Moschee in Köln

Nordrhein-Westfalen Erdogan in Köln: Warum vieles unklar ist

Stand: 27.09.2018 12:39 Uhr

Warum gibt es bis kurz vor Schluss so viele offene Fragen rund um den Erdoğan-Besuch? Eine Einordnung von Erkan Arikan, Leiter der türkischen Redaktion von Cosmo.

WDR: Was verspricht sich der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan von seinem Auftritt in Köln?

Erkan Arikan: Erdoğan möchte auf jeden Fall der türkeistämmigen Community und seinen Wählern zeigen: Selbst wenn die Deutschen uns nicht gestatten, zu euch zu sprechen, ich finde immer einen Weg.

WDR: Ministerpräsident Armin Laschet und die Kölner OB Henriette Reker haben ihre Teilnahme abgesagt. Wird das eine reine Erdoğan-Show?

Arikan: Mit Sicherheit, Erdoğan wird diese Plattform komplett nutzen, um sich als Heilsbringer für die türkeistämmige Community zu präsentieren.

Erkan Arikan | Bildquelle: WDR/Dominique Ecken
galerie

Erkan Arikan

WDR: Das Programm scheint ein großes Geheimnis zu sein. Warum verhält sich die Ditib als wichtigster Islamverband in Deutschland so?

Arikan: Das Problem ist, dass die Ditib selbst von diesem Besuch überrascht wurde. Meinem Eindruck nach hat die Erdoğan-Administration beschlossen, den Staatsbesuch mit der Eröffnung zu verknüpfen. Die Ditib harrt nun der Dinge, was Erdoğan eigentlich möchte.

Selbst die Polizei und die NRW-Staatskanzlei wissen noch nichts Konkreteres. Auch das ist absolut ungewöhnlich, normalerweise wird so ein Besuch auf Regierungsebene abgestimmt.

WDR: Also ein Staatsbesuch als Überraschungspaket. Wie gespannt wird die Lage am Samstag in Köln sein?

Arikan: Es sind mehrere Demonstrationen angemeldet, von Erdoğan-Kritikern, von pro-kurdischen Organisationen. Es muss wahrscheinlich rund um die Moschee ein großer Sicherheitskorridor geschaffen werden. Denn Erdoğan ist als Staatspräsident hoch schutzbedürftig.

WDR: Ist schon klar, wo welche Demonstration stattfindet?

Arikan: Auch das ist noch offen. Da die Polizei noch nicht weiß, wo genau Erdoğan entlangfahren wird, sind auch die Demonstrationswege noch unklar.

Es ist gut möglich, dass wir das erst kurz vor seiner Ankunft in Köln wissen, das wird am Samstag um die Mittagszeit sein.

WDR: Welche Rolle spielt in dieser Gemengelage, dass der Verfassungsschutz prüft, die Ditib zu überwachen?

Arikan: Wir wissen, dass die Ditib ein sehr, sehr enges Verhältnis zur Regierung in Ankara hat, möglicherweise von dort gesteuert wird. Es wird aber auch vermutet, dass der Verfassungsschutz mit dieser Prüfung ein bisschen von seinen eigenen Problemen ablenken will.

Fakt ist, dass in zahlreichen Moscheen türkisch-nationalistische Propaganda betrieben wird, es werden Gemeindemitglieder denunziert. Es ist sinnvoll, wenn der Verfassungsschutz das im Blick hat.

Das Gespräch führte Sabine Tenta.

Quelle: wdr.de

Darstellung: