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Der Banknotendesigner Robert Kalina entwarf für jeden Euro-Schein eine Brücke in einem Baustil und gewann damit 1996 den EU-Wettbewerb für die Gestaltung der Banknoten: Der 20-Euro-Schein steht für die Gotik, der Hunderter für Barock und Rokoko - und die Brücke als Symbol für das Zusammenleben. In der Realität gab es diese Brücken nicht. Denn wer hätte in der vielstimmigen EU entscheiden sollen, welche Brücke aus welchem Land auf welchen Schein kommt? Diplomatische Zerwürfnisse wären vorprogrammiert gewesen.
[Bildunterschrift: Die 50-Euro-Brücke ist schon fertig und soll Touristen in die Niederlande locken. ]
Was die EU 1996 nicht ahnen konnte: Die Niederlande bringen dieses "diplomatische" Konzept jetzt völlig durcheinander. Denn schon bald werden die fiktionalen Euro-Brücken dort Realität.
Beim Warten auf die Rechnung im Restaurant dachte sich der niederländische Grafikdesigner Robin Stam, es wäre doch "ein netter Gag, sie wirklich zu bauen". Damit überzeugte er den Bürgermeister seiner Heimatgemeinde Spijkenisse. In der Kleinstadt bei Rotterdam werden nun künftig alle sieben Euro-Brücken eng besammen stehen - in einem Neubauviertel in einer wasserreichen Gegend.
Investoren, Architekten und Baubetriebe waren rasch gefunden. Die Europäische Zentralbank erkannte die Chance, dem Euro mit realen Geldscheinbrücken zusätzlich Popularität zu verschaffen, und gab grünes Licht. Romanik (10 Euro) und Renaissance (50 Euro) sind schon fertig.
Drohen damit nun diplomatische Zerwürfnisse zwischen den Niederlanden - die plötzlich alle Euro-Brücken besitzen - und den anderen 26 EU-Staaten, die keine haben? Dazu äußert Designer Stamm sich nicht. Er denkt an die Touristen: "In spätestens zwei Jahren wird hier alles fertig sein und dann kommen hoffentlich viele Besucher." Und wer weiß: Vielleicht hat sich das mit dem Euro in zwei Jahren sowieso erledigt. Daran wären dann aber vermutlich nicht die Niederländer schuld, sondern doch eher die Griechen.
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