Viele Infizierte in Tönnies-Fleischfabrik | Bildquelle: REUTERS

Corona-Marke überschritten "Lockdown" in Gütersloh verlängert

Stand: 29.06.2020 15:33 Uhr

Die Corona-Einschränkungen im Kreis Warendorf werden zu morgen beendet. Im Kreis Gütersloh werden sie um eine Woche noch bis zum 7. Juli verlängert.

Die Kontakteinschränkungen aufgrund der massenhaften Corona-Infektionen werden im Kreis Gütersloh um eine Woche verlängert und im Kreis Warendorf ab Dienstag (30.06.2020) aufgehoben. Das gab Ministerpräsident Armin Laschet am Montag bekannt. In beiden Kreisen haben die Infektionen direkt oder indirekt Bezug auf den Fleischkonzern Tönnies in Rheda-Wiedenbrück und sind insofern eingrenzbar.

107 Neuinfektionen in der übrigen Bevölkerung des Kreises Gütersloh - also bei den Menschen, die keinen direkten Bezug zu der Firma Tönnies haben - wurden innerhalb der vergangenen sieben Tage gezählt. Das teilte der Kreis Gütersloh am Sonntagabend (28.06.2020) mit. Damit steige die Zahl der positiven Tests in der übrigen Bevölkerung "merklich an". Im ganzen Kreis Gütersloh - also inklusive der Fälle mit Tönnies-Bezug - wurden in den vergangenen sieben Tagen 671 neue Fälle bestätigt.

Der Großteil von ihnen zeige aber keine Symptome. Daher gehe die Kreisverwaltung zusammen mit dem RKI davon aus, dass der aktuelle Anstieg "vermutlich durch die starke Ausweitung der Testung von asymptomatischen Personen bedingt" sei. Dennoch: Mit den neuen Zahlen wird die Hoffnung auf ein baldiges Ende der Einschränkungen geringer.

Keine Vorhersagen für Dienstag

Einen Ausblick auf die Entscheidung, ob der "Lockdown" am Dienstag beendet werden kann oder verlängert werden muss, gibt die Behörde aber bisher nicht.

Die kritische Marke, auf die die Menschen in Gütersloh und Warendorf gespannt blicken, liegt bei 50 Neuinfektionen innerhalb der vergangenen sieben Tage pro 100.000 Einwohner: Ab diesem Wert, auch bekannt als "7-Tage-Inzidenz", sollen strikte Eindämmungsmaßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus ergriffen werden - wie es derzeit in Warendorf und Gütersloh der Fall ist.

Die Beschränkungen in diesen beiden Kreisen galten bis Dienstag. Ob sie verlängert werden, hängt unter anderem von der Entwicklung der "7-Tage-Inzidenz" ab. In Gütersloh lag sie laut RKI am Sonntag (28.06.2020) bei 132,9, beim NRW-Gesundheitsministerium, das mit einem anderen Melde- und Berechnungssystem operiert, sogar bei 170,3.

Kritischer Wert wohl kaum zu drücken

Doch egal, welche der beiden Berechnungsarten man wählt: Schon am Sonntag war absehbar, dass Gütersloh es nicht mehr schaffen kann, unter die Marke von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner zu fallen - selbst, wenn es bis Dienstag keinen einzigen neuen Fall mehr geben würde. Denn bei 360.000 Einwohnern dürfte sich der Kreis 180 neue Fälle "erlauben". Laut RKI-Zahlen waren es aber bereits von Dienstag bis Samstag 221 Neufälle.

Beispiel Westfleisch: Lokaler "Lockdown" möglich

Allerdings bedeutet ein Überschreiten des Wertes nicht zwangsläufig, dass die "Lockdown"-Maßnahmen in Gütersloh fortgesetzt werden: Die Behörden haben die Möglichkeit, die kreisweiten Beschränkungen aufzuheben, wenn sie das Infektionsgeschehen in einem bestimmten Bereich lokalisieren können.

Das war zum Beispiel Mitte Mai der Fall, als es im Kreis Coesfeld einen Ausbruch bei "Westfleisch" gab. Die Begründung: Die Infektion ließ sich lokal klar dem Betrieb und seinen Mitarbeitern zuordnen. Ohne die "Westfleisch"-Fälle liege der Wert im grünen Bereich, argumentierten damals die Behörden.

Entspanntere Lage in Warendorf

Eine ähnliche Herangehensweise erhoffen sich auch die Menschen in Gütersloh. Ob das möglich ist, wird sich in den nächsten Tagen zeigen. Am Montag will sich Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) bei einer Pressekonferenz zur Lage in Gütersloh äußern.

Bessere Chancen auf eine Lockerung haben auf jeden Fall die Menschen im Kreis Warendorf. Dort lag die "7-Tage-Inzidenz" laut RKI am Sonntag bei 21,2. Die dortige Kreisverwaltung sieht keine Anzeichen für die Ausbreitung des Virus in der übrigen Bevölkerung. Lediglich zwei Personen ohne Tönnies-Bezug seien positiv getestet worden, teilte Landrat Olaf Gericke (CDU) mit.

OVG Münster: "Bisherige Maßnahmen rechtmäßig!"

Derweil hat das Oberverwaltungsgericht Münster entschieden: Die angeordneten strengen Maßnahmen im Kreis Gütersloh sind rechtmäßig. Es wies am Montag (29.06.2020) den Eilantrag eines Bürgers aus Schloß Holte-Stukenbrock zurück, der die Außerkraftsetzung der Verordnung in den nur wenig von Infektionen betroffenen Kommunen gefordert hatte.

Das Gericht hielt die getroffenen Regelungen in seinem Beschluss nicht für unverhältnismäßig und betonte, es gebe vielmehr eine hinreichend konkrete Gefahr, dass sich das Virus auch in andere Städte im Kreis unbemerkt ausgebreitet habe.

 

Quelle: wdr.de

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 29. Juni 2020 um 08:15 Uhr in den Nachrichten.

Darstellung: