Blick auf das Zentrum von Riad | Bildquelle: REUTERS

Saudi-Arabien Billig war gestern

Stand: 01.01.2018 12:46 Uhr

Die Saudis waren bisher großzügige Subventionen auf Wasser und Benzin gewohnt. Doch damit ist nun Schluss: Ab sofort gibt es eine Mehrwertsteuer - und Benzin ist drastisch teurer.

Von Carsten Kühntopp, ARD-Studio Kairo

Lange Autoschlangen hat es am letzten Abend an den Tankstellen in Saudi-Arabien nicht gegeben. Aber kurz vor dem Inkrafttreten der neuen Preise füllte Basem Shabanah noch mal den Tank. Der Ägypter lebt in Riad. "Die Steigerung trifft die Leute, deren Leben vom Auto abhängt", sagt er. Er selbst arbeite bei einer Firma für medizinische Geräte. "An einem normalen Tag fahre ich zwischen 300 und 400 Kilometer, zwischen Riad und anderen Städten. Deshalb trifft mich das sehr."

Wenige Stunden vor Mitternacht hatte das Energieministerium die neuen Benzinpreise bekanntgegeben. Ein Liter Super kostet nun umgerechnet 45 Euro-Cent - mehr als doppelt so viel wie zuvor. Damit wolle man den schnellen Anstieg des Energieverbrauchs im Land bremsen, so das Ministerium. Die Saudis waren bisher großzügige Subventionen auf Strom, Wasser und Benzin gewohnt. Doch die baut die Regierung nun Schritt für Schritt ab.

Msafer al-Radhan trägt's mit Fassung - und gibt sich als loyaler saudischer Untertan, nachdem auch er getankt hat. "Wir unterstützen die Regierung und akzeptieren, was sie entscheidet", sagt er. Das sei zum Vorteil des Landes. "Das Geld, das eingenommen wird, dient den Bürgern, weil die Stellung des Landes verbessert wird."

Ausgaben in Rekordhöhe geplant

Um die Preissteigerungen abzufedern, hat die Regierung für untere und mittlere Einkommensklassen das Programm "Bürgerkonto" aufgelegt: Erstmals erhielten im Dezember drei Millionen berechtigte Haushalte einen direkten Zuschuss, wie das Sozialministerium mitteilte. Laut der Statistikbehörde gibt es im Land dreieinhalb Millionen Haushalte, in denen Saudis leben.

In die neuen Benzinpreise bereits eingerechnet ist die neue Mehrwertsteuer in Höhe von fünf Prozent. Mit ihrer Einführung geht - wie eine saudische Zeitung es heute bewertet - eine Ära zu Ende: Ein Zeitalter weitgehend ohne Steuern und Abgaben. Der Grund: Obwohl sich der Ölpreis etwas erholt hat, bleibt er niedrig. Der neue Staatshaushalt, den der König vor einigen Tagen vorstellte, sieht Ausgaben in Rekordhöhe vor, damit die lahmende Wirtschaft angekurbelt wird; im vergangenen Jahr schrumpfte sie. Gleichzeitig ist aber einmal mehr ein Defizit geplant, diesmal in Höhe von 43 Milliarden Euro.

Weil Saudi-Arabien seine Abhängigkeit von Öl und Gas beenden will, muss es die staatlichen Einnahmen auf eine breitere Basis stellen, neue Einnahmequellen müssen her. Von einer Steuer auf Einkommen spricht jedoch niemand. Noch nicht.

Kulturschock für die Golf-Araber

Neben dem Königreich sind die Vereinigten Arabischen Emirate die zweite Öl-Monarchie am Golf, die heute eine fünfprozentige Mehrwertsteuer eingeführt hat. Für die Golf-Araber ist es ein Kulturschock: Erstmals gibt "Vater Staat" nicht nur - jetzt nimmt er auch.

Den drastischen Anstieg der Benzinpreise werden die meisten Saudis sicherlich bald verdaut haben. Auch bei Meshood aus Pakistan hält sich der Ärger in Grenzen. "Aus Sicht der Menschen ist es nicht hundertprozentig in Ordnung, die Leute werden das nicht akzeptieren", glaubt er. "Aber Benzin ist nach wie vor billig - billiger als in anderen Ländern, würde ich sagen."

Teurer Start ins Neue Jahr in Saudi-Arabien
Carsten Kühntopp, ARD Kairo
01.01.2018 12:46 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Darstellung: