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Schlusslicht
Depardieu zieht nach Russland
Der Neue in der Demokratie-Straße
Die "Causa Depardieu" ist in Russland ein Fall für das Staatsfernsehen: Dass der füllige Franzose nun offiziell in der russischen Provinz registriert ist, entzückt die Medien. Neuer Wohnsitz des Steuerflüchtlings: Die Demokratie-Straße in der Stadt Saransk. Die meiste Zeit wird er aber wohl auf einem Landsitz nahe Moskau verbringen.
Von Stephan Laack, ARD-Hörfunkstudio Moskau
Gerard Depardieu macht Ernst. Der französische Schauspieler, der aus Verärgerung über eine geplante Reichensteuer in seiner Heimat die russische Staatsbürgerschaft angenommen hat, verlegt seinen Wohnsitz nach Russland. Pünktlich zum staatlichen Feiertag des Vaterlandsverteidigers hat der Steuerflüchtling in Saransk seinen Meldeschein erhalten. Die Stadt liegt ca 650 Kilometer südöstlich von Moskau entfernt. Depardieus neue Adresse ist die Uliza Demokratitscheskaja - die Demokratie-Straße. Ein passender Name, hatte der Filmstar doch die Vorzüge der russischen Demokratie gelobt und Kritikern von Präsident Putin unterstellt, sie hätten keine Ahnung.
Roter Teppich für den Hünen aus Frankreich
Die Wohnung in Saransk soll ihm sein Freund Nikolai Borodatschow, der Chef des russischen Filmarchivs, besorgt haben. Die sonst üblichen bürokratischen Prozeduren bei der Registrierung werden für Depardieu entfallen. Ihm wird in der Hauptstadt der Region Mordwinien der rote Teppich ausgerollt. Der dortige Gouverneur wollte ihm ein Haus schenken. Depardieu war sogar angeboten worden, dort Kulturminister zu werden, was der 64-jährige aber abgelehnt hatte.
Depardieu holt sich in Wahlheimat Saransk Meldeschein ab
S. Laack, ARD Moskau
22.02.2013 13:39 Uhr
Zwischen Enten und Bisamratten
Trotz offizieller Registrierung in Saransk wird Depardieu zukünftig wohl häufiger in der Nähe von Moskau anzutreffen sein. In dem Dörfchen Belyje Stolby hat sich der Franzose ein 1700 Quadratmeter großes Grundstück gekauft. Depardieus Freund Borodatschow verriet unlängst, der Schauspieler sei von der Landschaft, den Birkenwäldern und den Teichen mit Enten und Bisamratten derart angetan gewesen, dass er sich dort ein Haus bauen lasse.
Das Fundament stehe bereits, so Borodatschow. Depardieu lege zudem Wert auf eine landestypische, urige Behausung: "Eine seiner Bedingungen war, dass das Haus aus Holz gebaut wird. Es wird also ein echtes russisches Bauernhaus. Vielleicht nicht ganz so groß, aber komfortabel."
Ab ins Dampfbad
Überhaupt habe sich Depardieu in kürzester Zeit assimiliert. Da verstehe es sich von selbst, dass eine eigene Banja, ein russisches Dampfbad, nicht fehlen dürfe: "Was ist schon ein Russe ohne seine Banja! Natürlich wird er sich eine Banja bauen lassen! Er ist nun ein russischer Bürger. Er ist sowohl vom Charakter als auch vom Geist her ein Russe", sagt Borodatschow.
Die Sehnsucht nach der russischen Seele
Und so dürfte Depardieus Traum schon bald Wirklichkeit werden. Ausdrücklich hatte der Schauspieler betont, er sehne sich nach der russischen Seele. Er träume davon, am Ufer eines Sees zu sitzen und zu fischen und anschließend durch die Birkenwälder zu streifen. Wie schön, dass Depardieu dank des russischen Einheitssteuersatzes von 13 Prozent dabei auch noch eine Menge Steuern sparen kann.
Stand: 22.02.2013 14:59 Uhr
