Schlusslicht

Prinz Laurent von Belgien | Bildquelle: dpa

Prinz Laurent von Belgien Der harte Berufsalltag eines Skandal-Prinzen

Stand: 21.01.2016 09:10 Uhr

Es ist wieder soweit: Das Enfant Terrible Belgiens ist in den Schlagzeilen. Es handelt sich um keinen Geringeren als den jüngsten Bruder des belgischen Königs Phillipe. Das letzte Mal sorge Prinz Laurent für Aufregung, weil er seiner Familie Stasimethoden vorgeworfen hat. Nun zeigt sich: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.

Von Bettina Meier, ARD-Studio Brüssel

Als Mitglied einer königlichen Familie hat man es nicht leicht: Hände schütteln, Empfänge, Repräsentieren. Ein Vorbild sein fürs Volk, immer und überall.

Prinz Laurent von Belgien, der jüngste Bruder des belgischen Königs Phillipe nimmt dies offenbar wörtlich. Über seine Berater ließ der 52-jährige Prinz mitteilen: "Ich bin immer und überall Prinz. Auch auf der Skipiste. Alle meine Aufgaben sind funktionsbezogen."

Skiurlaub und Schulrechnungen - alles Berufskosten

Kurzerhand rechnete Prinz Laurent einen Skiurlaub, Supermarktquittungen und Schulrechnungen seiner Kinder mal eben als Berufskosten ab. Der belgische Rechnungshof schlug Alarm. Der Bericht der Finanzprüfer landete bei Belgiens Klatschpresse.

Er gilt als schreckliches Kind Belgiens, heimste Namen wie Prinz Vollgas ein, der seinen Führerschein los wird, weil er mit 147 Stundenkilometern durch einer 50er-Zone rast und mit 82 Kilometer pro Stunde durch eine verkehrsberuhigte Straße.

Erfahrung hat er auch mit Finanzskandalen: So versuchte er die Einrichtung seiner Privatvilla aus den Kassen der belgischen Seestreitkräfte zu bezahlen. Die Fotos seiner neugeborenen Kinder wollte er für 15.000 Euro an die Presse verkaufen.

"Wie viel Unfug müssen wir noch ertragen?"

"Ich frage mich, wie viel Unfug wir von Prinz Laurent noch ertragen müssen!?", schimpft der belgische Politiker und Fraktionssprecher der N-VA Partei im belgischen Parlament, Hendrik Vuye. "Unglaublich, dass Steuergeld für private Zwecke verwendet wird."

Tatsächlich erhält der Prinz als Mitglied der königlichen Familie pro Jahr 300.000 Euro vom Staat: 86.000 Euro als Lohn, 220.000 Euro darf er nur für offizielle Aktivitäten ausgeben - mit Beleg.

Und so kam es schon mal vor, dass der Besuch bei einem Eisstand damit endete, dass Laurent sein Geld wieder heimlich in die Tasche steckte. Mit dabei: Das belgische Fernsehen. Ein Journalist hatte genau hingeschaut: "Großzügig zückt Prinz Laurent einen Zehneuroschein. Auch wenn die Verkäuferin ihm das Eis schenken möchte, Laurent will seine Rechnung selbst bezahlen, koste es was es wolle. Und dann kommt das Eis und hoppla - was ist das? Unauffällig nimmt Prinz Laurent die zehn Euro zurück. Ein Prinz der sein Geld liebt."

Am Bildrand sieht man in Zeitlupe, wie Laurent das Geld wieder von der Theke nimmt und in Taschenspieler-Manier in die Hose steckt. Auf dem Video ist deutlich zu erkennen, Prinz Laurent hat sein Eis gar nicht bezahlt.

Die Belgier sehen es gelassen

Die Belgier gehen mit ihrem Prinzen dennoch locker um. Prinz Laurent fällt eben auf, irgendwie ist er auch nicht unbeliebt. Und so darf der Skandal-Prinz wohl auch in Zukunft weiter den König auf öffentlichen Anlässen vertreten. Er ist übrigens auch als UN-Sonderbotschafter in Ernährungsfragen unterwegs.

Immerhin hat Laurent jetzt mitteilen lassen, dass er 16.000 Euro aus eigener Tasche an den Staat zurückgezahlt hat. Allerdings erst nachdem in Belgien wieder einmal darüber diskutiert wurde, dem Prinzen sein Taschengeld zu streichen.

Der Prinz der Skipiste
B. Meier, HR Brüssel
21.01.2016 07:59 Uhr

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Dieser Beitrag lief am 21. Januar 2016 um 12:50 Uhr bei Inforadio.

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