Schlusslicht

Silvio Berlusconi | Bildquelle: REUTERS

Ein Milliardär hat's schwer Das Comeback des "Cavaliere"?

Stand: 21.11.2017 13:14 Uhr

Um Silvio Berlusconi, Multimillionär, Multi-Regierungschef und Medienmulti war es zuletzt eher ruhig geworden. Zuletzt brachte der 81-Jährige Gleichaltrigen Ständchen im Altersheim. Doch jetzt will der "Cavaliere" es noch einmal wissen.

Von Wulf Rohwedder, tagesschau.de

Es ist ja auch gemein: Überall auf der Welt feiern seinesgleichen einen politischen Erfolg nach dem anderen, nur einer muss zusehen - ausgerechnet Silvio Berlusconi, vierfacher italienischer Regierungschef und quasi der Prototyp des populistischen Multimillionärs mit, sagen wir mal, mehr oder weniger flexiblen Moralvorstellungen und ebenso elastischen politischen Prinzipien.

Kein Wunder, dass der "Cavaliere" am liebsten auch noch einmal ran will - nur darf er es nicht: Eine Verurteilung verhindert noch bis 2019, dass er ein öffentliches Amt bekleidet. Dabei hat er sich doch nicht wirklich was zuschulden kommen lassen, vergleicht man das mit dem, was Politikern wie US-Präsident Donald Trump, dem Wahlsieger in Tschechien, Andrej Babis oder dem Parteichef der regierenden sozialdemokratischen PSD, Liviu Dragnea, vorgeworfen wird.

Silvio Berlusconi | Bildquelle: REUTERS
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Silvio Berlusconi: Im Wahlkampf zu den Regionalwahlen in Sizilien hat er kräftig mitgemischt - er selbst darf derzeit kein öffentliches Amt bekleiden.

War da was?

Zugegeben: Da war diese Bunga-Bunga-Sache und auch irgendwas mit der Mafia - aber das sind alte Geschichten von gestern, meist nie wirklich bewiesen und irgendwie auch Folklore. Und das bisschen Steuerhinterziehung... Dafür bekamen die Italiener immerhin ein Staatsoberhaupt, das ein Vielfaches unterhaltsamer war als die öden Technokraten und Realpolitiker, die ihm nachfolgten.

Und Berlusconi hat wahrlich dafür gebüßt: Vier Jahre Gefängnis lautete das Verdikt. Gut, das wurde schnell auf ein Jahr Sozialstunden reduziert. Dann hieß es tatsächlich: Jeden Tag im Altersheim anpacken - und das, wo der 80-Jährige bekannterweise die Gesellschaft deutlich jüngerer Damen bevorzugt.

Vielleicht hatten deshalb die Richter schnell ein Einsehen und entschieden, dass Berlusconi nur noch einmal die Woche ins Institut Sacra Famiglia nahe Mailand musste. Für vier Stunden. Und auch diese wurden ihm erlassen - wegen guter Führung.

Jeder verdient eine zweite Chance - oder dritte, vierte, fünfte...

Das ist wohl der letzte Beweis: Wir sehen nun einen grundlegend geläuterten Mann. Das sieht sogar EU-Parlamentspräsident  Antonio Tajani so: "Berlusconi garantiert Stabilität, wie er es immer getan hat." Das stimmt sogar - wenigstens insofern, dass die Italiener bei Berlusconi wissen, auf was sie sich einlassen.

Da ist es nur konsequent, dass der Cavaliere mit einer Klage vor dem Gerichtshof für Menschenrechte durchsetzen will, künftig wieder ein politisches Amt bekleiden zu können. Hat er Erfolg, könnten wir uns vielleicht auf eine fünfte Staffel der Polit-Reality-Show des Medienpolitikers freuen.

Silvio Berlsuconi | Bildquelle: REUTERS
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Grund zum Lächeln für Silvio Berlusconi: Er soll von der Ex-Frau Geld zurückbekommen.

Kleinvieh macht auch Mist

Einen kleinen Erfolg konnte Berlusconi bereits dieser Tage vor Gericht feiern: Er bekommt von seiner Ex-Frau 60 Millionen zurückerstattet. Das höchste Gericht Italiens entschied, dass Veronica Lario, selbst Multimillionärin, nicht wirklich 1,4 Millionen Euro pro Monat braucht, um einen angemessenen Lebensstil zu pflegen. Die Bewohner von Sacra Famiglia würden sich bestimmt freuen, wenn von den Ersparnissen ein paar Euro für sie abfallen würden.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 09. November 2017 um 09:10 Uhr.

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