das noch für Zeiten, als ein grauer Oberinspektor, Besoldungsgruppe A10, aus einem grauen Büro heraus sämtliche Morde in München aufklären konnte – übrigens ohne auch nur ein einziges Mal befördert zu werden: Wählscheiben-Fernmelde-Endgerät statt Smartphone, dröge Verhöre statt DNA-Sequencer, Fahrtenbuch statt Verfolgungsjagd, das waren die Mittel seiner Wahl.

Massenmord an Millionären

Doch irgendwann waren die Villenvororte der bayerischen Landeshauptstadt wohl durch diverse Tötungsdelikte entvölkert und Stephan Derrick haute in den Tränensack. Sein treuer Begleiter belästigte von nun an Ordensfrauen, statt den großen traurigen Mann im Trenchcoat herumzuchauffieren. In München musste nun auch bei Morden außerhalb des Speckgürtels ermittelt werden, was man allerdings weitgehend den Kollegen aus dem Ersten überließ.

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Alles vorbei, vergessen, verloren? Nein, nicht wirklich: Ein Fan hatte seinerzeit das Büro von Oberinspektor Stephan Derrick erworben und seitdem gut aufbewahrt. Nun möchte er die Verantwortung in neue Hände abgeben. Die Kulisse der Münchner Mordkommission steht deshalb auf einem einschlägigen Internet-Auktionshaus zum Verkauf – zu einem Startpreis von 444 Euro, nur für Selbstabholer.

Ist er tot, Stephan? Ja, er ist tot, Harry

Wer will, der kann sich bereits an diesem Wochenende die grauen Wände samt noch grauerer Behördentür und Stuckapplikationen  - Achtung: lichte Höhe 3,50 Meter - zu Hause aufbauen. Statt Ego-Shooter zu spielen oder 3D-Filme zu schauen, stellt man im Familienkreis die redundantesten Dialoge noch einmal nach oder probiert aus, ob man auch den hartherzigsten Mörder zum Geständnis langweilen kann. Tränensäcke sind im Theaterfachhandel zu erwerben.

Stand: 18.01.2013 21:14 Uhr

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