Der Angeklagte im Stutthof-Prozess | Bildquelle: dpa

Prozess gegen Ex-KZ-Wachmann "Ich war nie Nazi"

Stand: 13.11.2018 19:30 Uhr

Im Prozess vor dem Landgericht Münster gegen einen ehemaligen KZ-Wachmann aus dem Kreis Borken hat der Angeklagte am Dienstag erstmals ausgesagt.

Im Prozess vor dem Landgericht Münster gegen einen ehemaligen KZ-Wachmann aus dem Kreis Borken hat der Angeklagte am Dienstag (13.11.2018) erstmals ausgesagt. Der 94-Jährige soll vom systematischen Töten im Konzentrationslager Stutthof bei Danzig nicht nur gewusst, sondern dies erst durch seinen Dienst ermöglicht haben. Die Anklage lautet auf hundertfache Beihilfe zum Mord.

Dienst war nicht freiwillig

Der Anwalt hat eine schriftliche Erklärung seines Mandaten vorgelesen. Darin begründet dieser seinen Einsatz als Wachmann mit der Angst vor den Nazis. Er habe sich nicht freiwillig für den Dienst gemeldet. 1938 sei er zum Wehrdienst einberufen worden. Da er nicht an der Front habe eingesetzt werden können, sei er nach kurzer Ausbildung mit gerade mal 18 Jahren in Stutthof gelandet. Er schäme sich dafür, das alles so hingenommen zu haben. Die Greueltaten, die während der NS-Zeit in Stutthof stattgefunden haben, hat er nicht abgestritten.

Schwarz-Weiß-Aufnahme des früheren Tors des KZ Stutthof
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Hier im KZ Stutthof war der Angeklagte Wachmann

Häftlinge in grauenvollem Zustand

Dem Angeklagten sei bewusst gewesen, dass in dem KZ Leichen verbrannt wurden. "Der Gestank war niemandem verborgen geblieben." Die Häftlinge seien in einem grauenvollen Zustand gewesen. Ihr Schicksal sei ihm nicht gleichgültig gewesen, hieß es in der Erklärung. Aber von dem Betrieb einer Gaskammer habe er nichts gewusst. Das Gebäude habe er nur als "Entlausungskammer" gekannt. Der Angeklagte glaubt, dass dort erst nach seiner Versetzung aus Stutthof im August 1944 Menschen vergast wurden. An Leichentransporte könne er sich nicht erinnern. Er selbst habe als Wachmann gearbeitet und die Häftlinge zu ihren Arbeitseinsätzen begleitet.

Viele offene Fragen

Auf viele andere Punkte der Anklage ist der in Rumänien geborene Deutsche nicht eingegangen. Seine Erklärung endete mit den Worten: "Ich bin kein Nazi, war nie einer, und werde auch in der wenigen Zeit, die mir noch bleibt, nie einer sein." Eine Entschuldigung bei den Opfern oder Überlebenden gab es nicht. Richter und Anwälte haben für den nächsten Verhandlungstag Dutzende Fragen an den Angeklagten angekündigt. So wollen die Prozessbeteiligten die Aussage des Angeklagten nicht stehen lassen.

Quelle: wdr.de

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 06. November 2018 um 23:24 Uhr.

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