Schlusslicht

Unterhändler der Brexit-Verhandlungen schütteln sich die Hand | Bildquelle: dpa

TV-Pause Have a Break - from Brexit

Stand: 16.10.2019 16:36 Uhr

Manchmal ist weniger mehr, das gilt sogar für Nachrichten. Wer genug vom Brexit hat, der kann sich jetzt eine Pause von dem Thema gönnen, wenn er es sich leisten kann. Aber: Only the Sky has the limit.

Von Wulf Rohwedder, tagesschau.de

Ja, es nervt. Ehrlich gesagt auch einige tagesschau-Redakteure. Und trotzdem bleibt Nachrichtenjournalisten nichts anderes übrig, als weiter darüber zu berichten: Der Brexit stellt nicht nur die Geduld der Politiker auf die Probe, sondern auch den Langmut der Berichterstatter und des Publikums. 7862 Treffer hat der Begriff aktuell allein in der tagesschau.de-Datenbank - das Erreichen eines fünfstelligen Ergebnisses ist durchaus absehbar.

Ein Break vom Brexit, das wäre schön. Und genau den gibt es - zumindest für die Bewohner des betroffenen Inselreichs, die sich einen solchen Luxus leisten können, sprich für Abonnenten des Bezahlsenders Sky. Für fünf Stunden an fünf Tagen der Woche verspricht "Sky News Brexit-Free" garantiert austrittsfreie Nachrichten. Der Sender ist sich sicher, auch ohne Johnson und Farage, Barnier und Rees-Mogg "schonungslosen, originellen Journalismus" liefern zu können - und will so das Drittel seiner Zuschauer zurückgewinnen, das die Nachrichten wegen der Brexit-Debatte boykottiert.

Das böse B-Wort

Jedem, der schon mal das Ja-Nein-schwarz-weiß-Spiel gespielt hat, ist schmerzlich bewusst, wie schwer es ist, genau jene Begriffe zu vermeiden, an die man dauernd denken muss. Sollte es das Wort, das nicht genannt werden soll, trotzdem einmal fallen - sitzt dann ein alerter Mitabeiter bereit, der es wie die berühmten bösen Four-Letter-Words wegpiepst? Müssen Interviewpartner eine Brexit-Verschwiegenheitserklärung mit empfindlichen Vertragsstrafen unterschreiben?

Einerseits sind die Kollegen von Sky News Brexit-Free zu beneiden. Andererseits werden sie Tage erleben, in denen sie sich fragen werden, was sie denn so fünf Stunden lang sonst so erzählen sollten. Spätestens dann werden sie zeigen, wie "schonungsloser, origineller Journalismus" geht. Der eine oder andere Backwettbewerb oder royale Ausrutscher wird es schon richten. Und wenn nicht, können die Moderatoren ja mal ihr Talent für Stand-Up-Comedy oder Pantomime ausleben. Bis sich die Zuschauer dann doch lieber die Brexit-News zurückwünschen.

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