Friedhof der zerstörten Dörfer – Aktion gegen den Braunkohletagebau

Nordrhein-Westfalen Sternmarsch: Braunkohlegegner fordern Umsiedlungsstopp

Stand: 23.03.2019 15:00 Uhr

"Alle Dörfer bleiben" - unter diesem Motto haben Initiativen heute zu einem Sternmarsch in Erkelenz aufgerufen.

"Alle Dörfer bleiben" - unter diesem Motto haben Initiativen am Samstag (23.03.2019) zu einem Sternmarsch rund um den Tagebau Garzweiler II bei Erkelenz aufgerufen. Ziel ist die bedrohte Ortschaft Keyenberg.

Die fünf Ortschaften Keyenberg, Kuckum, Berverath, Ober- und Unterwestrich sollen dem Tagebau Garzweiler II weichen. Die Umsiedlung der rund 1.500 Menschen ist in vollem Gange. Doch seit dem Berliner Kohlekompromiss ist die Unsicherheit in den Ortschaften groß.

Verlust der Heimat

Bis 2038 soll Deutschland nach den Empfehlungen der Kohlekommission aus der Braunkohle aussteigen. Ist es dann noch notwendig, Dörfer zu zerstören?

Diese Frage stellen sich viele, auch Marita Dresen aus Kuckum. Sie ist 52 Jahre alt. Sie möchte ihre Heimat auf keinen Fall verlieren. "Für meine Eltern ist es so schlimm, dass sie wirklich sagen: Wenn dieser Bagger kommt, möchten sie lieber sterben."

Kohlekommission hat keine Klarheit gebracht

Dresen wird mitmarschieren, wenn es heißt: "Alle Dörfer bleiben". Ein Sternmarsch nach Keyenberg, dem Ort, der als nächstes abgebaggert werden soll. Mehr als 4.000 Braunkohlegegner werden erwartet. So wie Britta Kox aus Berverath.

Sie erzählt, dass sie in Immerath geboren wurde und ihre Jugend verbracht hat. Das Dorf gibt es nicht mehr. Auch mit Keyenberg verbindet sie Erinnerungen: "Ich habe meinen Mann hinter der Kirche zum ersten Mal geküsst. Wenn die abgerissen wird, wird es diesen Erinnerungspunkt nicht mehr geben. Jede Schaufel Erde, die gebaggert wird – zerreißt einem die Seele."

Gespaltene Dörfer

Die Ortschaften sind gespalten: Es gibt Menschen, die noch einmal für ihre Heimat kämpfen wollen. Sie hoffen, dass die Dörfer stehen bleiben.

Und es gibt jene, die endlich umsiedeln wollen. Zu ihnen gehört Gabi Clever aus Kuckum. Sie sagt, dass sie endlich abschließen wolle, endlich Frieden finden möchte mit dem Thema Umsiedlung.

RWE: Tagebau Garzweiler ist energiepolitisch notwendig

RWE hat nach eigenen Angaben bereits 60 Prozent der Anwesen in den fünf Orten gekauft, über weitere 15 Prozent wird verhandelt.

Der Tagebau Garzweiler II werde trotz eines früheren Ausstiegs aus der Braunkohle gebraucht, sagt Erik Schöddert von RWE. Deshalb werde die Umsiedlung planmäßig weitergeführt: "Es gibt keinen Zweifel an der energiepolitischen Notwendigkeit von Garzweiler."

Proteste gehen weiter

Wer geglaubt hat, dass der Berliner Kohlekompromiss für Klarheit und Ruhe im Rheinischen Revier sorgen würde, hat sich getäuscht. Die Proteste gehen weiter. Nach dem Hambacher Forst jetzt auch in den Umsiedlungsdörfern.

Quelle: wdr.de

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